Arbeitszeugnisse lesen als Wissenschaft: Was die Formulierungen wirklich bedeuten
- FORMAT: Die Geheimcodes der Personalabteilungen
- Für ein gutes Zeugnis so viele Superlative wie möglich

·"Killerphrasen" zum Karriere-Zerstören
FORMAT: Die besten Bei-
spiele des Geheimcodes
·FORMAT über den perfekten Lebenslauf
Wichtiges Herzstück jeder
Bewerbungsunterlage
Was für ein gutes Arbeitszeugnis, dachte sich Markus L. zunächst. Er habe zur Zufriedenheit des Vorgesetzten gearbeitet, sei in der Belegschaft geschätzt gewesen, habe seine Aufgaben mit der ihm eigenen Sorgfalt erledigt und ohne Tadel gearbeitet. Seltsam bloß, dass sich die Suche nach einem neuen Job etwas zäh anließ. Kaum hatte er seine Bewerbungsunterlagen einem potenziellen Arbeitgeber übersandt, folgte statt der erwarteten Einladung zum Bewerbungsgespräch meist sehr schnell eine knappe Absage.
In Wahrheit sind die Formulierungen in diesem Arbeitszeugnis natürlich weder gut noch lobend - sondern einfach vernichtend. "Mit einem solchen Zeugnis wird sich jeder schwertun, einen neuen Job zu finden", urteilt Erich Pichorner, Geschäftsführer des Personaldienstleisters Manpower, durch dessen Hände schon Tausende Arbeitsbeurteilungen gegangen sind. Markus L. wusste eben nichts vom Zeugnis-Geheimcode, mit dem Personalexperten arbeiten, um ihren Kollegen ein Bild des Bewerbers zu vermitteln. Arbeitszeugnisse, auf die jeder Arbeitnehmer bei Beendigung des Dienstverhältnisses Anspruch hat, dürfen nämlich keine nachteiligen Formulierungen enthalten, die das berufliche Fortkommen erschweren.
Bei der Leistungsbeurteilung gilt: Ein gutes Zeugnis enthält so viele Superlative wie möglich. Nur wer "stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" gearbeitet hat, war wirklich sehr gut. "Zu unserer vollen Zufriedenheit" bedeutet im Schulnotensystem ein "Befriedigend", und "zu unserer Zufriedenheit" signalisiert eine gerade noch ausreichende Leistung. Professionelle Arbeitszeugnisse folgen einer festen Struktur: Positionsbeschreibung, Leistungsbeurteilung, Verhaltensbeurteilung, Grund für die Beendigung des Dienstverhältnisses, Dankes- und Bedauernsformel, Zukunftswünsche sowie Ausstellungsort, Datum und Unterschrift des Ausstellers.
Kleine Unternehmen mit wenig Übung
Je knapper das Bedauern über den Abgang, desto glücklicher war der Arbeitgeber darüber. Ein "Wir danken herzlich für die erfolgreiche Zusammenarbeit und wünschen für die berufliche und private Zukunft das Allerbeste" ist dagegen fast so gut wie eine Wiedereinstellungszusage. Der Geheimcode der Personalisten hat natürlich seine Tücken: Gerade kleinere Unternehmen mit wenig Übung in Personalangelegenheiten beschreiben Mitarbeiter manchmal in bester Absicht entgegen den geltenden Codes - und verursachen diesen so ungewollt Nachteile.
Manpower-Profi Pichorner kennt das Problem: "Je größer das Unternehmen, desto treffender charakterisiert das Zeugnis einen Mitarbeiter. Wir lesen immer zwischen den Zeilen, wenn wir ein Zeugnis interpretieren, holen im Zweifel Referenzchecks ein und telefonieren mit dem letzten Chef." Ein gutes Zeugnis verhilft aber nur dann zu einem neuen Job, wenn auch der Rest der Bewerbungsunterlagen perfekt ist.
Die ganze Story lesen Sie im aktuellen FORMAT Nr. 46/07!

