Donnerstag, 15. November 2007

Extreme Preis-Steigerungen: Schon jeder vierte Euro geht für Wohnungskosten drauf

  • Ausgaben doppelt so stark gestiegen wie Inflation
  • Mieten seit 1990 um 89 Prozent teurer geworden

Wohnen wird immer teurer. Wie eine Untersuchung des Beratungsunternehmens Kreutzer Fischer & Partner ergeben hat, sind Mieten und Betriebskosten seit 1990 doppelt so stark gestiegen wie die Inflation. Die monatliche Belastung durch die Wohnkosten lag demnach 2006 im Durchschnitt bei 875 Euro. Mittlerweile würden die Österreicher jeden vierten Euro für Wohnkosten oder die Tilgung eines allfälligen Wohnbaukredites ausgeben. Vor zwanzig Jahren sei der Anteil für Wohnen an den Gesamtausgaben noch unter einem Fünftel gelegen, so die Berater. Seit damals sind die reinen Mieten um 89 Prozent angestiegen.

Auch bei den hohen ausständigen Wohnkrediten, die nach zahlreichen Ausfällen in den USA zuletzt in die Schlagzeilen geraten sind, ist Österreich keine Ausnahme. Jeder österreichische Haushalt ist im Durchschnitt mit einem aushaftenden Wohnbaukredit von 24.000 Euro belastet. In Summe sind es laut Berater 83,3 Mrd. Euro, um 20 Mrd. Euro mehr als die jährlichen Staatseinnahmen.

Kreutzer Fischer & Partner spricht von grundlegenden strukturellen Problemen in Österreich - zum einen vor allem in der Wohnbauförderung. Diese sollte laut den Beratern dringend umgeschichtet werden, weil sie in der derzeitigen Form die Baukosten in die Höhe treibe. Die Kommunalgebühren für Müll, Wasser oder Abwasser würden immer stärker als Finanzierungsinstrument für den allgemeinen öffentlichen Haushalt herangezogen.

Mieten um 89 Prozent gestiegen
Für die Müllentsorgung zahle man heute 160 Prozent des Werts von 1990, für die Abwasserentsorgung um 120 Prozent mehr. Die reinen Mieten haben sich im selben Zeitraum um 89 Prozent erhöht. Im Voranschlag für 2006 hätten die Gemeinden Gewinne von rund 550 Mio. Euro budgetiert, alleine in Wien seien es 102 Mio. Euro. Gewinne aus den Gebühren seien erst seit 1993 möglich. Heute liege der durchschnittliche Ertrag aus kommunalen Dienstleistungen bei 26 Prozent.

Die Energie dagegen sei in den vergangenen 17 Jahren nur geringfügig stärker gestiegen als die Inflation und würde nur etwas mehr als 20 Prozent ausmachen.

Probleme bei Wohnbauförderung
Problem bei der Wohnbauförderung ist laut Kreutzer Fischer & Partner, dass mehr als 80 Prozent der gesamten Wohnbauförderung für neu errichtete Wohngebäude gemeinnützige Wohnbaugesellschaften und Bauträger kassieren, die es nicht schaffen würden, die Baupreise stabil zu halten. Im mehrgeschoßigen Wohnbau liegt bei den Errichtungskosten der Preis pro Quadratmeter aktuell bei durchschnittlich 1.550 Euro. Das sei etwa das Doppelte wie noch Mitte der 80er-Jahre.

Die Wohnbauträger würden ihre schützende Hand über das Bauhandwerk und den Anteil des industriellen Fertigbaus niedrig halten. Dadurch habe sich die Art und Weise, wie man baue, schon seit 50 Jahren kaum verändert und der Anteil der Arbeitskosten sei von 22 Prozent in den 50er-Jahren auf heute 60 Prozent gestiegen. Der Berater schlägt vor, die die weiterhin strikte Ausrichtung der Wohnbauförderung auf den Neubau zu überdenken und - wie die Schweiz - die Förderung praktisch zur Gänze auf die thermische Sanierung umzuschichten.

(apa/red)

15.11.2007 17:26