Warnung vor den Folgen der Finanzkrise:
IWF und EZB warnen vor erhöhtem Risiko
- Erträge der Institute könnten nach untern schlittern
- Endgültige Folgen der Krise noch nicht abschätzbar
·IWF-Reformdebatte: Gespräche schleppend
Molterer: "EU muss mit einer Stimme sprechen"
·Quoten: Eckpfeiler der IWF-Finanzierung
Größter Anteilseigner des IWF sind die USA
·Profil: IWF schickt
internationale Prüfer
Rolle der Finanzmarkt-
aufsicht wird untersucht

Die Europäische Zentralbank (EZB) und der Internationale Währungsfonds (IWF) haben vor erhöhten Risiken für Banken in Folge der Krise an den Kreditmärkten gewarnt. "Insgesamt haben die kurzfristigen Risiken für die Bankenbranche zugenommen", hieß es in einem veröffentlichten Bericht der EZB. Die Turbulenzen an den Finanzmärkten würden sich auf den Gewinn vieler europäischer Banken in der zweiten Jahreshälfte auswirken.
Zudem sei am Markt die Unsicherheit über die Ertragsaussichten der europäischen Finanzinstitute gestiegen, hieß es weiter. Die Erträge seien in den vergangenen Jahren stark getrieben gewesen von Provisionseinnahmen und dem Handelsgeschäft. Diese Bereiche seien jetzt besonders unter Druck. Die Situation könne sich weiter verschärfen, wenn sich die Probleme am US-Markt für zweitklassige Hypothekendarlehen ausweiteten.
Keine Kredite mehr?
Nach Ansicht des IWF könnte die Kreditkrise die Fähigkeit europäischer Banken zum Geldverleih drastisch beeinträchtigen. Dies könne wiederum das gesamte Wirtschaftswachstum in Mitleidenschaft ziehen, warnte der beim IWF für Europa verantwortliche Volkswirt Michael Deppler. "Es gibt ein beträchtliches Risiko, dass die Fähigkeit der pan-europäischen Banken zur Kreditvergabe einen heftigen Rückschlag erleidet", sagte Deppler in Brüssel.
Dreistellige Millionenverluste
Erst in dieser Woche musste die WestLB einräumen, wegen der Finanzkrise in diesem Jahr voraussichtlich einen dreistelligen Millionenverlust einzufahren. Dennoch halten sich die Folgen der Kreditkrise für die großen deutschen Banken bisher vergleichsweise im Rahmen. Europas größte Bank, die britische HSBC, erhöhte am Mittwoch ihre Rückstellungen wegen der Kreditkrise auf insgesamt 3,4 Mrd. Dollar. Trotzdem peilt das Institut einen Gewinnanstieg an.
Destination unknown
Deppler warnte jedoch, bisher seien die endgültigen Folgen der Schwäche am US-Immobilienmarkt für europäische Banken noch ungewiss. "Das ist die Gretchenfrage und wir kennen die Antwort nicht." Es sei jedoch eindeutig, dass die Institute beträchtliche Bestände an Finanzprodukten auf Basis von US-Hypotheken halten oder gehalten haben. Die Verluste daraus müssten sich nun langsam ihren Weg bahnen. Dennoch seien Europas Banken traditionell bei der Kreditvergabe etwas zurückhaltender, was die Wirkung der Krise ein wenig dämpfen sollte, sagte Deppler weiter. (apa/red)

