Mittwoch, 14. November 2007

"Anschlag auf junge Generation": Experten üben heftige Kritik an Pensions-Erhöhung

  • Modell erschüttere die zukünftige Finanzierungsbasis
  • Tomandl: Regierung sei vor Verbänden umgefallen

Die von Regierung und Seniorenvertretern beschlossene Pensionserhöhung stößt bei Experten und Opposition auf Unverständnis und herbe Kritik. Von einem "Anschlag auf die junge Generation" spricht etwa Pensionsexperte Theodor Tomandl. Für ihn ist die Erhöhung zu hoch und die Regierung vor den Pensionistenverbänden umgefallen.

Das Modell erschüttere die zukünftige Finanzierungsbasis, die Folgen könnten Einschnitte beim Antrittsalter oder bei der Berechnung sein, so Tomandl.

Der Pensionsexperte hatte dafür plädiert, durch Einmalzahlungen der derzeit guten Wirtschaftslage Rechnung zu tragen. Die nunmehrige Lösung bezeichnete er als "kurzfristige politische Reaktion", die Verhandler seien vor den Verbänden umgefallen. Auf den Kopf fallen würde dieses Ergebnis nicht nur den jungen Menschen oder jenen, die in 25 Jahren in Pension gehen würden, sondern auch einer zukünftigen Regierung. Diese werde nur mehr durch eine weitere Pensionsreform Missstände beheben können.

"Nachhaltige Belastung des Systems"
Nach Tomandl haben auch seine Kollegen Wolfgang Mazal und Bernd Marin die Erhöhung kritisiert. Mazal befürchtet durch die prozentuelle Erhöhung der Pensionen eine "nachhaltige Belastung des Systems", welche man mit Einmalzahlungen vermeiden hätte können. Marin sprach von "Extrawürsten", er rechnet mit Mehrbelastungen für das Budget.

Mazal meinte in der ORF-"ZiB2" zwar, man könne den Pensionistenvertretern gratulieren. Die Kehrseite der Medaille sei aber, dass die Erhöhungen "nachhaltig" wirksam" seien. Denn sobald es der Wirtschaft wieder schlechter gehen sollte, werde man den Pensionisten die heurige Erhöhung nicht wieder nehmen können, so Mazal.

Der Sozialexperte Bernd Marin meinte gegenüber der Tageszeitung "Österreich", eine - wie ursprünglich vorgesehene - Erhöhung um 1,7 Prozent wäre zu finanzieren. Alles darüber hinaus seien aber "Extrawürste, wenngleich bei den Ärmsten lebensnotwendige".

Kritik von Opposition
Mit Kritik hat auch die Opposition reagiert. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache ärgerte sich darüber, dass die mittleren Pensionen wieder einmal nicht entsprechend berücksichtigt würden. BZÖ-Obmann Peter Westenthaler sprach von einem inakzeptablen Verteilen von Almosen.

Dass die Mindestpensionen um 2,9 Prozent steigen sollen, findet Strache zwar erfreulich. Bei den mittleren Pensionsbeziehern erweise man sich aber gleich wieder als geiziger, anstatt diesen die von der FPÖ geforderten 2,6 Prozent zuzugestehen, mit denen auch der Einkommensverlust der letzten Jahre halbwegs ausgeglichen würde. Wenn Finanzminister Wilhelm Molterer nun erkläre, dass das nun ausverhandelte Modell um 100 Millionen Euro mehr koste als ursprünglich vorgesehen, solle er sich vielleicht daran erinnern, dass er heuer etliche Milliarden Mehreinnahmen an Steuern habe als erwartet.

BZÖ Erhöhung nicht genug
Westenthaler meinte, die Regierungsspitze habe die Pensionisten "verraten und verkauft". Trotz guter Wirtschaftslage hätten SPÖ und ÖVP den Pensionisten ihren gerechten Anteil am Wohlstand verweigert: "Das BZÖ verlangt eine echte Lohnerhöhung von 3 Prozent. Bei 2,1 Millionen Pensionistinnen und Pensionisten bedeutet diese Pensionserhöhung ein Plus von durchschnittlich 163 Euro pro Jahr."

(apa/red)

14.11.2007 07:47