Mittwoch, 14. November 2007

Mega-Streik bei Deutscher Bahn gestartet: Auch 14 Fernzüge aus Österreich betroffen

  • Deutsche Wirtschaft befürchtet erheblichen Schaden
  • Nach wie vore keine Einigung mit Lokführern in Sicht

Der größte Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn ist angelaufen. Er dauert bis Samstag 2.00 Uhr früh. In Österreich sind davon 14 Fernverkehrszüge betroffen. Mit dem Arbeitsausstand will die deutsche Gewerkschaft der Lokführer (GDL) einen eigenen, wohldotierten Lohnabschluss für sich herausholen. Der Alleingang hat auch innerhalb der Bahngewerkschaften für böses Blut gesorgt. Eine Annäherung zwischen GDL und Bahnmanagement ist nicht in Sicht.

Durch den Streik werden zwischen Österreich und Deutschland Donnerstag und Freitag voraussichtlich 14 Fernverkehrszüge ausfallen, einer davon komplett. Die anderen 13 werden nur innerhalb Österreichs verkehren. Betroffen ist vor allem die Strecke Salzburg-München. 53 weitere Fernverkehrszüge zwischen Österreich und Deutschland sollen von den Ausfällen nicht betroffen sein, erklärte ÖBB-Konzernsprecher Alfred Ruhaltinger unter Berufung auf den aktuellen Notfallplan der ÖBB.

Zahlreiche ÖBB-Routen betroffen
Im Fernverkehr werden laut ÖBB im Detail am Grenzübergang Salzburg nur der ICE 116 (Wien-München, Abfahrt 06:14 Uhr) und der 117 (München-Wien, Abfahrt 17:23 Uhr) durchgehend bis/ab München fahren, alle anderen EC/IC enden bzw. beginnen in Salzburg. Der OEC 69 (München-Wien, Abfahrt 15:26 Uhr) fährt nicht, eine Ersatzreisemöglichkeit ist laut ÖBB der IC 741 (Salzburg-Wien, Abfahrt 17:10 Uhr). Im Grenzübergang Lindau verkehrt der IC 118 (Innsbruck-Münster, Abfahrt 9:10 Uhr) und der IC 119 (Münster-Innsbruck, Abfahrt 07:27 Uhr) nur zwischen Innsbruck und Lindau. Auf der Strecke München-Innsbruck-Italien sollen alle Züge planmäßig unterwegs sein.

Im Güterverkehr spürten die ÖBB keine gravierenden Auswirkungen. Nur Sonderzüge würden nicht übernommen. Was die nächsten Tagen bringen würden, sei hier aber noch nicht abschätzbar.

Deutsche Bahn stellt Ersatzfahrpläne auf
Die Deutsche Bahn stellte für ihr Hoheitsgebiet Ersatzfahrpläne auf, durch die im Fernverkehr etwa zwei Drittel und im Nah- und S-Bahn-Verkehr etwa die Hälfte der Züge fahren sollen.

Die deutsche Bundesregierung warnte vor den volkswirtschaftlichen Auswirkungen des Lokführerstreiks. Der Ausstand sei eine Belastung für die positive konjunkturelle Entwicklung. Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt erklärte, der Streik werde Schlüsselbranchen der Volkswirtschaft "massiv treffen" und sei eine Gefahr für Wachstum und Beschäftigung. Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Jürgen Thumann, nannte den Streik "verantwortungslos". Die GDL provoziere große wirtschaftliche Schäden. Der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Ludwig Georg Braun, sagte der "Bild"-Zeitung: "Zigtausenden Beschäftigten droht Kurzarbeit, weil der Nachschub fehlt."

GDL droht mit unbefristetem Streik
Der deutsche Bundesverband Güterkraftverkehr, Logistik und Entsorgung (BGL) warnte, dass bei einem unbefristeten Streik im schlimmsten Fall sogar ein Schaden für die deutsche Volkswirtschaft von ein bis zwei Mrd. Euro pro Tag drohe. Für den Fall, dass die Bahn der Gewerkschaft kein neues Angebot vorlegen sollte, hat die GDL bereits mit einem unbefristeten Streik gedroht.

Die Deutsche Bahn hat unter www.bahn.de/aktuell einen Ersatzfahrplan veröffentlicht. Die ÖBB empfehlen Reisenden in Richtung Deutschland, sich dort zu informieren bzw. rechtzeitig vor Reiseantritt die Hotline der Deutschen Bahn (Tel.: 0049/1805 334444) zu kontaktieren. (apa/red)

14.11.2007 17:23