Das Mutterland des Fußballs sucht Erfolge:
Mehr Anspruch als Wirklichkeit in England
- Weltmeisterschaft 1966 blieb bisher einziger Erfolg
- Vier bittere Elfmeter-Niederlagen begründen Trauma

·McClaren fürchtet um seinen Posten
England-Coach steht mit dem Rücken zur Wand
·Rund 4.600 englische Fans in Wien erwartet
Eisige Temperaturen im Happelstadion erwartet
·Beckham, Cole und Carson in der Startelf
Owen Hargreaves mit Knieverletzung Zuseher
·ÖFB-Team siegt bei eisigem Wind mit 6:0
"Hicke": Unauffällige Leistung der Mannschaft
·ÖFB-Teamkader ist 34,2 Millionen wert
Lampard oder Gerrard allein kosten viel mehr
·INTERVIEW: Emanuel Pogatetz über England
Middlesbrough-Legionär zu den Chancen des ÖFB
Eine ganze Insel mag sich etwas selbstverliebt als Mutterland des Fußballs bezeichnen, ein ganzes Volk mag "Football's Coming Home" anstimmen - die großen Erfolge der englischen Fußball-Nationalmannschaft, die beim WM-Triumph 1966 ihren ersten und bisher einzigen großen Titel holte, wollen sich aber schon seit langem nicht mehr einstellen. Millionen Fans werden das nun drohende Aus in der EM-Qualifikation wohl gar nicht fassen können - und doch ist es nur ein weiteres Steinchen in Englands Mosaik des Scheiterns.
Bei sieben EM-Teilnahmen fuhr England fünfmal bereits nach den Gruppen-Spielen gen Heimat, die dritten Plätze der Endrunden 1968 (als regierender Weltmeister) und 1996 (im eigenen Land) waren bisher das höchste der Gefühle. 2000 in Belgien und den Niederlanden setzte es für die stolzen Insel-Kicker mit dem Ausscheiden nach der Gruppen-Phase einen Tiefschlag, 2004 in Portugal ereilte England im Viertelfinale das Aus.
Verpasste Quali als Super-Gau
Anspruch und Wirklichkeit klaffen also unbestritten auseinander, eine verpasste Qualifikation für ein Großereignis bedeutet in England aber stets den Super-Gau. Sollte die Elf von Steve McClaren am kommenden Mittwoch nach der letzten Quali-Partie gegen Kroatien tatsächlich mit leeren Händen dastehen, wäre es die erste verpasste EM-Endrunde seit 24 Jahren.
Seit damals hat England an fünf Welt- und drei Europameisterschaften teilgenommen, unterm Strich stehen eine Bronzemedaille (EM 1996) und ein vierter Platz (WM 1990). Regelrechte Traumata erlitten die Anhänger dabei angesichts vier bitterer Niederlagen im Elfmeterschießen: An Deutschland scheiterte man sowohl bei der WM 1990 als auch bei der Heim-EM 1996 jeweils im Semifinale, Portugal erwies sich im EM-Halbfinale 2004 und im WM-Viertelfinale 2006 im finalen Shootout als unüberwindbare Hürde.
Große Stars ohne Erfolge
Auch die großen Hoffnungen, die in der Ära des ersten nicht englischen Teamchefs Sven-Göran Eriksson (SWE/2001 bis 2006) geweckt worden waren, haben sich nicht erfüllt. Trotz vielversprechender Ergebnisse in den ersten Jahren. Sein ehemaliger Assistent und Nachfolger, Steve McClaren, steht unterdessen schon nach rund 18 Monaten vor einem Scherbenhaufen. Auch Stars wie Wayne Rooney, Frank Lampard, Steven Gerrard oder Michael Owen änderten daran nichts.
Gut möglich, dass Englands 1863 gegründeter Fußballverband - der älteste der Welt - das Testspiel gegen Österreich im Wiener Happel-Stadion in der Absicht vereinbart hatte, einen Probegalopp für die Endrunde zu absolvieren. Bleibt die Überraschung aus, wird man dort aber gar nicht vertreten sein. Es scheint, als müsste der Fußball diesmal erst gar nicht nach Hause kommen.
(apa/red)
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