14.11.2007 12:14

Steve McClaren fürchtet um seinen Posten:
England-Coach mit dem Rücken zur Wand

  • England könnte erstmals seit '94 Endrunde verpassen
  • Rücktrittsrufe bereits ein halbes Jahr nach Bestellung

Es hätte eine feine Geschichte werden können. Als Steve McClaren im Mai 2006 zum Nachfolger des Schweden Sven-Göran Eriksson zu Englands Fußball-Teamchef befördert worden war, hatte das vergleichsweise unbeschriebene Blatt mit seiner Ernennung für eine kleine Überraschung gesorgt. 18 Monate später jedoch steht der 46-Jährige an der Seitenlinie des Wiener Ernst-Happel-Stadions vor den Trümmern einer verpatzten EM-Qualifikation - und vor seiner möglichen Ablöse.

Wäre es nach so manchem Fan gegangen, dann hätte McClaren den vertraglich bis 2010 gesicherten Posten an der Spitze der "Three Lions" freilich nie antreten dürfen. In einer Umfrage der BBC stimmten im Frühjahr 2006 nicht weniger als 76 Prozent gegen eine Ernennung des Assistenten Erikssons. Nicht alle sahen das so. Fachleute wie etwa Alex Ferguson, dessen Co-Trainer bei Manchester United McClaren einst auch gewesen war, bezeichneten ihn als absolut geeigneten Kandidaten.

Wäre es außerdem nach dem ursprünglichen Vertrag Erikssons gegangen, hätte 2006 überhaupt kein Trainerwechsel stattfinden dürfen. Nach der sogenannten "Scheich-Affäre" einigte sich der englische Fußball-Verband (FA) mit dem Schweden aber auf eine frühzeitige Beendigung der Zusammenarbeit nach der WM in Deutschland. Die FA legte sich nach einem monatelangen Auswahlverfahren schließlich einen Monat vor der Endrunde auf McClaren als Nachfolger fest, namhafte Konkurrenten wie Luiz Felipe Scolari, der in letzter Minute absagte, Martin O'Neill, Sam Allardyce oder Alan Curbishley wurden nicht berücksichtigt.

Der rasante Aufstieg McClarens schien perfekt. Als Kicker nur Mittelmaß, machte er in den frühen Neunziger-Jahren seine ersten Schritte im Trainermetier. 1998 bis 2001 diente der 46-jährige Engländer unter Ferguson erfolgreich als Assistenzcoach bei ManU, seit dem Jahr 2000 bekleidete er ebendiese Position auch schon im Nationalteam.

Holte Pogatetz nach England
Von 2001 bis 2006 dirigierte er schließlich den FC Middlesbrough. Unter seiner Ägide setzte der Verein zu einem historischen Höhenflug an, der im Gewinn des Ligapokals 2004 und dem Erreichen des UEFA-Cup-Finales 2006 (0:4 gegen den FC Sevilla) gipfelte. In seiner letzten Saison bei "Boro" wurde auch ÖFB-Kicker Emanuel Pogatetz zu einem wichtigen Bestandteil des Teams.

Trotz dieser Meriten war die Bestellung zum Teamchef aber höchst umstritten, von Beginn an mangelte es McClaren an echter Rückendeckung. Doch Englands Fußballvolk gönnte dem spröde wirkenden, rothaarigen Coach eine Schonfrist. Spätestens nach dem 0:2-Fiasko im vierten EM-Qualifikationsspiel in Kroatien war diese dann freilich vorbei.

Quali-Aus droht
Nicht zuletzt mit einer taktischen Rochade hatte McClaren da für Verwunderung gesorgt. Ausgerechnet in der Auswärtspartie gegen einen der stärksten Gruppengegner schickte er seine Kicker nicht wie gewohnt im 4-4-2-System aufs Feld, sondern setzte auf eine 3-5-2-Formation. Der "Coup" ging schief, kein halbes Jahr nach seiner Bestellung ertönten die ersten Rücktrittsrufe.

Schon zuvor hatte man sich gegen Mazedonien geplagt, zu Hause gar nur ein 0:0 geholt. Im Laufe der weiteren Qualifikation folgte ein Fast-Ausrutscher in Israel, im Oktober dieses Jahres dann das bittere 1:2 in Russland. Geschieht nicht noch ein kleines Wunder, wird McClaren der Erste seit Graham Taylor 1994 sein, der mit England die Teilnahme an einem Großereignis verpasste.

(apa/red)


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14.11.2007 12:14
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