Mittwoch, 14. November 2007

Österreichs Trainer-Legende Ernst Happel:
Vor genau 15 Jahren Krebsleiden erlegen

  • Sammelte 18 Vereinstitel auf internationaler Ebene
  • Stange verhinderte Weltmeisterschaft mit Holland

Heute jährt sich zum 15. Mal der Todestag von Ernst Happel, der 1992 in der Innsbrucker Universitätsklinik einem Krebsleiden erlag. Nur wenige Tage vor seinem 67. Geburtstag. Damit war der österreichische und auch internationale Fußball um eine große Persönlichkeit ärmer geworden.

Der Wiener Ernst Happel, in seinem letzten Lebensjahr ÖFB-Teamchef, durfte sich einst mit insgesamt 18 Titeln vor allem auf internationaler Ebene erfolgreichster Trainer der Welt nennen lassen. Schon als Abwehrspieler vor allem für Rapid, eineinhalb Jahre aber auch für Racing Club Paris und in 51 Länderspielen, zählte der technisch und taktisch (raffinierte) versierte, schussstarke "Aschyl" (wegen einer gewissen Ähnlichkeit nach einem türkischen Filmstar so benannt) zu den herausragenden Akteuren, der nicht nur mit Gegenspielern gerne "Schlitten fuhr".

Mit den Hütteldorfern, die damals europäische Klasse repräsentierten, schaffte Happel sechs Meistertitel und einen Cupsieg, mit der Nationalmannschaft zwei WM-Teilnahmen 1954 (Rang drei) und 1958. Unvergessen seine drei Tore zum 3:1-Heimsieg gegen Real Madrid im Europacup der Landesmeister, wäre er als damals 31-Jähriger nicht drei Jahre zu alt gewesen (das Vereinslimit betrug 28), dann hätte der Ernstl wohl auch den Real-Dress getragen.

26 Jahre erfolgreich im Ausland
Als 33-Jähriger trat Happel als Aktiver zurück, war zunächst Sektionsleiter von Rapid und übersiedelte dann als Trainer für 26 Jahre ins Ausland. Dort sammelte er einen Titel nach dem anderen, in den Niederlanden (zweimal Meister, zweimal Cupsieger), in Belgien (3/2) und in Deutschland (2/1) und vor seiner Teamchef-Tätigkeit in Österreich (1992) auch in der geliebten Heimat, wo er den FC Tirol zu zwei Meisterschaften und einem Double-Gewinn führte.

Mit Feyenoord Rotterdam holte er 1970 den Europacup der Meister und den Weltcup, mit dem Hamburger SV ebenfalls den Meistercup (1983), mit dem FC Brügge war er im Meistercup- (1978) und im UEFA-Cup-Finale (1976), was er auch mit dem HSV 1982 schaffte. Neben "Aschyl" war Ernst Happel als Aktiver wegen seiner Klasse auch der Ehrenname "Wödmaster" verliehen worden. Einen Titel, den er als Teamchef der niederländischen Nationalmannschaft 1978 nur hauchdünn verpasste. Denn es stand im Finale gegen Gastgeber Argentinien 1:1, als Oranje-Stürmer Rensenbrink in der Schlussminute der regulären Spielzeit nur die Stange traf. In der Verlängerung ging das Match dann 1:3 verloren.

Die Qualifikation des ÖFB-Teams für die WM-Endrunde 1994 in den USA war das erklärterweise letzte große Ziel seines Lebens, nach zwei Ausscheidungsspielen mit einer Niederlage und einem Sieg wurde Happel, der das Team auch in sieben Freundschaftsbegegnungen betreute, abberufen und die rot-weiß-roten Kicker verpassten auch die Teilnahme, waren erst wieder 1998 in Frankreich dabei.

Letztes Geschenk des ÖFB-Teams
Das Ende hatte sich längst abgezeichnet. Aber mit grenzenloser Hingabe verfolgte Happel, der nicht nur auf dem grünen Rasen die Kugel gerne rollen ließ und auch ein begeisterter und konditionsstarker Kartenspieler war, sein Ziel weiter. Er war ein Kämpfer bis zur letzten Konsequenz. Der Fußball war sein Leben gewesen, nur der Fußball hielt ihn trotz seines schweren Leidens wahrscheinlich so lange am Leben.

Unmittelbar nach dem Israel-Match, in dem ihm die Mannschaft mit dem 5:2 eine letzte große Freude bereitet hatte, musste sich Happel wieder zur Behandlung begeben. Aber selbst vom Krankenbett aus versuchte er die Dinge noch im Griff zu behalten, besprach mit seinem Co-Trainer Dietmar Constantini die Vorbereitungen für das Deutschlandspiel in Nürnberg, dessen 0:0 er nicht mehr erlebte. In einem Spiel, zu dem auch die Deutschen mit Trauerflor antraten.

Als der am 29. November 1925 in Wien geborene Happel am 26. November 1992 auf dem Friedhof in Hernals, ganz in der Nähe der Sportclub-Anlage, auf der er sowohl als Aktiver als auch als Trainer (einer Gastmannschaft) tätig gewesen war, zu Grabe getragen wurde, verabschiedeten sich an die 3.000 Menschen aus dem In- und Ausland von der Fußball-Ikone.

Internationale Prominenz bei Begräbnis
Aus den Niederlanden kamen u.a. Verbandschef und etliche Internationale wie Van Hanegem, Janssen, aus Deutschland Franz Beckenbauer, Günther Netzer, Hansi Müller, Horst Hrubesch usw. Und die heimische Fußball-Prominenz war natürlich praktisch vollzählig erschienen. Die Trauerreden hielten Bundeskanzler Franz Vranitzky, Rapid-Präsident Anton Benya und ÖFB-Präsident Beppo Mauhart, der den Verstorbenen trotz seiner gigantischen Erfolge eigentlich einen "Stillen in der lauten Welt des Fußballs" nannte. Einen, den ein enger Vertrauter aus der Belgien-Zeit treffend mit den Worten charakterisierte: "Harte Schale mit weichem Kern."

(apa/red)

14.11.2007 12:57