Entführungsdrama um Bert Nussbaumer: Oberösterreicher vor einem Jahr gekidnappt
- Bei Sperre an Kuwait-Irak-Grenze verschwunden
- Außenministerium mit "umfassendem Info-Netzwerk"

·"Mein Sohn lebt, das weiß ich ganz genau"
Mutter des entführten Ex-Soldaten Nussbaumer
·Kein Lebenszeichen von Nussbaumer!
Schwere Vorwürfe gegen seinen Arbeitgeber
Die Entführung des Oberösterreichers Bert Nussbaumer hat sich zum ersten Mal gejährt. Nussbaumer, Mitarbeiter der privaten Sicherheitsfirma "Crescent Security Group" (CSG), war mit vier amerikanischen Kollegen am 16. November 2006 von Bewaffneten bei einer Sperre an der kuwaitisch-irakischen Grenze entführt worden. In einer Aussendung des Außenministeriums bestätigte der Leiter des Krisenstabs, Johannes Kyrle, dass alles getan werde, um die Aufklärung dieses Geiselfalles abzuschließen.
Seit der Entführung von Bert Nussbaumer sei in Zusammenarbeit mit dem Außen-, Innen- und Verteidigungsministerium ein "umfassendes Informationsnetzwerk" aufgebaut worden, das regelmäßig Hinweise über den möglichen Aufenthaltsort von Nussbaumer liefere. Außenministerin Ursula Plassnik (V) habe ihre politischen Kontakte zu Regierungsmitgliedern im Nahen Osten ebenso wie zu befreundeten Staaten wie den USA und Deutschland genützt, diese um Unterstützung bei den Bemühungen um eine Freilassung von Bert Nussbaumer zu ersuchen, so Kyrle weiter.
Keine Forderungen der Geiselnehmer
Ein wichtiges Anliegen sei die Betreuung und Information der Familie des Entführten. Diese werde laufend von Psychologen des Innenministeriums beraten und von Mitarbeitern des Außenministeriums über neueste Entwicklungen informiert. Bisher sind drei Videos sowie eine Liste mit Namen von Geiseln, darunter Bert Nussbaumer, seitens der vermeintlichen Geiselnehmer bekannt geworden. Konkrete Forderungen der Geiselnehmer sind aber ebenso ausgeblieben wie eine Kontaktnahme durch die Geiselnehmer, so das Außenministerium in seiner Aussendung.
Die für den Irak zuständige Botschaft in Amman halte Kontakt zu führenden irakischen Persönlichkeiten, die ihre Unterstützung bei der Lösung des Falles angeboten haben. Kyrle traf nach eigenen Angaben vor einigen Tagen in den USA neuerlich mit Vertretern der amerikanischen Administration zusammen. "Die amerikanischen Gesprächspartner haben dabei ihre Zusage, weiterhin alles menschenmögliche in dieser Angelegenheit zu unternehmen, bekräftigt", berichtete Kyrle. Fachleute meinen, dass die Entführung eher aus finanziellen denn aus politischen Motiven geschah.
Sicherheitsvorkehrungen bei Konvoi unzureichend
Die Tageszeitung "Österreich" berichtete im Juli, dass Nussbaumer und die vier mit ihm gekidnappten US-Amerikaner am 18. Juni in der Nähe der südirakischen Stadt Basra gesehen worden seien. Die Zeitung berief sich auf einen an den Ermittlungen beteiligten Verbindungsmann der Eltern der amerikanischen Entführten.
Die Sicherheitsfirma "Crescent Security Group", geriet im Juli diesen Jahres ins Kreuzfeuer der Kritik. Die US-Tageszeitung "Washington Post" erhob schwere Vorwürfe gegen das Sicherheitsunternehmen. Nur sieben Wachleute der "Crescent Security Group" bewachten laut "Washington Post" den Konvoi am Tag der Entführung. Nach Expertenmeinung sei dies eine völlig inadäquate Zahl zum Schutz eines so großen Konvois. Die Firma habe außerdem oft Angestellte mit wenig oder gar keiner Erfahrung eingestellt. Brad Ford, ein Ex-Angestellter der Firma, erklärte: "Ich habe für eine Vielzahl von Firmen gearbeitet und diese war die schlechteste von allen."
(apa/red)
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