Benazir Bhutto fordert vom Präsidenten:
'Es ist an der Zeit für Musharraf zu gehen'
- Ihre Anhängerschaft mit Protestzug nach Islamabad
- Kündigt Boykott der nächsten Parlamentswahlen an

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Die pakistanische Oppositionsführerin Benazir Bhutto hat Präsident Pervez Musharraf erstmals zum Rücktritt aufgefordert. Musharraf sei eine Hürde, die der Demokratie im Weg stehe, sagte Bhutto in Telefoninterviews mit Medien aus der ostpakistanischen Metropole Lahore, wo sie unter Hausarrest steht. "Es ist an der Zeit für Musharraf zu gehen." Die Ex-Premierministerin warnte vor den Folgen des von Musharraf verhängten Ausnahmezustands: "Wenn die Demokratie nicht wiederhergestellt wird, wird Pakistans Existenz gefährdet." Weiters kündigte sie einen möglichen Boykott der Parlamentswahlen an.
Ihre Volkspartei (PPP) werde die für Jänner geplante Parlamentswahl wahrscheinlich boykottieren, sagte Bhutto weiter. Die bevorstehende Wahl sei nur eine Show, mit der die regierende Muslim-Liga (PML-Q) sich die Macht sichern wolle. Selbst wenn die PPP gewinnen sollte, würde sie dabei keine echte Macht erlangen. Musharraf hatte angekündigt, vor dem 9. Jänner Parlamentswahlen abzuhalten. Einen Zeitpunkt für ein Ende des international kritisierten Ausnahmezustands, den er am 3. November verhängt hatte, nannte er aber nicht.
Bhutto verlange von Musharraf, seine Ämter als Präsident und Militärchef niederzulegen. Danach müsse eine Übergangsregierung die bevorstehende Parlamentswahl vorbereiten. Bhutto kündigte an, sie wolle alle Oppositionsparteien einen und habe bereits Kontakt zu anderen Gruppen aufgenommen, um eine "Koalition der Interessen" gegen Musharraf zu errichten. Sie kündigte eine Zusammenarbeit mit dem früheren Ministerpräsidenten Nawaz Sharif an, um die Demokratie wiederherzustellen.
Anhänger Bhuttos festgenommen
Die pakistanische Regierung hatte Bhutto zuvor erneut unter Hausarrest gestellt. Die Behörden nahmen zahlreiche ihrer Anhänger fest, um einen angekündigten Protestzug gegen den Ausnahmezustand am Dienstag zu verhindern. Tausende Polizisten blockierten alle Straßen zu dem Stadtteil in Lahore, in dem das Haus von Bhutto liegt. Mehr als 100 Anhänger Bhuttos wurden in dem Gebiet festgenommen.
Die Regimekritiker begannen nichtsdestotrotz den geplanten "Langen Marsch". Shah Mahmood Qureshi von der PPP erklärte, er führe eine Kolonne von 200 Fahrzeugen aus Lahore in die 260 km weit gelegene Hauptstadt Islamabad an. Die Polizei habe sie mehrfach angehalten und mehrere Teilnehmer festgenommen, man setze den Weg Richtung Norden jedoch fort. Es wird erwartet, dass der Protestzug in etwa drei Tagen in Islamabad ankommt.
In der südlichen Hafenmetropole Karachi (Karatschi) haben Unbekannte unterdessen nach offiziellen Angaben zwei Polizeistationen beschossen. Der Zwischenfall habe sich bei einer Protestaktion gegen den Hausarrest ereignet, der gegen Oppositionsführerin Bhutto verhängt worden war. "Rund 35 bis 40 bewaffnete Männer haben das Feuer eröffnet", sagte Polizeisprecher Fayyaz Khan. Es sei aber nicht erwiesen, dass die Täter Anhänger Bhuttos gewesen seien. Unklarheit gab es zunächst über etwaige Verletzte: Khan sagte laut der Nachrichtenagentur Reuters, es habe keine gegeben, während die Agentur AP von zwei verletzten Polizisten berichtete.
Commonwealth droht
Bhutto und Musharraf hatten monatelang über eine Rückkehr der ehemaligen Ministerpräsidentin aus dem Exil verhandelt. Dies geschah wohl auch auf Druck der USA, die Interesse an einer pro-amerikanischen Regierung in Pakistan hat.
Die Außenminister der Commonwealth-Staaten haben Pakistan mit der Suspendierung der Mitgliedschaft in der Organisation gedroht, falls der Ausnahmezustand nicht aufgehoben wird und Musharraf sein Amt als Armeechef nicht bis zum 22. November niederlegt. Die Vertretung Pakistans in London erklärte dazu, die Entscheidungen würden nicht mit Rücksicht auf Fristen getroffen, die außerhalb Pakistans gesetzt würden.
(apa/red)
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