Samstag, 10. November 2007

US-Schriftsteller Norman Mailer gestorben:
Durchbruch mit 'Die Nackten und die Toten'

  • "Der große Alte der US-amerikanischen Literatur"
  • 84-Jähriger mit zwei Pulitzer-Preisen ausgezeichnet

Der weltbekannte US-Schriftsteller Norman Mailer ist tot. Der zweifache Pulitzer-Preisträger starb in New York mit 84 Jahren an akutem Nierenversagen. Das bestätigte sein Assistent Dwayne Prickett in New York.

Mailer war einer der innovativsten und vielseitigsten Autoren Amerikas. Mit seinen provokanten Romanen, Essays und journalistischen Arbeiten sorgte er immer wieder auch für Widerspruch und Kritik. Die "New York Times" nannte ihn zu seinem 80. Geburtstag den "großen Alten der amerikanischen Literatur". Mit zahlreichen privaten Skandalen galt der erbitterte Gegner von US-Präsident George W. Bush aber auch als "enfant terrible" der Schriftstellerzunft.

Der schon lange gebrechliche Mailer war Mitte Oktober wegen akuter Atemprobleme in New York ins Krankenhaus gebracht worden. Die Ärzte entfernten Narbengewebe an der Lunge, nach Angaben eines Sprechers hatte er sich zunächst gut erholt. Am Samstag teilte die Familie mit "großer Trauer" mit, Mailer sei im Mount Sinai Krankenhaus in New York gestorben. US-Medienberichten zufolge war die Familie am Vorabend noch bei ihm, einer seiner Söhne war am Krankenbett, als Mailer starb.

Grass-Kritiker
Noch im Sommer hatte der Schriftsteller bei einer Podiumsdiskussion in New York den deutschen Literaturnobelpreisträger Günter Grass leidenschaftlich gegen Kritik an dessen kurzzeitiger Zugehörigkeit zur Waffen-SS verteidigt. Er könne sich vorstellen, dass er in einer vergleichbaren Situation ebenfalls zu dieser umstrittenen Einheit gegangen wäre, sagte er damals.

Durchbruchswerk
Der 1923 als Sohn jüdischer Einwanderer im Ostküstenstaat New Jersey geborene Mailer war schon mit seinem Erstlingsroman "Die Nackten und die Toten" (1948) weltberühmt geworden. Das Buch, in dem er seine Kriegserfahrungen verarbeitet, wurde in fast alle Sprachen übersetzt und war einer der größten internationalen Bestseller der Nachkriegszeit.

Neue Maßstäbe
In den 1960er und 1970er Jahren setzte Mailer mit einer neuen Form des Journalismus Maßstäbe. Die Verknüpfung aktueller Ereignisse mit autobiografischem Material und politischen Kommentaren in der Reportage "Heere aus der Nacht" brachte ihm 1969 den ersten Pulitzer-Preis. Den zweiten erhielt er 1980 für seinen Bericht "Gnadenlos - Das Lied vom Henker" über den Doppelmörder Garry Gilmore. Bis zuletzt wurde er immer wieder als möglicher Kandidat für den Literaturnobelpreis gehandelt. 2002 wurde Mailer mit dem Österreichischen Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst I. Klasse ausgezeichnet.

Vielseitiger Schriftsteller
Kaum ein anderer US-Autor hat ein so breites und vielseitiges Werk vorgelegt wie Mailer. Seine Themen waren Krieg und Frieden, Gott und Teufel, Sex und Gewalt - und immer wieder die kritische Auseinandersetzung mit dem "Amerikanischen Traum" und seiner oft mangelhaften Umsetzung in der Praxis. Zu seinen bekanntesten Werken gehören "Der Albtraum" (1964), "Frühe Nächte" (1983) und "Gespenster. Die geheimen Mächte" (1992). Für Aufsehen sorgte seine Jesus-Biografie, in der er das Leben des Gottessohnes in Ich-Form erzählt. In Deutschland erschien zuletzt der Roman "Das Schloss im Wald" (2007) - ein Versuch, die Wurzeln des Bösen in der Natur von Adolf Hitler zu ergründen.

Politisch aktiv
Immer wieder sorgte der polemische Rebell auch politisch für Furore. 1967 wurde er für seine Teilnahme an einer Demonstration gegen den Vietnamkrieg verhaftet. Er legte sich lautstark mit der Frauenbewegung an und kämpfte bis zuletzt entschieden gegen Präsident Bush und den Irak-Krieg.

Seine Familie
Mailer war sechsmal verheiratet und hatte neun Kinder. Seine zweite Frau verletzte er im Jahr 1960 schwer betrunken mit einem Messer. Nur weil sie bei der Polizei nicht gegen ihn aussagen wollte, kam er mit einer Bewährungsstrafe davon. Über sein Lebenskonzept war er sich immer sicher: "Ich wusste, dass es eine Sache gibt, die ich wirklich will - und das war zu schreiben."

(apa/red)

10.11.2007 17:40

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