Donnerstag, 8. November 2007

Ein Gletscher entsteht: Schnee verwandelt sich nur langsam in Ewiges Eis

  • Temperatur und Druck sind Entstehungsfaktoren
  • Sommer entscheidet über das Gletscherwachstum

Jahre vergehen, Druck und eisige Temperaturen müssen einwirken bis aus Neuschnee Gletschereis wird. Frisch gefallener Schnee bildet eine luftige Schicht aus lockeren Schneekristallen. Durch den Druck sich darüber legender Schneeschichten werden die Hohlräume darin kleiner. Häufiges Schmelzen und Gefrieren schließen den Vorgang ab.

So wird durch die allmähliche Verdichtung der Luftanteil in den Schneeschichten immer geringer. Ein Kubikmeter Neuschnee wiegt meist 100 bis 200 Kilogramm, ein Kubikmeter Gletschereis hingegen rund 900 Kilo. Im Laufe eines Jahres entsteht so aus dem Schnee Firneis. Durch weitere Verdichtung wird es schließlich zu Gletschereis.

Jener Teil des Gletschers, in dem neues Eis entsteht, wird Nährgebiet genannt. Verliert er dieses (etwa durch den Temperaturanstieg), dauert es aber noch Jahre bis Jahrzehnte, bis das verbleibende Toteis zur Gänze abgeschmolzen ist.

Oberfläche und Sommerschmelze sind entscheidend
Neben der Temperatur hat für das Abschmelzen eines Gletschers aber auch die Beschaffenheit der Oberfläche großen Einfluss, denn Eis und Schnee können die einfallende Strahlung sehr unterschiedlich stark reflektieren, und zwar zwischen zehn und 90 Prozent. Eine dünne Auflage - etwa durch Staub (oft aus der Sahara) - führt dazu, dass mehr Energie aufgenommen wird und das Eis stärker schmilzt. Wird die Auflage aber dicker - etwa durch größere Steine - gelangt die Energie gar nicht erst zum Eis und es entsteht die gegenteilige Wirkung.

Ausschlaggebend für Ausbreitung oder Rückzug eines Gletschers in den Alpen sind fast ausschließlich die Sommer. Der Zuwachs der Masse im Winter ist kaum von Bedeutung, vor allem die Abschmelzung im Sommer ist entscheidend.

Gletscher speichern weniger Wasser als angenommen
Überschätzt wird die in den Gletschern Österreichs gespeicherte Wassermenge (rund 20 Kubikkilometer). Würden alle Gletscher des Landes auf einmal abschmelzen, ergäbe dies auf die gesamte Landesfläche verteilt eine Wasserhöhe von rund 200 Millimeter - dies entspricht nicht einmal einem Fünftel der jährlichen Niederschläge. Derzeit entspricht die jährliche Gletscherschmelze Niederschlägen von fünf bis zehn Millimetern. Selbst im Rekordsommer betrug das abgeflossene Wasser aller österreichischen Gletscher nur drei Prozent der Gesamtniederschläge (APA/red).

8.11.2007 12:24