Freitag, 9. November 2007

Kein Extra-Geld für Universitäten: Koalition weist "Budgeterhöhungs-Wunsch" zurück

  • Broukal & Brinek verweisen auf Nationalratsbeschluss
  • Derzeit 3,1 Mrd. Euro für tertiären Sektor vorgesehen

Unter das Motto "Ich will alles, und das gleich" reiht SP-Wissenschaftssprecher Josef Broukal den Wunsch von Rektoren-Chef Christoph Badelt nach einer zusätzlichen Milliarde Euro für die Universitäten ein. Er nehme den Wunsch zur Kenntnis, gehe aber davon aus, dass der Rektor auch dann zufrieden sein werde, wenn es jedes Jahr steigende Budgets gebe, sagte Broukal bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit seiner ÖVP-Kollegin Gertrude Brinek und Vertretern der Fachhochschulen (FH) in Wien.

Mit den jährlich steigenden Budgets nahmen Broukal und Brinek Bezug auf den von ihnen eingebrachten und mit den Stimmen aller Parteien am Mittwoch im Nationalrat beschlossenen Entschließungsantrag, in dem eine Erhöhung der tertiären Bildungsausgaben bis 2020 von derzeit 1,2 auf zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts vorgesehen ist. Derzeit würden 3,1 Mrd. Euro für den tertiären Sektor (Unis, FH, Pädagogische Hochschulen) aufgewendet, eine Ausweitung auf zwei Prozent des BIP würde also insgesamt rund 1,5 Mrd. Euro bzw. etwa 150 Mio. Euro pro Jahr beginnend ab 2009 mehr bedeuten, rechneten Broukal und Brinek vor.

Steigerung der Forschungsausgaben
Damit orientiere man sich am Ziel, die Forschungsausgaben Österreichs auf drei Prozent des BIP zu steigern. "Dieses war das Jahrzehnt der Forschung, das nächste soll das Jahrzehnt der Universitäten werden", sagte Broukal, wobei die beiden Wissenschaftssprecher darauf hinwiesen, dass dieses zusätzliche Geld dem gesamten tertiären Sektor zugute kommen solle. Wie es verteilt werde und wie der Wachstumspfad genau ausschaue, sei Gegenstand der jeweiligen Budgetverhandlungen, betonte Brinek. Bei den Unis hofft Broukal, dass durch die Erhöhung "die Diskussion um Zugangsbeschränkungen abnimmt, weil mehr Studienplätze angeboten werden können".

Forderung der FHs
Angesichts der in Aussicht gestellten Geldvermehrung erneuerte der Generalsekretär der FH-Konferenz, Kurt Koleznik, die Forderung der FH-Erhalter nach einer Valorisierung der vom Bund bezahlten Normkostenbeiträge pro Studienplatz. Diese seien seit 1994 nicht angepasst worden, was einem realen Wertverlust von 30 Prozent bedeute. Weiters verlangte er gleiche Berufsberechtigungen für FH- und Uni-Absolventen bei gleichwertigen Studien. So dürften etwa Absolventen eines wirtschaftswissenschaftlichen Uni-Studiums als gewerbliche Fremdenführer arbeiten, FH-Absolventen solcher Studien aber nicht.

Zufrieden sind die FH-Betreiber dagegen mit der Novelle zum FH-Studiengesetz, die zuvor im Nationalrat beschlossen wurde. Demnach können künftig auch nebenberufliche Lektoren mit einer anderen voll sozialversicherungspflichtigen Erwerbstätigkeit bis zu einer Grenze von sechs Semesterwochenstunden ohne Angestelltenverhältnis an FH unterrichten. Damit werde ein wesentliches Qualitätsmerkmal der FH, der Unterricht von Praktikern, gesichert, sagte der Geschäftsführer der FH des bfi Wien, Helmut Holzinger.

(apa/red)

9.11.2007 13:54