Österreicher hoffen auf ERC-Förderung:
Neun Forscher überstehen erste Quali-Runde
- 8.800 Nachwuchsforscher aus Europa bewarben sich
- Europäischer Forschungsrat entscheidet im Dezember

Neun Österreicher können sich im Rahmen des European Research Council (Europäischer Forschungsrat, ERC) Hoffnung auf Förderung ihrer Grundlagenforschungs-Projekte durch die EU machen. Sie haben es in die zweite Runde für die "Start-Stipendien" des ERC geschafft, die heuer erstmals vergeben werden. Insgesamt hatten sich knapp 8.800 Nachwuchsforscher beworben, darunter 148 Österreicher. In die zweite Runde kamen allerdings nur mehr 559 Anträge, darunter neun von Forschern mit österreichischer Staatsbürgerschaft.
Sechs davon arbeiten in Österreich, drei in anderen Ländern. Die Entscheidung, wer eines der rund 250 "Start-Stipendien" erhält, soll im Dezember fallen. Mit dem ERC fördert die Europäische Union im 7. Rahmenprogramm für Forschung erstmals die Grundlagenforschung, wobei der Fokus auf "Pionier-Forschung" liegt.
7,5 Milliarden Euro für sieben Jahre
In den nächsten sieben Jahren stehen dafür insgesamt 7,5 Mrd. Euro zur Verfügung. Im ersten Jahr werden ausschließlich Stipendien für Nachwuchs-Wissenschafter in Höhe von jährlich 100.000 bis 300.000 Euro auf bis zu fünf Jahre vergeben. In dieser Ausschreibungsrunde stehen insgesamt 290 Mio. Euro zur Verfügung.
Um die "europäische Dimension" des ERC hervorzuheben, hat dieser bisher auf eine Nationenwertung verzichtet. Nun wurde allerdings eine Zwischenauswertung des bisherigen Bewerbungsverfahrens auf der Homepage des ERC veröffentlicht - ohne konkrete Daten zu den einzelnen Ländern. Die Zahlen aus Österreich liegen der APA vor, jene der anderen Staaten können nur aufgrund von Balkendiagrammen abgeschätzt werden.
Neun Österreicher in der zweiten Runde
Demnach hatten sich ursprünglich Forscher aus 88 Ländern für ein ERC-Stipendium beworben. Mit 148 Österreichern rangierte Österreich auf Platz 17. In die zweite Runde kamen dann nur noch Wissenschafter aus 38 Ländern, Österreich liegt mit neun Bewerbern auf Platz 15. An erster Stelle liegen die Deutschen mit rund 85 Kandidaten vor den Italienern (70) und Franzosen (55). Vor Österreich rangieren aber auch kleinere Länder wie die Niederlande (50), Belgien (über 30), Schweden (rund 18), Ungarn oder Griechenland (jeweils rund 15).
Vergleicht man die Zahl der Anträge mit den Forschungsausgaben der jeweiligen Länder, so lag Österreich mit 148 Bewerbern in der ersten Runde noch auf Platz sechs, stürzte aber nach der zweiten Runde auf Platz 19 ab. Auch wenn man die Zahl der Anträge mit jener der Forscher bzw. der Bevölkerung im jeweiligen Land vergleicht, zeigt sich eine Verschlechterung Österreichs zwischen erster und zweiter Runde in der Rangliste (auf Platz 16 bei Forschern bzw. 17 bei der Bevölkerung).
"Keine voreiligen Schlüsse"
Die Vize-Präsidentin des ERC, die österreichische Wissenschaftstheoretikerin Helga Nowotny, will aus der ersten Antragstellung "keine voreiligen Schlüsse ziehen", wie sie im Gespräch mit der APA erklärte. Auch die Tatsache, dass Österreich am 15. Platz hinter anderen kleinen Ländern wie Israel, Schweden, Ungarn, Griechenland, Schweiz und Finnland liege, besagt für sie "zunächst nur, dass Selbsteinschätzung und Fremdeinschätzung nicht immer übereinstimmen müssen". Interessant wäre es für Nowotny zu erheben, ob es sehr gute Antragsteller gebe, die sich der europäischen Konkurrenz nicht gestellt haben, und wenn dem so sei, weshalb nicht.
Voraussichtlich noch im November will der ERC erstmals auch "Advanced Grants" ausschreiben, also Förderungen für bereits etablierte Forscher. Dafür sollen 550 Mio. Euro locker gemacht werden und etwa 300 Wissenschafter in den Genuss von jeweils zwei bis drei Mio. Euro für bis zu fünf Jahre kommen. Die nächste Chance für Nachwuchswissenschafter auf ERC-Förderung wird es erst im Herbst 2008 geben, wenn die "Start-Stipendien" wieder ausgeschrieben werden. Ab 2009 sollen dann Start- und Advanced-Förderungen jährlich vergeben werden.
(apa/red)
