Dienstag, 6. November 2007

REAKTIONEN zur Schulreform-Einigung: Kompromiss für BZÖ "Flop des Jahres"

  • Bildungs-Experten sind unterschiedlicher Meinung
  • Broukal: Zahl der Sitzenbleiber soll um Hälfte sinken

Keine Gnade vor dem BZÖ findet der Kompromiss im Schulbereich, auf den sich Montagabend die Koalitionspartner SPÖ und ÖVP nach wochenlangem Tauziehen geeinigt haben. BZÖ-Chef Peter Westenthaler nannte bei einer Pressekonferenz am Dienstag die ausgehandelte Möglichkeit für "Modellversuche zur Weiterentwicklung der Sekundarstufe I" den "Flop des Jahres". Denn die ÖVP und ihre Gewerkschafter würden "mit Sicherheit nicht zulassen", dass zwei Drittel der Lehrer einer Schule einem derartigen Modellversuch zustimmen würden, glaubt Westenthaler.

Hart ins Gericht gehen die Orangen mit der SPÖ. Die SPÖ sei mit dem Kompromiss von der ÖVP "mit beiden Beinen über den Tisch gezogen worden" und damit seit Regierungsantritt zum 40. Mal vor der ÖVP umgefallen, rechnete der BZÖ-Chef vor. Außerdem habe Unterrichtsministerin Claudia Schmied (S) "mut- und kraftlos" agiert, indem sie etwa angekündigt habe, kein zusätzliches Geld für Schulversuche zu brauchen.

Zudem würden mit dem Modell die Hauptschullehrer "für dumm verkauft werden", glaubt Westenthaler, da diese in einer Modellschule die gleiche Arbeit wie AHS-Lehrer verrichten müssten, dafür aber nur ihr Hauptschullehrergehalt beziehen würden.

Experten sind unterschiedlicher Meinung
Uneinig waren sich erwartungsgemäß Bildungsexperten der fünf Parlamentsparteien am Runden Tisch im ORF-Fernsehen über die jüngste Schulreform-Einigung. Josef Broukal von der SPÖ meinte, nicht ein einziges Kind werde künftig schlechtere Schulen als bisher vorfinden. Werner Amon sprach von einem guten Kompromiss, wenn die Schulversuche vernünftig begleitend evaluiert werden. Dieter Brosz von den Grünen bemängelte dagegen, dass ein zusätzlicher Schultyp geschaffen worden sei, ähnliches sei in Deutschland schon gescheitert.

FPÖ-Bildungssprecher Martin Graf meinte, es handle sich um einen faulen Kompromiss und um einen Etikettenschwindel. BZÖ-Generalsekretär Gerald Grosz ortete weiterhin Streit und Haider zwischen den Koalitionsparteien. Und der Leiter der Expertenkommission im Unterrichtsministerium, Bernd Schilcher, war der Meinung, dass die Gesamtschule jetzt erst beginnen könne.

Broukal: Zahl der Sitzenbleiber soll um Hälfte sinken
Broukal hofft, dass mit dem Modellversuch die Zahl der Sitzenbleiber um die Hälfte sinkt, was auch Einsparungen bedeute. Graf sprach daraufhin von einer gefährlichen Drohung, wenn man das Durchfallen abschaffen wolle. Brosz konterte, ob der Freiheitliche etwas Kinder massenhaft durchfallen lassen will. Und Graf bezeichnete in der Debatte Schilcher als den Andreas Wabl der Bildungspolitik. Grosz erneuerte die BZÖ-Idee eines Schulstartgeldes une einer Begrenzung der Quote von Kindern nichtdeutscher Muttersprache auf 30 Prozent.

(apa/red)

6.11.2007 11:52