Endspurt bei BAWAG-Zeugenbefragungen:
"Bilanzrunde" im Zentrum der Verhandlung
- Schmidt: Stiftungskonstrukt war "schon merkwürdig"
- Mitarbeiterin der Bilanzabteilung: "Sie waren naiv"
Zwei Zeugen aus der Bilanzabteilung der BAWAG haben am 50. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess ausgesagt, wie die hohen Verluste aus den Geschäften mit Wolfgang Flöttl außerhalb der Bilanz gehalten wurden und damit in den offiziellen Berichten der Bank nicht aufschienen. Beide waren Mitglieder der "Bilanzrunde", wo die Transaktionen zur Geheimhaltung der Verluste vor der Öffentlichkeit koordiniert wurden.
Der derzeitige Leiter der Bilanzabteilung und frühere Abteilungsleiter-Stellvertreter Berthold Schmidt sagte, die Stiftungskonstruktion in Liechtenstein, wo die ersten großen Flöttl-Verluste im Herbst 1998 versteckt wurden, sei ihm zwar "schon merkwürdig" erschienen, er habe sie aber als eine für die Bank und für Flöttl "optimale Lösung" gesehen.
Erst zu Jahresanfang 2001 habe Schmidt dann von der KPMG-Wirtschaftsprüfungsgesellschaft die genaue Höhe der Verluste erfahren. Als Zweck der "Bilanzrunde" gab er an, dass dadurch die Verluste in der BAWAG "verdaut" und nicht an die Öffentlichkeit gelangen sollten.
Die Mitarbeiterin der Bilanzabteilung, Karin Valenta, hielt dem nun angeklagten damaligen BAWAG-Vorstand Leichtgläubigkeit vor: Dass Flöttl nach zwei großen Verlusten noch ein drittes Mal Gelder von der Bank erhalten habe, sei "nicht gescheit" gewesen: "Für mich waren sie naiv", tadelte die BAWAG-Mitarbeiterin ihre früheren Vorgesetzten. Allerdings habe sie nie das Gefühl gehabt, dass die Vorstände etwas tun, was sie nicht tun sollen. (apa/red)
