Dienstag, 6. November 2007

Cerberus stimmt Nowotny-Rückzug zu: BAWAG steht jetzt vor großen Änderungen

  • Viele Zugeständnisse von Cerberus nicht eingehalten
  • Nowotny bewirbt sich als neuer Nationalbank-Chef

Der neue Mehrheitseigentümer der ehemaligen Gewerkschaftsbank BAWAG PSK, der US-Finanzinvestor Cerberus, hat wenig überraschend das Rücktrittsgesuch von BAWAG-Generaldirektor Ewald Nowotny per Jahresende 2007 angenommen und wie erwartet den Briten David Roberts per 1. Jännner 2008 zu seinem Nachfolger bestellt. Sein Stellvertreter wird Stephan Koren sein. Nowotny kündigte erstmals offiziell an, sich für den Posten des Gouverneurs der Nationalbank bewerben zu wollen.

Weniger erwartet beschloss die BAWAG auch, den 36-Prozent-Anteil an den Österreichischen Lotterien an die mit einem Vorkaufsrecht ausgestatteten Casinos Austria AG zu verkaufen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, der Abschluss des Deals ist noch für heuer geplant.

Nowotny will OeNB-Gouverneur werden
Über den vorzeitigen Rückzug von Nowotny und sein Interesse an der Nachfolge von Klaus Liebscher als Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) wurde in den Medien bereits seit Wochen spekuliert. Sein Vertrag als BAWAG-Chef wäre noch fünf Jahre bis 2012 gelaufen. Als Hauptgrund gab Nowotny an, dass die BAWAG nach der schwierigen Situation der vergangenen beiden Jahre jetzt eine längerfristige personelle Kontinuität brauche. Roberts und Koren seien ein gutes Team. Unerwähnt blieb die Laufzeit der neuen Verträge.

Dieser Tag sei ein sehr emotionaler für ihn, weil er in den vergangenen zwei Jahren mit höchster Intensität für diese Bank gearbeitet habe, sagte Nowotny. Nunmehr - mit dem Verkauf des Lotterien-Anteils - sei man dabei, den Strukturwandel voll einzuleiten. Die BAWAG PSK sei jetzt wirklich durchgestartet, meinte Nowotny, im Oktober habe es bei den Einlagen einen Zuwachs von 22 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat gegeben. Der BAWAG-Chef bestritt, dass es etwa bezüglich des eingeleiteten Verkaufs der Ostbanken-Töchter Unstimmigkeiten im Vorstand oder Aufsichtsrat gegeben habe.

BAWAG-Aufsichtsrat: Zweite Phase eingeleitet
BAWAG-Aufsichtsratspräsident Wulf von Schimmelmann bedankte sich bei Nowotny, kaum jemand anderer hätte es geschafft, mit dieser "Autorität und Ruhe" die Bank wieder nach vorne zu bringen. Jetzt werde ein zweite Phase eingeleitet. Den Rückzug von Nowotny habe der Aufsichtsrat sehr bedauert. Sein designierter Nachfolger Roberts habe bereits gezeigt, dass er der BAWAG eine Richtung geben könne und werde, ein Großteil des neuen Auftrittes sei auf ihn zurückzuführen. Weitere Änderungen im Vorstand schloss Schimmelmann nicht aus, aktuell würden aber keine anstehen.

Roberts meinte, er sei sehr stolz, der nächste CEO der BAWAG sein zu können. Er werde die BAWAG weiter modernisieren, die Bank habe großes Potenzial. "Wir beabsichtigen hohe Investitionen in das Kerngeschäft, um die neue BAWAG PSK zur kundenfreundlichsten Bank Österreich zu machen", so der designierte Nachfolger von Nowotny.

Mitarbeiter-Abbau geplant
Nowotny bestätigte, dass der bis 2011 geplante Abbau von etwa 400 Mitarbeitern schneller vor sich gehen könnte, als bisher geplant. Laut Roberts müssten nicht nur Mitarbeiter abgebaut, sondern auch die Produktivität der Bank verbessert werden.

Ost-Töchter vor Verkauf
Zum geplanten Verkauf der Ost-Töchter meinte Schimmelmann, die BAWAG sei in dieser Region zu spät und zu klein gestartet. Mit Marktanteilen von unter 2 Prozent sei es schwierig, auf Dauer eine signifikante Rolle zu spielen. Zukäufe seien nach einer Analyse ausgeschlossen worden. Nowotny betonte, dass der Verkauf nicht bedeute, dass sich die BAWAG PSK aus Osteuropa zurückziehen wird, er betreffe nur das Retail-Geschäft. Das Kommerzkundengeschäft und das Geschäft mit öffentlichen Krediten werde weiter von Wien aus betreut werden. Auch das Leasing-Geschäft bleibe in Osteuropa bestehen. Nowotny schloss nicht aus, dass der Verkauf noch bis Jahresende über die Bühne gehen könnte. Nicht zuletzt sei alles eine Frage des Preises.

Bezüglich des anstehenden Verkaufs der Klaviermanufaktur Bösendorfer gebe es zwei ernsthafte Interessenten, so Nowotny, Details müssten erst abgeklärt werden. Ein Verkauf noch in diesem Jahr sei möglich, ob zu 100 Prozent, sei noch in Diskussion.

(APA/red)

6.11.2007 16:33