Dienstag, 6. November 2007

Geschäftsabwicklung als Perpetuum Mobile:
BAWAG-Prozess gibt Einblick in Flöttl-Deals

  • Eine Zeugin schilderte Verheimlichung der Verluste
  • Flöttl-Geschäfte auch in Bank streng geheimgehalten

Einblicke in die Abwicklung der Sondergeschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl und die Verheimlichung der Verluste durch die Stiftungskonstruktionen in Liechtenstein lieferte am 47. Verhandlungstag die Zeugeneinvernahme von Renate Zartler Schwob. In Folge ihrer Aussage entspann sich ein Hick-Hack unter den Angeklagten.

Als Nachfolgerin von dem früheren BAWAG-Generalsekretär Peter Nakowitz war Zartler-Schwob für die konkrete Abwicklung der Geschäfte mit Flöttls Firmen zuständig. Nakowitz habe ihr damals die Kreditunterlagen gegeben und sie auf die hohe Geheimhaltung hingewiesen. Nakowitz habe die Unterlagen unter Verschluss verwahrt, schilderte Zartler-Schwob heute als Zeugin vor dem Schöffengericht.

Zartler-Schwob musste nach einer Vorstandssitzung Ende Oktober 1998 Kreditanträge der Fachabteilung an den Vorstand verfassen und diese rückdatieren mit Daten vor der Vorstandssitzung. Dass damit der erste große Totalverlust Flöttls vertuscht werden sollte, wusste sie nach eigenen Angaben damals nicht. Ihre damalige Chefin Ingrid Winter- Reumann hatte von "Umstrukturierungen" gesprochen, von Verlusten habe sie nichts vermutet, betonte die Zeugin.

Heikle Unterschrifen
Aufhorchen ließ Zartler-Schwob als sie erklärte, wer die Anweisung an das BAWAG-Treasury zur Überweisung der Gelder Ende Oktober 1998 unterschrieben habe. Ihrer Erinnerung nach trug die Anweisung die Unterschriften von Peter Nakowitz und ihrer Chefin, Ingrid Winter- Reumann.

Einen Rückblick auf die 1994 rückgeführten "Karibik-1"-Geschäfte der BAWAG mit Wolfgang Flöttl gab der Zeuge Hermann Ziegler, pensionierter Leiter der BAWAG-Bilanzabteilung. Bei der Rückführung seien der Bank keine Verluste entstanden, auch zuvor habe man mit Flöttl jun. Gewinne gemacht, betonte Ziegler. Die Flöttl-Geschäfte schienen ihm damals nicht riskant, da auch bei einem Verlust von 20 Prozent noch immer kein Verlust für die Bank eingetreten wäre.

(apa/red)

6.11.2007 18:01