Roberts wird neuer BAWAG-General: 45-
Jähriger galt bereits zuvor als Fädenzieher
- Comeback im Privatkundengeschäft und Verkäufe
- Nowotny gilt als Favorit für Nationalbank-Gouverneur

Wenn der künftige BAWAG-Vorstandschef, David Roberts (45), sich dieser Tage den Aktienkurs seines früheren Arbeitgebers ansieht, dürfte er die Probleme "seiner" neuen Bank als nicht besonders gravierend empfinden. Anders als Barclays, die nach einer misslungenen Großübernahme und Problemen mit US-Hypothekenpapieren in den vergangenen Monaten ein Drittel ihres Werts eingebüßt hat, scheint die BAWAG die tiefe Krise der vergangenen Jahre heute hinter sich zu haben.
Der neue BAWAG-Generaldirektor aus der Londoner City soll ein Comeback im Privatkundengeschäft und den raschen Verkauf der Tochterunternehmen sorgen. Roberts sieht dem BAWAG-Vorstand bereits seit Mitte Mai auf die Finger.
Sonderberater des Vorstands
Kurze Zeit später war er vom neuen Eigentümer, dem US-Fonds Cerberus, als Sonderberater des Vorstands eingesetzt worden. Der Brite war in dieder Funktion zwar speziell für die den neuen Markenauftritt und die Neupositionierung des Privatkunden und KMU-Geschäfts zuständig - hat nach Einschätzung von Beobachtern aber auch wesentlich zu den beschleunigten Verkäufen der BAWAG-Beteiligungen - und Vermögenswerten beigetragen - ein radikaler Strategiewechsel.
Nowotny Favorit für Nationalbank-Gouverneur
Nowotny war vor zwei Jahren noch vor dem Bekanntwerdenden der jahrelang verheimlichten Milliardenverluste als Sanierer an die Spitze der BAWAG gehievt worden. Er wird wie berichtet als Favorit für den Nationalbank-Gouverneur nach dem Rückzug Klaus Liebschers im Herbst 2008 genannt.
Roberts, der am 12. September 1962 geboren wurde, arbeitete seit 1983 - also während seines ganzen bisherigen Berufslebens - für die drittgrößte britische Bank. Seit 2000 verantwortete er im Barclays-Vorstand das Privatkunden- und Kommerzgeschäft, jenes Geschäftsfeld, das für die BAWAG heute "spielentscheidend" ist. Bei Barclays verdiente er zuletzt 2,1 Mio. Pfund, also umgerechnet etwa 3 Mio. Euro.
Roberts lernt derzeit mit Hochdruck Deutsch und hat angeblich drei Tage darauf verwendet, um vor Mitarbeitern eine Rede auf Deutsch halten zu können. Erst vor wenigen Tagen war der künftige BAWAG-General vor tausenden Betriebsräten bei einer Weltspartagsfeier im Wiener Austria Center aufgetreten.
(apa/red)
