Freitag, 9. November 2007

Höchste Dividenden aller Zeiten: Heimische Konzerne 2008 mit Rekordausschüttungen

  • FORMAT: Aktionäre erhalten mehr als 3,2 Mrd. Euro
  • Am spendabelsten sind OMV, Telekom und Verbund

Laut Analystenschätzungen werden für das Geschäftsjahr 2008 mehr als 3,2 Milliarden Euro in Form von Ausschüttungen unter das Aktionärsvolk gebracht. Absoluter Spitzenreiter ist dabei der Ölriese OMV, der 390 Millionen Euro auszahlen wird. Zu den Big Spenders zählt mit 369 Millionen Euro auch die Telekom Austria, gefolgt von Verbund und voestalpine, die jeweils 354 Millionen für ihre Anleger locker machen. Alfred Reisenberger, Chefanalyst der CA-IB: "Die Rechnung ist einfach. Die Dividenden steigen in absoluten Zahlen bereits deswegen, weil die Aktiengesellschaften ihre Gewinne steigern."

Das spiegelt sich etwa im Zuwachs bei der durchschnittlichen Dividendenrendite des ATX-Index von 2 auf 2,6 Prozent wider. Während die Summe des absoluten Betrags der Ausschüttungen für Investoren nur geringe Bedeutung hat, lohnt sich die Orientierung an der Dividendenrendite umso mehr. Darunter wird die Höhe der Ausschüttung pro Aktie geteilt durch den aktuellen Kurs verstanden. Hier erweist sich die Österreichische Post mit 4,7 Prozent am vorteilhaftesten.

Was soll man sich kaufen, wenn man schon alles hat? Eine hohe Dividende ist natürlich nicht automatisch ein Zeichen für ein gutes Unternehmen. Denn häufig geht das Gerücht um, dass Aktiengesellschaften nur deshalb das Füllhorn über ihre Anleger ausschütten, weil sie nicht wissen, wohin mit dem Geld. Da fehlt es entweder an Fantasie oder an zündenden Ideen. Alois Wögerbauer, Chef der 3 Banken Generali-Fonds: "Wenn in einem Unternehmen keine Expansion oder Innovationen geplant sind und deshalb eine hohe Dividende gezahlt wird, dann ist das auf lange Sicht sicher kein gutes Zeichen. Telekommunikationsunternehmen sind etwa sehr liquid, tun sich aber sehr schwer damit, noch weiter zu expandieren. Was sollen die noch kaufen?"

Investoren goutieren stabile Ausschüttungspolitik
Manche Gesellschaften legen, anstelle die Ausschüttungen zu erhöhen, die Gewinne lieber auf die hohe Kante. Damit sind später Expansionspläne zu verwirklichen. Unternehmen, die sich auf Wachstumskurs befinden und innovative Konzepte verfolgen, zahlen oft weniger Dividende, weil die Gewinne thesauriert, also im Unternehmen belassen werden, um die Kriegskasse für weiteres Wachstum gefüllt zu halten.

Nur mit der richtigen Dividendenpolitik sind Investoren langfristig bei der Stange zu halten. Wie spendabel die Vorstände der Aktiengesellschaften wirklich sind, erweist sich in der Taktik, wie mit den Ausschüttungen auf längere Sicht umgegegangen wird. Bernd Maurer, Analyst der Raiffeisen Centrobank: "Die Post liegt heuer mit 4,4 Prozent Dividendenrendite deutlich über dem Durchschnitt der ATX-Titel und schüttet auch 70 Prozent ihrer Gewinne aus."

Was Investoren besonders goutieren, ist eine stabile Ausschüttungspolitik über Jahre hinweg. Hier bekommt etwa der Edelstahlkonzern Böhler-Uddeholm die besten Noten, werden doch seit Jahren konstant zwischen 40 und 50 Prozent des Gewinns an Dividende bezahlt. Aktuell gehen die Analystenschätzungen davon aus, dass die Böhler-Dividende für 2007 bei 2,5 Euro je Aktie liegen wird, für 2008 wird ein weiterer Anstieg auf 2,75 Euro prognostiziert. Das ergibt auf dem momentanen Kursniveau eine Dividendenrendite von 3,8 Prozent.
Österreich hinkt international hinterher
Die für 2008 geschätzten Rekordausschüttungen heimischer Unternehmen können den Aufholbedarf im internationalen Vergleich nicht kaschieren. So liegen die ATX-Werte mit der durchschnittlichen Dividendenrendite von 2,6 Prozent klar hinter anderen Börsen zurück. Die wichtigsten hundert Aktien am Finanzplatz London werden nächstes Jahr einen Wert von 3,7 Prozent erreichen, die 50 größten europäischen Aktien im Schnitt sogar 3,9 Prozent. Fondschef Wögerbauer: "Im internationalen Vergleich gibt es wenige österreichische Schwergewichte wie etwa Wienerberger oder auch die voestalpine, die mithalten können. Heimische Finanztitel hinken ebenfalls noch hinterher."

Zum Vergleich: Die Deutsche Bank steuert für heuer auf eine Dividendenrendite von 4,8 Prozent zu und die Royal Bank of Scotland gar auf 6,36 Prozent. Trotzdem zeigen die erwarteten Rekord-Dividenden für 2008, dass sich die Austro-Stocks auf dem richtigen Weg befinden. Denn 3,2 Milliarden sind im historischen Vergleich für österreichische Investoren ein wahrer Geldregen.

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9.11.2007 16:08