Freitag, 9. November 2007

Der Hamburg-Hafen-Betreiber HHLA mit Börsengang: Aktie stieg um zehn Prozent

  • FORMAT: Transportwesen boomt durch Globalisierung
  • Mega-Projekt für weiteren Erfolg: Vertiefung der Elbe

Die Kai-Betreibergesellschaft Hamburger Hafen und Logistik AG (HHLA) ist Marktführer am dortigen Schiffsterminal und erwirtschaftete im vergangenen Jahr eine Milliarde Jahr Umsatz. Nun ging das Unternehmen mit großem Erfolg an die Frankfurter Börse. Die Aktie war zehnfach überzeichnet und stieg zum Start um zehn Prozent auf 59 Euro.

Der Altenwerderkai des Hamburger Hafens ist der modernste Containerhafen der Welt. Das Gelände ist mit Stacheldraht abgeriegelt, Videokameras und Röntgengeräte kontrollieren einfahrende Fahrzeuge. Zugang hat nur, wer hier arbeitet oder über eine spezielle Genehmigung verfügt. Auch Fotografieren ist streng verboten, zu groß ist die Angst der HHLA vor Industriespionage. "Häfen sind auch potenzielle Terrorziele", erklärt Hafenführer Thomas Kaiser.

Vor allem ist der Hafen der Hansestadt eine Goldgrube: Er rangiert unter den größten zehn der Welt und ist nach Rotterdam Europas größtes Schiffsterminal. Der Welthandel boomt, damit auch sein Rückgrat, der billige Gütertransport, und hier vor allem die Containerschifffahrt. Der Versand eines Containers von Hamburg nach Asien kostet bloß neunzig Euro. Folge: Die Branche wächst mit drei bis fünf Prozent im Jahr dreimal schneller als die Weltwirtschaft.

Günstige Lage entscheidend
Heute genau wie in der gerne romantisierten Anfangszeit des Hafens profitiert die HHLA von dessen günstiger Lage: Nur hundert Kilometer vom Meer entfernt an der Elbe gelegen, ist Hamburg der am weitesten östlich gelegene Nordseehafen. Die größten Konkurrenten, Antwerpen und Rotterdam, liegen weiter nördlich. Hamburg verfügt auch wegen der vorbeiführenden Autobahn A7 und des Bahn-Direktanschlusses über die beste Anbindung ans Hinterland. Ein enormer Wettbewerbsvorteil auch deshalb, weil die Warenlagerung auf den begrenzten Hafenflächen teuer ist. Da südeuropäische Häfen wie Triest, Rijeka und Koper zu geringe Teu-Kapazitäten haben, zählen Wien, Prag, Warschau und sogar Moskau zum Einzugsgebiet der HHLA.

Das Geld aus dem Börsengang wollen Stadt und HHLA nun in die Infrastruktur investieren. In den kommenden fünf Jahren soll die Kapazität des traditionsreichen Unternehmens auf 12.000 Teu verdoppelt werden. Dafür müssen etwa die Hafenbecken vertieft und Kai-Kanten verlängert werden, um mehr Schiffen einen Liegeplatz zu ermöglichen. Eine neue Technik soll es außerdem ermöglichen, mehr Container auf einem Platz übereinander zu stapeln.

Mega-Projekt für Mega-Schiffe
Diese Maßnahmen sind Kleinigkeiten im Vergleich zur größten Herausforderung, die dem Hamburger Hafen bevorsteht. Die Elbe muss vertieft werden, wenn die Globalisierung nicht bald an Hamburg vorbeischippern soll. Die großen Reedereien wie A.P. Møller Mærsk, Hapag-Lloyd und CMA-CGM benutzen immer größere und tiefere Schiffe. In den Orderbüchern stehen 1.500 neue Frachter für die nächsten 15 Jahre. Derzeit gibt es nur sechs Schiffe weltweit, die so riesig sind. Der Elb-Tiefgang, der jetzt bei 12,5 Metern liegt, reicht nicht mehr, um diese Meeresriesen problemlos durchzulassen. Nur in kleinen Zeitfenstern und gezeitenabhängig können auch Schiffe mit bis zu 13,5 Meter Tiefgang passieren.

Das Megaprojekt der Vertiefung der Elbe für Schiffe mit 14,5 Meter Tiefgang liegt derzeit bei den zuständigen Behörden der Stadt und des Landes. Sie sind gewillt, mehrere Milliarden Euro zu investieren, bloß sind die Umweltfolgen unabschätzbar. "Mittelfristig hängt das Wachstum der HHLA von der Elb-Vertiefung ab", meint ein Analyst. Und damit auch die Rendite für die Anleger, die sich beim Börsengang mit den Hamburger Hafenpapieren eingedeckt haben.

Erfolg betrifft auch Österreich
Die Erfolgswelle des Hafens der Hansestadt schwappt indes auch auf Österreich über: Die börsennotierte Immobilienfirma CA Immo etwa entwickelt für H&M in Hafennähe ein hochmodernes neues Zentrallager, von dem aus die schwedische Textilkette ganz Europa mit importierten Pullovern und T-Shirts beliefern will. Und der Wohnbau-entwickler Conwert hat sich jüngst an der Hafen City beteiligt.

Die komplette Story finden sie im FORMAT 45/07!

(apa/red)

9.11.2007 15:00