FORMAT über große Geschäfte im 3/4-Takt:
1.000 Bälle als wichtiger Wirtschaftsfaktor
- Große Gewinner sind Friseure & Damenmodehäuser
- Auch Kostümverleiher und Tanzschulen profitieren

·"Alles Walzer!": Ball- Saison wieder eröffnet
Stenzel ruft im ersten Bezirk zur 'Quadrille' auf
·Ballsaison beschert Wirtschaft Millionen
51 Mio. geben Wiener für Tanzvergnügen aus
Rund tausend Bälle finden ist in Österreich jede Saison statt, kleine ländliche Pfarr- oder Gemeindebälle noch gar nicht eingerechnet. Klar, dass die rauschenden Feste Zigtausende geschäftliche Transaktionen mit sich bringen und so einen ernst zu nehmenden Beitrag zur Volkswirtschaft leisten. "Vor allem Bekleidungsindustrie, Friseure, Kostümverleiher und natürlich die Tanzschulen profitieren enorm von der Ballsaison", erklären Stefan Grossek und Benjamin Loudon, die seit elf Jahren einen Ballguide für jedes österreichischen Bundesland herausgeben und damit selbst kräftig an den Ballumsätzen mitnaschen: Auf stattliche 320.000 Stück Auflage bringen es die Terminplaner für Tanzwütige.
Allein in Wien finden pro Saison rund 450 Bälle mit insgesamt 350.000 Besuchern statt. Das ergibt einen Schnitt von 670 Gästen pro Ball. Eine von der Wirtschaftskammer Wien in Auftrag gegebene Studie hat errechnet, dass die Gesamtausgaben der Ballbesucher in der Bundeshauptstadt 51 Millionen Euro ausmachen. Eine Eintrittskarte kostet im Schnitt 40 Euro. Speziell bei den Eintrittskarten ist das Preisniveau sehr unterschiedlich. Das Ticket für den Opernball kostet 230 Euro, eine Karte für den Wiener Hausbesorgerball im Wiener Rathaus kostet 25 Euro. 45 Euro gehen für Speis und Trank drauf. Der Aufwand für Garderobe, Friseur und Taxi liegt bei 85 Euro. Laut Studie gibt somit jede Person rund 170 Euro für eine Ballnacht aus. Für die Ballexperten Grossek und Loudon sind diese Zahlen allerdings eher eine Untergrenze. "Wir glauben, dass die tatsächlichen Ausgaben je Besucher mindestens 200 Euro ausmachen."
Garderobe-Ausgaben der Männer
Die Garderobe-Ausgaben der Männer sind vergleichsweise leicht kalkulierbar. Österreichs größter Kostümverleih, Lambert Hofer ("Während der Faschingszeit herrscht in unseren Niederlassungen Hochbetrieb"), nimmt pro Smoking und Abend 88 Euro, für einen Frack 220 Euro. Lassen die Kunden bei ihm nach Maß schneidern - und das kommt laut Hofer angesichts der Balldichte immer häufiger vor -, klingelt seine Kasse noch heller: Der Frack kostet dann mindestens 2.000 Euro. Die Günstigvariante wäre da ein H&M-Smoking von der Stange, der mit bloß 150 bis 200 Euro zu Buche schlägt.
Damenmodehäuser profitieren von Ballsaison
Für Damenmodehäuser ist die Ballsaison überhaupt die allerbeste Zeit - besonders für jene mit der gehobenen Käuferschicht als Zielgruppe. Sie profitieren vom ungeschriebenen Gesetz, dass das zweimalige Tragen desselben Kleides in diesen Kreisen als geschmacklos gilt. "Ich verlange für ein Couture-Kleid 1.500 bis 3.000 Euro", erklärt Thang de Hoo, Kreativchef beim Modehaus Fürnkranz. Bis zu vierzig Kleider schneidert der gebürtige Niederländer pro Ballsaison für das österreichische Establishment.
Friseure wünschen Bäller das ganze Jahr
Die Friseure hätten auch am liebsten eine ganzjährige Ballsaison. "Eine Ballfrisur kostet bei uns ab 60 Euro. Die meisten Kundinnen nehmen aber auch noch eine Maniküre oder ein Make-up dazu und sind so sehr schnell bei 100 Euro", rechnet Hannes Steinmetz, Kreativdirektor bei Bundy & Bundy in Wien, vor. Im Jänner und Februar sind beim Nobel-Coiffeur die Öffnungszeiten praktisch aufgehoben: "Kundinnen kommen um 19 Uhr mit ihrem Kleid, ziehen sich erst hier um und gehen dann direkt zum Ball."
Tanzschulen haben Hochsaison
Weitere Gewinner der Ballsaison sind die rund hundert Tanzschulen im ganzen Land. In den Sommermonaten sind sie oft geschlossen, aber vom Herbst bis ins Frühjahr läuft das Geschäft prächtig. "Die Leute können heute viel besser tanzen als früher. Bälle werden immer gut besucht sein, sind sie doch die einzige Gelegenheit, wo man sein Können wirklich ausspielen kann", erklärt Tanzschulbesitzer Thomas Schäfer-Elmayer.
WEITER: Alles über die Profiteure der Ballsaison lesen Sie im FORMAT 45/07!

