Freitag, 9. November 2007

Wer will ihn - unseren Ex-Finanzminister? Jetset-Leben legt ihm Steine in Karriere-Weg

  • Job-Angebot war nach "Vogue"-Erotik-Shooting weg
  • FORMAT über den schwer vermittelbaren Top-Mann

Elf Monate ist es nun her, dass Karl-Heinz Grasser als Finanzminister der Republik zurückgetreten wurde. Und in dieser Zeit ist es um den einstigen Sonnyboy, der trotz einer Unzahl von Affären stets beliebtester Politiker im Lande war, deutlich ruhiger geworden. Statt bei Ministertreffen in ganz Europa verbringt er seine Zeit in Kitzbühel oder in Wien. Wenn er Bürostunden absitzen muss, dann tut er das nicht mehr im prunkvollen Palais in der Wiener Himmelpfortgasse, sondern in einem Kleinbüro in der Wiener Tuchlauben. Und noch etwas hat sich geändert: Was KHG heute tagsüber so treibt - und vor allem: wovon er lebt -, ist weitgehend unbekannt.

An der Adresse Tuchlauben 14, nur einen Steinwurf von seinem Lieblingsitaliener Fabios entfernt, arbeitet Grasser heute als selbständiger Unternehmer. Gleich zwei seiner Firmen sind dort untergebracht, zum einen das "Büro Karl-Heinz Grasser" und "ValueCreation", zum anderen "Valora Solutions", eine PR-Firma, die er gemeinsam mit seinen beiden Freunden Walter Meischberger und Peter Hochegger unterhält. Grasser hält Vorträge, betätigt sich als Lobbyist und berät Firmen. Für Julius Meinl V., ebenfalls ein enger Freund von KHG, führt er die Geschäfte der Beteiligungsgesellschaft Meinl International Power (MIP).

Doch ganz so gut dürften die Geschäfte nicht laufen. MIP hat bis dato gerade einen Abschluss getätigt und ist Juniorpartner bei einem Kraftwerksprojekt in Ungarn. Auch Valora Solutions hat sich wohl noch nicht wirklich zu einer Cashcow entwickelt. Lediglich Grassers Drittjob beim Wiener Fonds-Haus C-Quadrat läuft derzeit reibungslos. Dort ist er freilich auch nur Vorsitzender des Aufsichtsrats. Ein Job, für den er gerade einmal 25.000 Euro bekommt - pro Jahr.

Was läuft falsch mit Grassers Karriere?
Irgendwas läuft also falsch mit der Karriere des einstigen Durchstarters. Woran es liegt, ist freilich schwer zu sagen. Andreas Landgrebe, geschäftsführender Gesellschafter des Headhunters Ray & Berndtson, hat ein relativ simples Erklärungsmodell bei der Hand: "Die Rechnung Top-Mann kriegt einen Top-Job ist eben nicht so einfach. Das Auswahlverfahren dafür ist ein komplizierter Prozess." Und Philipp Harmer, Personalberater bei Egon Zehnder International, ergänzt: "Grasser ist vielleicht zu mondän, zu sehr von der Jetset-Welt angezogen."

Job-Angebot nach Erotik-Shooting weg
Dass Grasser ein Faible für Partys und Jetset hat, ist selbst den internationalen Firmen nicht entgangen. Und sein öffentliches Privatleben, das ihn hierzulande in die Schlagzeilen bringt, kann international durchaus ein Karrierehemmschuh sein. Hartnäckig hält sich das Gerücht, dass Grasser Anfang dieses Jahres einen unterschriftsreifen Vertrag des Investmenthauses Lehman Brothers vorliegen hatte. Dieser wäre aber nach der Veröffentlichung von Grassers Erotik-Shooting für die italienische Männer-"Vogue" zurückgezogen worden. Das exaltierte Shooting hatte den honorigen Bankern, die in ihrem Geschäft eher diskret vorgehen, gar nicht gefallen.

Gerade dieses öffentliche Leben Grassers, das er seine ganze politische Karriere durchgezogen hatte, hat ihm in der Politik geholfen. Selbstbewusst hatte er als parteifreier Minister der ÖVP sogar die Marke KHG propagiert und von glänzenden Umfragewerten gelebt.

Besetzung Grassers ist schrilles Signal
Doch gerade diese Marke ist nun ein Problem. Einen Top-Job im Ausland, wie ihn etwa der Ex-Kanzler Viktor Klima, Grassers Vorvorgänger als Finanzminister, bekam, ist zumindest derzeit für Grasser in weiter Ferne. Und auch im Inland ist Grasser, so sagen Experten hinter vorgehaltener Hand, schwer vermittelbar. Wer Grasser einstellt, der setzt damit ein Zeichen. Und anders als etwa die beiden Ex-Staatssekretäre Wolfgang Ruttenstorfer und Brigitte Ederer, die nach der Politik bei OMV und Siemens ein- und aufstiegen, ist die Besetzung von Grasser vor allem ein schrilles, lautes Signal.

Comeback in die Politik?
Immer wieder tauchen deshalb Gerüchte über ein mögliches Comeback in der Politik auf. Schon Anfang des Jahres war Grasser schließlich um ein Haar zum Vizekanzler aufgestiegen. Schüssel hatte seinen Favoriten bereits bei den mächtigen Landesfürsten Erwin Pröll und Josef Pühringer durchgeboxt. Erst eine mittelgroße Revolte des Arbeitnehmerflügels, die Ex-Nationalratspräsident Andreas Khol angezettelt hatte, verhinderte dies. Khol soll dafür weiter parteiinterne Dankenshymnen ernten.

Ganz aufgegeben hat Schüssel seinen Plan, mit Grasser in die nächste Nationalratswahl zu ziehen, noch nicht. Die Chancen dafür sinken aber beinahe monatlich. Vor allem, weil Grassers Nachfolger in der Himmelpfortgasse Gefallen an der Rolle gefunden hat. Wilhelm Molterer ist mittlerweile Parteichef. Und zur Sicherheit hat er sich auch bereits zum Kanzlerkandidaten für den nächsten Nationalratswahlkampf erklärt.

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9.11.2007 10:15