Schlechtes Zeugnis für Energiepolitik: Mehr
Windenergie und Wasserkraftwerke nötig
- Experten: Stromverbrauch steigt jährlich um 1,7 %
- Schleicher: Technologiesprung dringend notwendig

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Neue Ansätze in der Energiepolitik diskutierten in Salzburg Spitzenexperten aus Österreich und der EU bei der Energie-Enquete der Wirtschaftskammer Salzburg. Sie stellten bei der Veranstaltung in der WK Salzburg sowohl der österreichischen als auch der europäischen Energiepolitik kein gutes Zeugnis aus.
Er sehe derzeit kein Szenario, dass der Energieverbrauch in Österreich künftig sinken werde, sagte der Geschäftsführer der Energie-Control, Walter Boltz, und machte das an einem Beispiel deutlich: "Während wir über das Energiesparen sprechen, sind die Zulassungszahlen für Sport Utility Vehicles (SUV) mit hohem Benzinverbrauch in Österreich seit dem Vorjahr um fast 25 Prozent gestiegen. Wir reden über das eine und tun das andere - von einem Umdenken ist nichts zu spüren."
Stromverbrauch steigt jährlich um 1,7 Prozent
In den kommenden Jahren werde Österreich zusätzlich je 700 Megawatt aus Wind- und Wasserenergie benötigen, prognostizierte Boltz. Allein der Stromverbrauch steige jährlich um 1,7 Prozent. Um diesen Bedarf abzudecken seien 50 bis 70 neue Wasserkraftwerke und etwa 300 neue Windräder notwendig. Für die westlichen Bundesländer bedeute das, dass sie weitere Wasserkraftwerke an geeigneten Standorten planen müssen. "Dennoch ist zu bedenken, dass heute erneuerbare Energieträger wie eben die Wasserkraft zwar bereits 20 Prozent am österreichischen Energiemix ausmachen. Aber die erneuerbare Energie wird auch künftig nicht die tragende Säule der heimischen Energieversorgung sein."
Schleicher: Technologiesprung ist notwenidig
Der Klimaexperte Univ.-Prof. Stefan Schleicher (WIFO und Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Universität Graz) ist überzeugt, dass der Blick in den Rückspiegel für die Energiezukunft nicht ausreicht: Nur mit einem Technologiesprung könnten die neuen Ziele in der Energiepolitik erreicht werden, ist Schleicher überzeugt. Österreich liege derzeit bei der Reduktion von Treibhausgasen 36 Prozent unter dem Kyoto-Ziel. "Schlußendlich wird uns nichts anderes übrigbleiben, als um teures Geld - ab einer Mrd. Euro aufwärts - Emissionsrechte zuzukaufen."
Die EU habe sich mit der Energie-Effizienzrichtlinie, die am 1. Jänner 2008 in Kraft tritt, das ambitionierte Ziel gesetzt, den Anteil der erneuerbaren Energieträger am Gesamtenergieverbrauch von derzeit sechs auf 20 Prozent zu erhöhen, sagte der EU-Parlamentarier Paul Rübig. "In Österreich sollen es nach einem Beschluss der Bundesregierung sogar 45 Prozent sein. Hierzulande ist die Energie-Effizienzrichtlinie noch nicht einmal in nationales Recht umgesetzt worden und dennoch peilt man ein laut Experten völlig unrealistisches Ziel an."
Abhängigkeit von fossilen Energieträgern
Die größte Abhängigkeit werde auch weiter von fossilen Energieträgern bestehen, ist Rübig überzeugt. "Schon heute wird auf dem Papier mehr Öl verkauft als überhaupt vorhanden ist. Denn die Ölpreise hängen nicht mehr nur von den Produzenten, sondern auch von Investoren ab. Wenn der wirtschaftliche Aufschwung in China und Indien anhält und die westliche Lebensweise dort weiter Einzug hält, wird sich die Lage am Ölmarkt noch weiter verschärfen", meinte Rübig.
(apa/red)
