Somalia geht in Welle der Gewalt unter: Leichen äthiopischer Soldaten geschändet
- UN-Generalsekretär gegen UNO-Friedenstruppe
- Islamische Milizen bekämpfen äthiopisches Militär

Bei den blutigsten Kämpfen seit Monaten sind in der somalischen Hauptstadt Mogadischu Dutzende Menschen getötet und viele weitere verletzt worden, die meisten von ihnen Zivilisten. Das ging aus Angaben von Krankenhäusern und Augenzeugen hervor. In Anbetracht der chaotischen Zustände hat sich UN-Generalsekretär Ban Ki-moon gegen die Entsendung einer Friedensstreitmacht der Vereinten Nationen in das ostafrikanische Bürgerkriegsland ausgesprochen.
Nach Augenzeugenberichten waren zunächst drei äthiopische Soldaten bei Kämpfen mit islamischen Milizen im Norden Mogadischus getötet worden. Die Leichen der Äthiopier wurden durch die Straßen geschleift und von einem Mob mit Steinen beworfen. Bei einem Gegenangriff des äthiopischen Militärs seien sieben weitere äthiopische Soldaten getötet worden. Drei Äthiopier sollen nach Augenzeugenberichten von islamischen Milizen gefangen genommen worden sein.
Zahlreiche Zivilisten eingeschlossen
"Allah ist groß! Tod den Aggressoren und ihren Strohmännern!", riefen Hunderte Menschen, unter ihnen zahlreiche Frauen und Kinder, "Nieder mit den Ungläubigen! Nieder mit dem Marionettenregime!" Wie Einwohner mitteilten, waren bei einem äthiopischen Granatenangriff im Stadtteil Bakara mindestens sechs somalische Zivilisten getötet worden. Die Hilfsorganisation "Ärzte ohne Grenzen" (MSF) hatte kürzlich darauf verwiesen, dass die noch in Mogadischu ausharrenden Zivilisten buchstäblich in der Falle säßen. In den vergangenen zwei Wochen flohen wieder Zehntausende vor den Kämpfen, doch zahlreiche Einwohner sind zum Bleiben verurteilt, weil sie kein Geld zur Bestechung der Milizionäre an den zahlreichen Straßensperren haben oder wegen der Kämpfe keinen sicheren Fluchtweg finden.
Die Regierung von Präsident Abdullahi Yusuf Ahmed ist vollständig von äthiopischer Militärhilfe abhängig. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hat in ihrem jüngsten Bericht den Konfliktparteien "zügellose Kriegsverbrechen" vorgeworfen. Die äthiopischen Truppen und ihre somalischen Verbündeten seien ebenso wie die Islamisten verantwortlich für "massives Leiden der Zivilbevölkerung".
Ban Ki-moon will "solide multinationale Streitmacht"
In einem in New York veröffentlichten Bericht an den UN-Sicherheitsrat erklärte Ban Ki-moon, unter den gegenwärtigen Bedingungen wäre die Stationierung von Blauhelm-Soldaten in Somalia "keine realistische Option" und hätte keine Chancen auf Erfolg. Der Generalsekretär empfahl, "andere Optionen" wie eine "solide multinationale Streitmacht" auf der Basis einer "Koalition von freiwilligen Ländern" in Betracht zu ziehen. Längerfristig könnte eine solche dann bis zu einem Niveau ausgebaut werden, das einen Rückzug der äthiopischen Interventionstruppen zulassen würde.
Die Friedenstruppe der Afrikanischen Union (AU), die ursprünglich einen Umfang von 8000 Mann haben sollte, beschränkt sich auf nur 1700 Soldaten aus Uganda. Ihr Mandat läuft mit Jahresende aus, die AU hat sich an die Vereinten Nationen gewandt und sie aufgefordert, für einen Ersatz zu sorgen.
Die Milizen des sogenannten Rates der Islamischen Gerichte hatten Mogadischu beim Herannahen der äthiopischen Panzer im Dezember 2006 aufgegeben. Das rigorose Vorgehen der Äthiopier ohne Rücksicht auf Zivilisten, wie auch der Einsatz schwerer Waffen in Wohngebieten Mogadischus, trugen zur Radikalisierung bei. Eine halbe Million Menschen wurden seither in die Flucht getrieben. Die Islamisten, die Waffenhilfe aus Saudi-Arabien, Jemen und Eritrea erhalten, hatten Mogadischu und große Teile Somalias ein halbes Jahr beherrscht, nachdem es ihnen gelungen war, die von den USA unterstützte Warlord-Allianz zu schlagen, deren Führer nunmehr in der Übergangsregierung sitzen. Die Warlords hatten nach dem Sturz des Diktators General Mohammed Siad Barre 1991 Chaos und Anarchie in dem Land am Horn von Afrika verbreitet.
Schlechte Erfahrungen der UNO
Wegen einer schweren Hungerkatastrophe 1992 hatte die UNO eine internationale Luftbrücke eingerichtet. Mit der Landung einer US-geführten multinationalen Truppe begann die Operation "Restore Hope", die in einem Fiasko endete. Rund 37.000 Friedenssoldaten sollten die Versorgung der Hungernden sichern. Im Oktober 1993 wurden in Mogadischu 18 US-Soldaten von einer wütenden Menschenmenge gelyncht, ihre Leichen geschändet. Der damalige US-Präsident Bill Clinton ordnete daraufhin den sofortigen Abzug der Truppen an.
Im vergangenen September war in Asmara in Eritrea eine antiäthiopische "Allianz für die Wiederbefreiung Somalias" gebildet worden. Saudi-Arabien hatte Präsident Abdullahi Yusuf aufgefordert, sich an seine Zusage zu halten, die äthiopischen Soldaten durch arabische und afrikanische Truppen unter dem Dach der Vereinten Nationen zu ersetzen.
(apa/red)
