Donnerstag, 8. November 2007

'Gegenseitige Liebeserklärung reicht nicht':
Sarkozy nach US-Besuch in Heimat kritisiert

  • Demonstrative Übereinstimmung mit Präsident Bush
  • Sarkozy reanmimiert US-französische Freundschaft

Nach seinem ersten offiziellen Washington-Besuch ist der französische Präsident Nicolas Sarkozy in Frankreich in die Kritik geraten. "Es reicht nicht, sich in die Augen zu schauen und sich gegenseitig die Liebe zu erklären. Daraus muss eine Vision und ein Einsatz für die Welt werden", sagte der ehemalige Premierminister Dominique de Villepin dem Sender RTL.

Mit einer demonstrativen Übereinstimmung in fast allen politischen Fragen hatte Sarkozy seinen USA-Besuch beendet. Sarkozy und US-Präsident George W. Bush erklärten übereinstimmend, der Iran dürfe keine Atomwaffen entwickeln. Den pakistanischen Staatschef Pervez Musharraf riefen sie auf, schnellstmöglich Wahlen zuzulassen.

Besonders wichtig war für Bush nach eigenen Worten, dass er sich mit Sarkozy in der Iran-Politik einig war. Teheran dürfe unter keinen Umständen Atomwaffen entwickeln, erklärten sie unisono und betonten, sie setzten dabei auf diplomatische Mittel. Sarkozy machte seine Unterstützung für die harte US-Haltung klar, indem er versicherte, er glaube, dass die Sanktionen gegen Teheran noch verstärkt werden müssten, um die Regierung von der Urananreicherung abzubringen. Diese wird gebraucht, um Brennstäbe für Kernkraftwerke zu produzieren, kann aber auch eingesetzt werden, um Material für eine Atombombe herzustellen.

Bush und Sarkozy kamen zu ihrer letzten Unterredung während des Besuch des französischen Staatschefs in Mount Vermont zusammen, wo der erste Präsident der USA, George Washington, wohnte. Bush sparte dabei nicht mit Lob für seinen Gast. "Man kann mit Sicherheit sagen, dass sie bei ihrem Besuch viele Menschen überrascht haben", sagte Bush. Er habe in Sarkozy einen Partner im Frieden kennengelernt, der klare Vorstellungen habe, für grundlegende Werte eintrete und der auch bereit sei, "harte Positionen einzunehmen, um den Frieden zu erreichen".

Freundschaft wiederbeleben
Sarkozy hatte seinen ersten Staatsbesuch in den USA mit dem erklärten Ziel angetreten, die Freundschaft zwischen beiden Ländern wiederzubeleben und die Beziehungen wieder auszubauen. "Frankreich ist der Freund der USA, wir sind zwei getreue Nationen mit demselben Ideal", sagte er vor dem Kongress. Er sei nie der Ansicht gewesen, dass die Meinungsverschiedenheiten beim Irak-Krieg die Beziehungen zwischen beiden Ländern belasten sollten, sagte Bush in einem Interview mit dem französischen Fernsehen.

Sarkozy schnitt auch nur am Rande das Thema Klimaschutz an, bei dem die USA und die EU eine unterschiedliche Haltung einnehmen. Während Frankreich wie Deutschland Vorreiter im Klimaschutz sein will, ist Bush gegen konkreten Grenzwerte für den Ausstoß von Treibhausgasen.

(apa/red)

8.11.2007 17:29