Israel fordert die Ablöse des IAEO-Chefs:
Haltung von El Baradei zum Iran sei zu milde
- "Politik, die El Baradei verfolgt, bringt Welt in Gefahr"
- Vorwand, um Kritik zu Syrien-Luftangriff zu kontern?
·Drohen dem Iran weitere Sanktionen?
Atomkonflikt: Plan für dritte UN-Resolution
·Rücktritt: Iranischer Atom-Unterhändler
PLUS: Ahmadinejad mit
"wilden Drohgebärden"
·'Wilde Drohgebärden'
von Ahmadinejad
Im Angriffsfall: Droht mit
massivem Gegenschlag
·Iran-Konflikt: Bush warnt vor 3. Weltkrieg
PLUS: US-Präsident legt sich mit Iran & China an

Erstmals seit dem Streit um das iranische Atomprogramm hat Israel die Ablösung des Chefs der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO), Mohamed ElBaradei, gefordert. Der mit dem Iran-Dossier betraute Vize-Ministerpräsident Shaul Mofaz warf ElBaradei in einem Interview mit dem israelischen Hörfunk vor, die Augen vor dem Atomprogramm Teherans zu verschließen. "Die Politik, die ElBaradei verfolgt, bringt die Welt in Gefahr", sagte Mofaz. Die in Wien ansässige UN-Organisation, die der Ägypter ElBaradei leitet, lehnte einen Kommentar ab.
Mofaz beschuldigte den IAEO-Chef, zum iranischen Atomprogramm eine "unverantwortliche Haltung" an den Tag zu legen, indem er den Kopf in den Sand stecke. Mofaz leitet den "strategischen Dialog" zwischen Israel und seinem Hauptverbündeten, den USA. Der iranische Präsident Mahmoud Ahmadinejad hatte bekannt gegeben, die Atomindustrie seines Landes verfüge über 3000 Zentrifugen. Diese Anzahl reicht bei optimaler Funktionsweise und dem entsprechenden Anreicherungsgrad von Uran theoretisch aus, um in weniger als einem Jahr eine Atombombe zu bauen.
Iran könne Atomprogramm jederzeit stoppen
In dem Interview mit dem öffentlich-rechtlichen Hörfunk sagte der frühere israelische Generalstabschef, der Iran sei noch nicht an dem Punkt angelangt, an dem keine Umkehr mehr möglich sei. Die für die Anreicherung von Uran erforderliche Infrastruktur sei noch nicht so weit fortgeschritten wie von Teheran behauptet. In dem Hörfunkbeitrag hieß es unter Berufung auf israelische Politiker, die von Mofaz geleitete Delegation habe den USA sehr genaue Informationen und Satellitenfotos übergeben.
ElBaradei hatte Ende Oktober im US-Nachrichtensender CNN gesagt, er verfüge über keine Informationen, dass der Iran Atomwaffen baue. Zugleich warnte er, die Drohungen der USA bedeuteten nur weiteres "Öl ins Feuer". Selbst wenn der Iran sich daranmache, Atomwaffen herzustellen, dann sei er "mindestens noch mehrere Jahre" davon entfernt, tatsächlich über solche Waffen zu verfügen. Der IAEA-Chef ging damit auf Äußerungen von US-Präsident George W. Bush ein, der im Zusammenhang mit dem Atomstreit von der Möglichkeit eines "Dritten Weltkriegs" gesprochen hatte. In einem Interview mit RTL/n-tv wenige Tage vor dem Besuch von Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel auf seiner Ranch im texanischen Crawford sprach Bush erneut von dieser Möglichkeit.
Der israelische Verteidigungsminister Ehud Barak sagte, im Streit mit Teheran blieben alle Optionen auf dem Tisch, auch die militärische. Baraks Büro erklärte, die US-Regierung leiste Israel eine Finanzhilfe in Höhe von 155 Millionen Dollar zur Entwicklung eines Raketenschilds, mit dessen Hilfe sich Raketenangriffe sowohl aus dem Iran als auch von militanten Palästinensern abwehren ließen.
USA fürchten Militärschlag vor Israel
Die Londoner Zeitung "The Times" berichtete in ihrer Internetausgabe, militärische Kreise in den USA befürchteten einen Militärschlag Israels gegen die Islamische Republik. Während das Pentagon derzeit eine Militäraktion gegen den Iran vermeiden wolle, sei "die Sache mit Israel anders", erklärten US-Beamte. (apa/red)
