Der Papst trifft den Saudi-König Abdullah:
Erstes Treffen mit einem Saudi-Monarchen
- Schritt zu Verständnis zwischen beiden Religionen
- Italiens Medien sprechen von historischem Treffen

Papst Benedikt XVI. hat König Abdullah von Saudi-Arabien im Vatikan empfangen. Italienische Zeitungen bezeichneten die Audienz als "historisch". Es handelt sich um die erste Begegnung eines saudischen Monarchen mit einem Oberhaupt der katholischen Kirche. Die Audienz könne ein weiterer Schritt zu einem tieferen "gegenseitigen Verständnis zwischen Christen und Muslimen sein".
Die religiöse Intoleranz in dem islamischen Königreich verhinderte bisher die Herstellung diplomatischer Beziehungen mit dem Heiligen Stuhl. In Saudi-Arabien ist der Islam in seiner wahhabitisch- puritanischen Auslegung Staatsreligion. Die wahhabitische Theologie geht davon aus, dass auf dem Boden des Königreichs - wegen der Präsenz der "heiligen Stätten Mekka und Medina" - keine andere Religion als der Islam ausgeübt werden darf.
Über die Einhaltung der Gesetze wacht die Religionspolizei, deren Spitzel im ganzen Land präsent sind. Den zehntausenden christlichen Gastarbeitern ist - auch innerhalb ihrer Wohnungen - jedwede religiöse Betätigung strengstens untersagt. Die Grenz- und Zollbehörden sind angewiesen, die Einfuhr von Bibeln, christlichen Gebetbüchern, Ikonen, Kreuzen, Rosenkränzen, Andachtsgegenständen aller Art zu unterbinden.
Eine Begegnung zwischen dem Papst und dem Großscheich der Kairoer Al-Azhar-Universität, Mohammed Sayed al-Tantawi, der höchsten theologischen Autorität im sunnitischen Islam, kam bisher nicht zustande. Der Großscheich hatte dem Kirchenoberhaupt unter anderem "Unkenntnis des Islam" vorgeworfen und Benedikt beschuldigt, dem "Dialog der Religionen und Zivilisationen keinen guten Dienst erwiesen" zu haben.
(apa/red)
