Slowenien: Bangen um den Präsidenten:
Drnovsek sagt Termine wegen Krankheit ab
- Sagte Termine wegen "schlechten Befindens" ab
- Slowenischer Präsident leidet an Krebserkrankung

Eine Woche vor der Wahl seines Nachfolgers bangt Slowenien um den scheidenden Staatspräsidenten Janez Drnovsek (57). Der krebskranke Politiker, der bereits im Spätsommer mehrere Wochen nicht in der Öffentlichkeit aufgetreten war, sagte zu Allerheiligen wegen "schlechten Befindens" eine Kranzniederlegung am Laibacher Friedhof Zale ab. Obwohl man im Laibacher Präsidentenamt versicherte, dass das Unwohlsein des Staatsoberhaupts nur "vorübergehender Natur" sei und Drnovsek am Dienstag die Amtsgeschäfte wieder aufnehmen wolle, spekulieren slowenische Medien über eine Verschlechterung seiner Krebserkrankung.
Zusätzliche Nahrung erhielten die Gerüchte durch den Auftritt Drnovseks bei der Eröffnung der Onkologischen Klinik in Laibach vorige Woche. Auf TV-Bildern war er abgemagert und mit fahlem Gesichtsausdruck zu sehen und hatte offenbar große Mühe beim Gehen. Zudem sorgte der Politiker in seiner Rede mit seinem Bekenntnis zur Schulmedizin für Aufsehen. Diese sei das einzige wirksame Mittel zur Behandlung von Krebs, ungeachtet dessen, was "Scharlatane" den Kranken versprächen, sagte Drnovsek, dem bisher eine Nähe zur Alternativmedizin nachgesagt wurde, zur Verblüffung seiner Landsleute. Einige Beobachter deuten seine überraschenden Aussagen als Eingeständnis, dass alternative Behandlungsmethoden auch in seinem Fall nichts gebracht haben.
Diagnose Nierenkrebs
Bei Drnovsek wurde im Jahr 1999 Nierenkrebs diagnostiziert. Wenig später entfernten ihm die Ärzte eine Niere. Als im Jänner 2005 dann Krebsmetastasen an Drnovseks Leber und Lunge festgestellt wurden, verzichtete der Präsident auf weitere ärztliche Untersuchungen und stellte seinen Lebensstil radikal um. In Zeitungsinterviews sagte er, dass er die Krankheit "auf eigene Art" bekämpfen wolle. Die Natur sei nämlich der beste Heiler.
Drnovsek wurde zum Vegetarier, tauschte seine Villa in einem Laibacher Nobelviertel gegen eine Hütte im Bergdorf Zaplana ein und ernährte sich nur noch von biologisch angebautem Obst und Gemüse. Sein Brot buk der "Guru aus Zaplana", wie er in Slowenien halb bewundernd und halb spöttisch genannt wurde, fortan selbst. In zwei Büchern, die auf Anhieb zu Bestsellern wurden, brachte Drnovsek seine von fernöstlichen Glaubenslehren inspirierten Gedanken über das Leben zu Papier und profilierte sich als scharfer Kritiker der politischen und wirtschaftlichen Fehlentwicklungen auf dem Planeten. Besondere Beachtung fanden seine Aussagen zum Klimawandel. Wenn nichts geschehe, dann werde die Welt bereits in zehn Jahren untergehen, warnte Drnovsek voriges Jahr bei einem Wien-Besuch.
Verzicht auf Wiederwahl
Auf eine Kandidatur bei der Präsidentenwahl am 21. Oktober verzichtete Drnovsek, obwohl ihm die Verfassung eine zweite fünfjährige Amtszeit ermöglicht hätte. Viele Beobachter brachten diese Entscheidung, die der langjährige Premier (1992-2002) mit Politikmüdigkeit begründete, mit seinem Gesundheitszustand in Verbindung. Am 11. November treten in der Stichwahl um das Präsidentenamt der konservative Europaabgeordnete Lojze Peterle (59) und der von der linksgerichteten Opposition unterstützte langjährige UNO-Spitzendiplomat Danilo Türk (55) an. Drnovseks Amtszeit endet am 23. Dezember.
(apa/red)
