Dienstag, 6. November 2007

Fremdenfeindlichkeit schadet Österreichs Wirtschaft: Fachkräfte wollen nicht kommen

  • Qualifizierte gehen lieber in USA oder nach Kanada
  • Wirtschaftskammer fordert jetzt mehr Freundlichkeit

Österreichs Wirtschaft wünscht sich mehr Facharbeiter und Schlüsselkräfte, sieht sich hierbei aber in Konkurrenz zu klassischen Einwanderungsländern wie die USA oder Kanada. Denn der Großteil der gut qualifizierten Emigranten geht in diese Länder. Als Grund für die geringe Anziehungskraft Österreichs ortet Wirtschaftskammer- Generalsekretär Reinhold Mitterlehner ein verbesserungsbedürftiges Fremdenrecht und die mangelnde Akzeptanz von Ausländern in Österreich. Dabei brauche die Wirtschaft bis 2009 rund 25.000 zusätzliche Facharbeiter und Schlüsselkräfte.

Geht es nach der Wirtschaftskammer (WKÖ), dann sollen die künftigen ausländischen Arbeitskräfte nach einem Punktesystem ins Land geholt werden. Allerdings mit einer Obergrenze. Diese Fachkräfte sollen auch dann im Land bleiben können, wenn es mit der Wirtschaft wieder bergab und mit den Arbeitslosenzahlen bergauf geht. Ein generelles Bleiberecht für bereits seit Jahren in Österreich befindliche Ausländer lehnt Mitterlehner hingegen ab. So verteidigte er bei einem Journalistengespräch auch die teilweise Abschiebung der Familie Zogaj in den Kosovo.

Den Vorwurf, dass es bei den Wünschen der Wirtschaft nur um das Hereinholen von billigen ausländischen Arbeitskräften gehe, wies Mitterlehner zurück. Schließlich gelte auch für Ausländer der Kollektivvertrag. Der WKÖ-Generalsekretär räumte aber ein, dass zumindest die Industrie ihre Hausaufgaben bei der Lehrlingsausbildung noch nicht ganz gemacht habe. Mitterlehner sprach sich aber gegen ein Bonus-Malus-System aus, bei dem nichtausbildende Betriebe Maluszahlungen leisten müssten. Erst kürzlich hatte die Industriellenvereinigung eine Umfrage präsentiert, wonach nur 42 Prozent der Industriebetriebe in den kommenden Jahren zusätzliche Lehrlinge aufnehmen wollen.

Laut Mitterlehner, der auch ÖVP-Wirtschaftssprecher ist, wurden in der Vergangenheit teilweise die falschen Leute ins Land gelassen. So hätten 77 Prozent der arbeitslosen Ausländer maximal einen Pflichtschulabschluss, während es bei den inländischen Arbeitslosen 40 Prozent seien. Um die schon hier lebenden und künftig einreisenden Ausländer besser zu qualifizieren und auf ihrem Weg zu begleiten plant die WKÖ ein Mentorenprogramm, an dem 50 bis 100 Mentoren teilnehmen sollen. Weiters soll die Sprachausbildung verbessert werden, hier läuft bereits ein Probebetrieb.

6.11.2007 12:57