Sonntag, 11. November 2007

Starke Schneefälle in ganz Österreich: Tourengeher wurde von Lawine verschüttet

  • Nobel-Skiorte Lech und Zürs sind wieder erreichbar
  • PLUS: Die Prognose & TIPPS für die kalte Jahreszeit Bilder: Schnee taucht Österreich in strahlendes Weiß

Heftige Schneefälle haben am Wochenende den größten Teil Österreichs in weiß getaucht. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) fielen innerhalb von zwei Tagen bis zu eineinhalb Meter Neuschnee. Ein Tourengeher wurde in Gargellen (Montafon) von einer Lawine verschüttet. Sogar Wien und das Burgenland bekamen ein paar Zentimeter der weißen Pracht ab. Zumindest zwei Menschen starben bei wetterbedingten Unfällen in der Steiermark und in Salzburg. Für die kommenden Tage konnte die ZAMG keine Entwarnung geben: Es soll weiter schneien, aber nicht mehr so heftig.

Ein Tourengeher ist in Gargellen (Montafon) von einer Lawine verschüttet worden. Er konnte sich mit Hilfe eines Kameraden aus den Schneemassen befreien. Er zog sich dabei eine leichte Unterkühlung zu, blieb ansonsten aber unverletzt, informierte die Rettungs- und Feuerwehrleitstelle (RFL).

Die beiden Männer hatten das Schneebrett in dem höchst lawinengefährdeten Gebiet am Schafberg laut RFL bei einer Hangquerung ausgelöst. Weil der Rettungshubschrauber zuvor seinen Einsatz wegen der schlechten Wetterbedingungen abbrechen musste, stiegen die Tourengeher selbst zur Schafbergbahn ab. Von dort aus wurden sie von der Bergrettung ins Tal gebracht.

Lech und Zürs wieder erreichbar
Die Sperre des Flexenpasses ist laut Angaben der Landeswarnzentrale aufgehoben worden. Die Wintersportorte Lech und Zürs sind damit wieder über dem Straßenweg erreichbar. Laut Angaben des Lecher Bürgermeisters Ludwig Muxel wurden über automatische Lawinensprenganlagen zehn Schuss abgegeben, damit sei die Lawinengefahr vorerst gebannt.

Milderung in Tirol
In Tirol milderte sich der Wintereinbruch etwas ab. Die Schneefallgrenze lag bei 1.200 Metern. Im Hochgebirge erwarteten die Meteorologen bis Montag früh bis zu weitere 40 Zentimeter Neuschnee. Dort herrschte starker Nordwestwind, es kam zu Schneeverwehungen und damit verbunden großer Lawinengefahr. Höher gelegene Verkehrswege waren zum Teil weiter gesperrt. Auf exponierten Straßen bestand Kettenpflicht. Für Verkehrsbehinderungen sorgten vor allem jene Auto- und Lkw-Fahrer, die trotz der Wetterwarnungen mit Sommerreifen unterwegs waren, wie etwa auf der Brennerautobahn (A13).

70 Zentimeter Neuschnee in Salzburg
Bis zu 70 Zentimeter Neuschnee gab es in Salzburg, bis Montag sollten weitere 20 bis 40 Zentimeter dazu kommen. Staublawinen mit größeren Reichweiten, Schneebretter aus mittleren Höhen und Rutsche aus steileren Wiesen waren dadurch zu erwarten, so der Lawinenwarndienst des Landes am Sonntag. Die Mandlwandstraße (L246) bei Mühlbach, die Hochkönig Straße (B164) sowie die Gerlosstraße waren wegen Lawinengefahr total gesperrt.

Todesfall in Eben
Ein türkischer Lkw landete auf der A10 im Straßengraben, er hatte nur Sommerreifen aufgezogen. In Eben wurde eine Frau von einem Auto überrollt und getötet. Der Lenker hatte sie beim Zurücksetzen im dichten Schneefall übersehen.

Lawinenwarnstufe 4 in Oberösterreich
Lawinenwarnstufe 4 herrschte in Oberösterreich. Das ging aus dem aktuellen Lawinenlagebericht des Landes hervor. Von Skitouren wurde ausdrücklich abgeraten. Weitere starke Schneefälle mit umfangreichen Triebschneeablagerungen seien zu erwarten, hieß es.

100 Zentimeter Neuschnee im Burgenland
In den vergangenen 24 Stunden gab es im Bergland teilweise bis zu 100 Zentimeter Neuschnee, der durch anhaltenden stürmischen Wind um Nordwest stark verfrachtet und umgelagert wurde. Am Sonntag schneite es im Bergland weiter teilweise intensiv. Im Straßenverkehr schien die Witterung aber nur wenige Probleme zu verursachen. Auf höher gelegenen Straßen gelte weiterhin Kettenpflicht, der Pyhrnpass musste gesperrt werden.

Todesfall in der Steiermark
Hingegen ereigneten sich in der Steiermark einige Unfälle, der schwerste bei St. Peter ob Judenburg. Bei der Kollision waren drei Fahrzeuge beteiligt, eine Person starb. Im Bezirk Liezen gab es in der Nacht laufend kleinere Sachschaden-Unfälle, weiters forderte ein Autounfall bei Gröbming zwei Verletzte. Im Bezirk Mürzzuschlag waren einige Bäume im Bereich der Semmering Schnellstraße (S6) umgestürzt. Auf zahlreichen Straßen herrschte Kettenpflicht.

Durch die fortwährenden Schneefälle waren entlang der Nordalpen bis zu 120 Zentimeter Neuschnee dazugekommen, so Alexander Podesser von der ZAMG zur APA. Am Sonntag dürften es noch einmal 40 bis 50 Zentimeter werden. Es herrschte weiterhin Lawinenwarnstufe Vier - "Große Gefahr". Für den Nachmittag wurden kurzfristig Windspitzen bis zu 120 km/h in der Grenzregion zu Nieder- und Oberösterreich erwartet.

Schneefäller erreichen Niederösterreichs Niederungen
In Niederösterreich erreichten die Schneefälle auch die Niederungen. Der ÖAMTC meldete von der A1 (Westautobahn) eine festgefahrene Schneedecke zwischen Loosdorf und Melk, ebenso auf der A2 (Südautobahn) zwischen dem Knoten Seebenstein und Zöbern. Viel Schnee gab es auch auf der Wiener Außenringautobahn A21, zwischen Heiligenkreuz und Alland war nur ein Fahrstreifen frei.

Kärnten blieb verschont
Lediglich Kärnten blieb großteils von der weißen Pracht verschont. Schnee fiel nur in den nördlicheren Landesteilen. "Ich suche meine Sonnenbrillen", meinte ein Wörthersee-Anrainer scherzhaft zur APA.

(apa/red)

11.11.2007 19:48