Donnerstag, 8. November 2007

"Vielleicht werde ich Journalistin": Natascha
Kampusch verfasst für Magazin ersten Text

  • NEWS: Auszüge ihres ersten journalistischen Beitrags
  • "Lernte, zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören"

Journalistin würde sie vielleicht gerne einmal werden, sagte Natascha Kampusch vor mehr als einem Jahr in einem Interview. "Ein Satz, an den ich mich erinnert habe", erklärt Freddie Kräftner, Autor des Branchenblatts "Der österreichische Journalist". Das Magazin feiert mit der kommende Woche erscheinenden Ausgabe sein zwanzigjähriges Jubiläum, und was lag da näher, als Kampusch um eine Gastautorenschaft zu bitten.

Lesen Sie einen Ausschnitt aus Nataschas ersten journalistischen Beitrag:

"Während der Zeit meiner Gefangenschaft empfand ich die Medien als sehr probates Mittel, mich über die Außenwelt zu informieren. Mir war dabei jedes Medium recht, und bald lernte ich, zwischen den Zeilen zu lesen und zu hören, um an die für mich relevanten Informationen zu gelangen. Mithilfe der Medien konnte ich auch bis zu einem gewissen Grad am Schicksal vieler Menschen teilhaben, die ich nicht persönlich kannte. Wie jetzt umgekehrt der Fall zu beobachten ist, dass wildfremde Menschen vermeintlich an meinem Leben teilzuhaben scheinen. Wobei mir stets klar war, dass man über gewisse Themen zu einseitig und oft auch zu naiv berichtete. Hinzugefügt sollte aber noch werden, dass mir der Zugang zu Medien oft erschwert wurde und vieles erst mit einer gewissen zeitlichen Verzögerung bei mir einlangte.

Andere Sichtweisen
Heute, über ein Jahr nachdem ich mich selbst befreit habe, sehe ich die Sache natürlich in einem anderen Licht. Qualität und Wahrheitsgehalt sind offensichtlich nicht die Leitmaximen eines jeden Journalisten respektive Mediums. Es mag schon sein, dass Teile der journalistischen Klientel lieber Vorurteile bestätigt sehen wollen oder fiktive Geschichten im Chronikteil finden möchten - mit dem Anspruch einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung hat das nichts mehr zu tun.

"Vermisse Worm"
Andererseits will ich hier auch kein zu pessimistisches Bild zeichnen. So hatte ich im letzten Jahr doch auch das Glück, ausgezeichnete Vertreter der Branche kennen zu lernen. Ich möchte hier stellvertretend für eine Reihe außergewöhnlicher Journalisten den kürzlich verstorbenen und von mir sehr geschätzten und vermissten Alfred Worm nennen. Auch meine Allgemeinbildung und meinen Wortschatz verdanke ich zu keinem geringen Teil den vielen Stunden, die ich Radio hörend verbrachte. "

Lesen Sie die ganze Story über "Natascha Kampusch als Gastautorin" im NEWS Nr. 45!

8.11.2007 18:31