Tödlicher Fall von Kindesmisshandlung: Arzt warnte Behörden schon Monate vor Tod
- Jugendamt wusste von dem Misshandlungsverdacht
- Leiblicher Vater von Luca kritisiert die Behörden
Ein Mödlinger Kinderarzt hat die Behörden im Fall Luca bereits im Juli darüber informiert, dass der Bub misshandelt wird. Nachdem der Bub im Spital stationär behandelt worden war, sprach sich Erwin Hauser, Vorstand der Kinderabteilung, bei der Bezirkshauptmannschaft in Mödling für ein Ausfolgeverbot aus.
"Der Mediziner hat sich ein Ausfolgeverbot gewünscht, weil er Angst hatte, dass die Mutter den kleinen Luca der medizinischen Behandlung entziehen könnte", sagte der Mödlinger Bezirkshauptmann gegenüber dem "Kurier".
Die Mutter des Buben hätte vorgeschlagen, gemeinsam mit ihrem Kind in die Uni-Klinik nach Innsbruck zu fahren. "Deshalb hat sich unsere Behörde dazu entschlossen, das Ausfolgeverbot nicht zu genehmigen", erklärte der Behördenchef Hannes Nistl. Über den Verdacht der Kindesmisshandlung sei das Jugendamt der Bezirkshauptmannschaft Mödling sowohl schriftlich als auch mündlich informiert worden.
Zwei weitere Vorfälle
Zwei Vorfälle bei dem kleinen Luca sind in Tirol "medizinisch genau geprüft" worden. Darauf wies die Abteilung Jugendwohlfahrt des Landes Tirol hin. Es wurde bekräftigt, dass bei den Untersuchungen ein Misshandlungsverdacht nicht erhärtet werden konnte.
Das erste Geschehnis, mit dem die Jugendwohlfahrt konfrontiert gewesen sei, habe sich Anfang Juli zugetragen. Damals wurde der Bub mit Verletzungen im Kopf- und Gesäßbereich ins Krankenhaus Mödling eingeliefert und anschließend in die Innsbrucker Klinik überstellt. Der zweite Vorfall ereignete sich Anfang Oktober. Es handelte sich um einen Armbruch, der von der Gerichtsmedizin nicht auf eine Misshandlung zurückgeführt wurde.
"Unbedenklicher Gesundheitszustand"?
Die strengen Maßnahmen der Jugendwohlfahrt seien aufrecht geblieben, wobei der Bub auch regelmäßig vom Kinderfacharzt und Ärzten der Innsbrucker Universitätsklinik untersucht worden sei, betonte die Leiterin der Abteilung Jugendwohlfahrt, Silvia Rass-Schell: "Dabei konnte ein unbedenklicher Gesundheitszustand festgestellt werden."
Leiblicher Vater kritisierte Behörden
Das 17 Monate alte Kind war im Wiener SMZ-Ost Spital den Folgen eines Gehirnödems erlegen. Eine Obduktion ergab Fremdverschulden. Als Hauptverdächtiger gilt ein 23-Jähriger aus dem Bezirk Wien-Umgebung. Er ist der Freund der aus dem Tiroler Bezirk Schwaz stammenden 22 Jahre alten Kindesmutter, gegen die auch ermittelt wird. Der leibliche Vater hatte nach dem Tod Kritik an den Behörden geübt. Die Jugendwohlfahrten in Tirol und Niederösterreich wiesen die Anschuldigungen zurück. (apa/red)
