Montag, 5. November 2007

Maßnahmen gegen Blauzungenkrankheit:
Vorarlberg liegt in der Überwachungszone

  • Derzeit nur eingeschränkter Handel mit Vieh möglich
  • 50 Prozent der Vorarlberger Rinder werden exportiert

Die in Deutschland ausgebrochene Tiererkrankung "Blauzungenkrankheit" droht auch, sich auf Österreich auszubreiten. Vorarlberg befindet sich mittlerweile komplett innerhalb der Überwachungszone für die in Deutschland ausgebrochene Blauzungenkrankheit. Auch Reutte in Tirol liegt innerhalb des Beobachtungsgebiets, informierte Vorarlbergs Landesveterinär Erik Schmid auf APA-Anfrage. Laut Schmid sind die Tests der in Vorarlberg gefangenen Überträger-Mücken weiter virusnegativ. Als großes Problem für die Vorarlberger Landwirte erweisen sich inzwischen aber die Einschränkungen beim Viehexport.

Der derzeitige Kälteeinbruch helfe zwar, die Verbreitung des für Rinder, Schafe und Ziegen gefährlichen Bluetongue-Virus (BT-Virus) einzudämmen, gestoppt werden könne diese aber nur durch einen langen, strengen Winter, war Schmid überzeugt. Insgesamt sei die Blauzungenkrankheit aus Vorarlberger Sicht "weniger ein Tiergesundheitsproblem als ein Handelsproblem", erklärte der Landesveterinär.

Denn während der Viehverkehr innerhalb der Überwachungszone keinen besonderen Auflagen unterliegt, dürfen Tiere aus dem Beobachtungsgebiet nur nach einer 14-tägigen Stall-Quarantäne und einem negativen BT-Virus-Test aus der Zone heraustransportiert werden. Für den Viehtransport in andere EU-Mitgliedstaaten gibt es erst ab 15. November die selben Bestimmungen wie derzeit innerhalb Österreichs. Italien etwa, als wichtiges Exportland für Vorarlberger Zuchtvieh, lässt den Import von Tieren aus Überwachungsgebieten nicht zu.

Für Landwirtschaftskammer "gravierend"
Der Vorarlberger Landwirtschaftskammerpräsident Josef Moosbrugger bezeichnete die Situation für die Landwirte als "gravierend". Der Herbst sei die Hauptabsatzzeit im Viehhandel, 50 Prozent des Vorarlberger Jungviehs gehe in den Export. Insgesamt werden aus Vorarlberg jährlich rund 1.800 Rinder exportiert. Die Viehbauern im Ländle seien daher "sehr exportabhängig". Europaweit ist Zuchtvieh laut Angaben Moosbruggers sehr gefragt, die Preisentwicklung sei an sich sehr gut. Nun habe es "von heute auf morgen" einen Einbruch gegeben.

Überwiegender Abnehmer der Vorarlberger Rinder sei Italien, erklärte Moosbrugger. "Wir hoffen auf eine Lockerung mit der neuen EU-Verordnung, die am 15. November in Kraft tritt", so der Vorarlberger Landwirtschaftskammerpräsident. Man müsse zusehen, dass Italien dann nicht zusätzliche Importhandelshemmnisse einführe und so eigene Spielregeln schaffe. Der wirtschaftliche Schaden für die Ländle-Bauern durch die Erschwernisse im Außenhandel lassen sich laut Moosbrugger noch nicht beziffern. Man müsse erst die Entwicklung nach dem 15. November beobachten, möglicherweise lasse sich "das Gröbste verhindern".
(apa/red)

5.11.2007 12:28