Stehen wir kurz vor dem Internet-Kollaps?
Ernsthafte Sorgen des Internet-Begründers
- Inhalte und Services im Internet wachsen unbegrenzt
- Auf Dauer sind die Netzwerkkosten nicht leistbar

·Kulturelle Bedeutung von P2P-Tauschbörsen
Filesharing als Teil der gesellschaftlichen Realität
·Platzt bald nächste Internet-Seifenblase?
Neue Web-Unternehmen laut Experte überbewertet
Das Internet hängt am seidenen Faden, sagt Web-Pionier Roberts, und warnt vor einem Komplettabsturz. Der Internet-Traffic bewegt sich in bald nicht mehr finanzierbaren Dimensionen, eine Entlastung der Technik ist notwendig. Eine ernsthafte Bedrohung sieht Informatik-Dekan Maurer auch in den zunehmenden Cyber-Attacken.
Lawrence G. Roberts, Mibegründer des Internet-Vorläufers "Arpanet", hat in einem auf der Web-2.0-Seite Internet Evolution veröffentlichten Beitrag den Zusammenbruch des Internets vorausgesagt. Unter dem Titel "Routing Economics Threaten the Internet" fasst der Webexperte eine Reihe von Entwicklungen zusammen, die den weiteren Bestand des Internets bedrohen.
Größtes Problem seien dabei vor allem die steigenden Kosten für die ständig wachsende Menge an Inhalten und Services, die über die Infrastruktur zur Verfügung gestellt werden. "Ich sehe die Gefahr eines Internetkollapses auch. Allerdings orte ich die unmittelbare Bedrohung nicht in den technischen Schwächen der Infrastruktur, sondern vielmehr in gezielten Cyber-Attacken", erläutert Hermann Maurer, Dekan der Fakultät für Informatik der Universität Graz.
Veraltete Technik, schlechte Programmierung
Roberts, der als einer der Pioniere der Netzwerktechnik gilt, hat die Entwicklung des Internet seit seinen Anfängen genau verfolgt. Er war der Leiter des Entwicklerteams des "Arpanet", dem weltweit ersten Computer-Paket-Neetzwerk, aus dem sich das heutige Internet herausentwickelt hat. Seine Beobachtungen geben dabei durchaus Anlass zur Sorge.
Laut der Meinung des Experten sind einerseits die veraltete Technik und andererseits die in immer größeren Mengen auftretende schlechte Programmierung dafür verantwortlich, dass sich das Internet von einem Komplettabsturz bedroht sieht. Zudem würde die heutige Menge an Internet-Traffic bald nicht mehr finanzierbar sein. "Es ist jetzt 40 Jahre her und nichts hat sich verändert", so Roberts. "Der Internet-Traffic nimmt weit stärker zu als die Netzwerkkosten fallen können.", erklärt er weiter. Diese würden sich alle drei Jahre verdoppeln, was sich auf Dauer niemand leisten könne.
P2P-Netze sind Bandbreiten-Platzhirsche
Eine mögliche Rettung sieht Roberts in dem Bestreben, das Internet und die damit verbundene Technik zu entlasten. So solle die Industrie als Hauptverursacher von Internet-Traffic von der Paketvermittlung Abstand nehmen und stattdessen priorisierte Datenströme senden. Zudem kritisiert der Netzwerkpionier die enorme Beanspruchung des Internets durch Peer-to-Peer-Netze. Diese würden bereits 80 Prozent der Bandbreite beanspruchen. Auch bei der bisher sehr soliden Protokolltechnik TCP/IP müsse sich etwas ändern. Laut Roberts sei diese schon mehr als ausgereizt und bedürfe einer Renovierung.
Totalkollaps im Jahr 2080?
Maurer allerdings, der als einer der Internetpioniere in Österreich gilt, hat 2004 ein Buch veröffentlicht, das sich mit eben diesem Thema auseinandersetzt. In dem Science-Fiction-Werk beschreibt er, wie durch den Zusammenbruch des Internets im Jahr 2080 totales Chaos ausbricht, das zum Tod von Millionen Menschen führt. (pte/red)
