Montag, 5. November 2007

Ruth Elsner im BAWAG-Zeugenstand: Nach Verlusten war ihr Mann "vollkommen fertig"

  • Wusste, "dass was ganz Schreckliches passiert ist"
  • ÖGB-Garantie für BAWAG laut Ex-Buchhalter gültig

Die Zeugenbefragung von Ruth Elsner, der Ehefrau des angeklagten Ex-BAWAG-Chefs Helmut Elsner, hat im BAWAG-Prozess einige Einblicke ins private Umfeld des Angeklagten geliefert. Ruth Elsner (50), seit 1988 zweite Ehefrau des ehemaligen Bankdirektors, schilderte im Zeugenstand, wie entsetzt ihr Mann über die Verluste der Bank durch die Spekulationsgeschäfte Wolfgang Flöttls gewesen sei. Bei den zahlreich erschienenen Zuschauern im Großen Schwurgerichtssaal im Wiener Landesgericht stießen diese Darstellungen auf großes Interesse.

"Du kannst es dir nicht vorstellen, das ganze Geld ist weg", habe ihr Mann ihr im Oktober 1998 gesagt, als er durch ein Telefonat mit Flöttl vom ersten großen Totalverlust mit den BAWAG-Geldern erfahren habe. "Mein Mann war vollkommen fertig", schilderte Ruth Elsner. Sie habe aus der "Blässe" und Körpersprache gewusst, dass etwas ganz Schreckliches passiert ist. Ihr Gatte sei dann so rasch wie möglich zu Flöttl nach New York geflogen. Von der zweiten großen Verlustwelle erfuhr Ruth Elsner bei einem gemeinsamen Aufenthalt im Dezember 2000 mit ihrem Mann und Wolfgang Flöttl in London. Flöttl habe sehr wortkarg gewirkt und nach einem Theaterbesuch ihrem Mann von den neuen großen Verlusten erzählt. Helmut Elsner sei "bleich wie die Wand" gewesen.

"Hätte vieles anders gemacht"
"Wenn ich gewusst hätte, dass sieben Jahre später der Supergau stattfindet, hätte ich vieles anders gemacht", meinte Ruth Elsner schließlich. So hätte sie ihrem Mann vor allem geraten, nicht BAWAG-Generaldirektor zu werden. Auf Befragung durch Elsners Anwalt Wolfgang Schubert schilderte sie einen Zusammenbruch Helmut Elsners im Sommer 2006 in ihrem Haus in Südfrankreich, danach war Elsner nicht mehr zu Einvernahmen nach Österreich geflogen. Der Anwalt von Flöttl, Herbert Eichenseder, wollte Details über einen Flug der Familie Elsner zu einem Urlaub mit Flöttl in die Karibik wissen. Ruth Elsner beteuerte, im Jahr 2000 sei zwar ihr Hund mit auf die Bahamas mitgeflogen, eine Zwischenlandung habe es damals aber nicht gegeben. Flöttl hatte von einer teuren Zwischenlandung für Elsners Hund gesprochen.

Beleuchtet wurden auch die freundschaftlichen Verhältnisse zwischen dem Ehepaar Elsner und den Ehepaaren Verzetnitsch, Tumpel und Weninger. Der mitangeklagte frühere Aufsichtsratspräsident der BAWAG, Günter Weninger, war mit seiner Ehefrau im August 2003 eine Woche mit dem Ehepaar Elsner in Tirol - auf getrennte Rechnung, wie Weninger betonte. Im Mai 2004 lud das Ehepaar Elsner das Ehepaar Weninger für eine Woche in ihr Haus in Südfrankreich ein.

Bitte um Freilassung
Staatsanwalt Georg Krakow fragte Ruth Elsner nach dem Kuvert, das Ex-ÖVP-Chef und Unternehmer Josef Taus bei seinem Besuch bei Elsner in Südfrankreich im Herbst 2006 dabeihatte. Darin seien lediglich eine Landkarte und Flugtickets gewesen, so Ruth Elsner. Zum Abschluss ihrer Zeugenaussage bat Ruth Elsner Richterin Claudia Bandion-Ortner um die Freilassung ihres Mannes aus der U-Haft. Elsner sitzt seit seiner Auslieferung aus Frankreich nach Österreich im Februar 2007 in Untersuchungshaft.

BIF-Geschäftsführer Taucher als Zeuge
Den Weg der BAWAG-Millionen für Flöttls Sondergeschäfte über die irische BAWAG-Tochter, die BAWAG International Finance (BIF) mit Sitz in Dublin, schilderte der Geschäftsführer der BIF, Herbert Taucher. Für ihn ging es dabei lediglich um die Weiterleitung der Gelder von Wien über Irland in die Karibik. Von den Verlusten Flöttls hatte er nach eigener Aussage nichts gewusst. Die Bonitätsprüfung für die Flöttl-Firmen sei so wie die Kreditanweisung in Wien gemacht worden, die irische BAWAG-Tochter habe die Gelder nur überwiesen. Flöttl selber habe er nie getroffen.

E-Buchhalter im Zeugenstand
Zur ÖGB-Garantie für die BAWAG nahm dann der dritte und letzte Zeuge des heutigen Tages, der frühere Chef-Buchhalter des ÖGB, Josef Burianek, Stellung. Die im Jahr 2001 abgegebene Garantieerklärung der ÖGB Vermögensverwaltungs GmbH für die unter Milliarden-Verlusten leidende BAWAG sei rechtlich gültig gewesen, auch wenn sie nur von ihrem damaligen Geschäftsführer Günter Weninger unterschrieben worden sei, sagte Burianek. Er selber habe von der Garantie erst im Februar 2006 erfahren. Ohne die ÖGB-Garantie hätten drei von fünf Vorständen die BAWAG-Bilanz 2000 nicht unterschrieben, die Bank hätte also nicht bilanzieren können.

(apa/red)

5.11.2007 15:29