Freitag, 2. November 2007

Arbeitslosigkeit sinkt: 4,6 Prozent weniger Österreicher stehen derzeit ohne Job da

  • Quote ist im Oktober zum 20. Mal in Folge gesunken
  • 204.840 Menschen sind als arbeitssuchend registriert

Die Arbeitslosigkeit in Österreich ist im Oktober zum zwanzigsten Mal in Folge zurückgegangen. Mit 204.840 Jobsuchenden waren im Oktober um 4,6 Prozent oder um 18.568 Personen weniger arbeitslos als vor einem Jahr. Die EU-Quote sank im Jahresvergleich um 0,3 Prozentpunkte auf 4,2 Prozent und erreichte damit den niedrigsten Wert seit 2000. "Ein kleines und erfreuliches Jubiläum. Wir kommen der Vollbeschäftigung immer näher", so Wirtschafts- und Arbeitsminister Martin Bartenstein. In fünf von neun Bundesländern sei die Vollbeschäftigung - eine Quote unter 4 Prozent - bereits Realität.

Deutlich zurückgegangen sind auch die Schulungen, und zwar um 14 Prozent auf 54.153 Personen. Inklusive Schulungsteilnehmer waren im Oktober in Österreich demnach 258.993 Personen ohne Job, um 18.567 weniger als vor einem Jahr. Die Beschäftigung erhöhte sich nach vorläufigen Schätzungen um 1,8 Prozent auf 3,380 Mio. unselbstständig Beschäftigte. Vom Rückgang der Arbeitslosigkeit haben alle Bundesländer, alle Branchen und alle Altersgruppen profitiert. Mit einer Beschäftigungsquote von 70,2 Prozent gehört Österreich zu den beschäftigungsintensivsten Ländern Europas, so Bartenstein.

Lehrlingslücke halbiert
Besonders erfreulich sei, so Bartenstein, die deutlich geschrumpfte Lehrlingslücke. Diese habe sich seit 2005 halbiert. So betrug die Differenz zwischen Lehrstellensuchenden und offenen Stellen im Oktober 1.882 Stellen gegenüber noch 2.457 im Vorjahr und 2.693 im Oktober 2005. Verantwortlich für diese Entwicklung sei unter anderem der Blum-Bonus und alle übrigen Maßnahmen. Derzeit werde intensiv mit den Sozialpartnern über die Umsetzung des Sozialpartnerpapiers verhandelt.

Zum Thema Facharbeiter will Bartenstein den Arbeitsmarkt 2009 für Facharbeiter und Akademiker öffnen und nicht nur ausgewählte Gruppen zulassen. Für 2008 hat die Regierung, wie berichtet, den Arbeitsmarkt für 50 Gruppen von qualifizierten Facharbeitern geöffnet. Im Rahmen des Facharbeiter-Pilotprojekts für Fräser, Dreher und Schweißer, bei dem 800 Arbeitskräfte aus den neuen EU-Ländern in Österreich arbeiten dürfen, seien rund 600 Facharbeiter ins Land gekommen.

Integration ausländischer Arbeiter verbessern
Um die Integration ausländischer Arbeitskräfte zu verbessern, kündigte Bartenstein verstärkte Sprachkurse für Ausländer an. Das Arbeitsmarktservice (AMS) werde ab dem kommenden Jahr 5.000 Deutschkurse für 8 bis 12 Wochen anbieten. Vorgesehen sind die Kurse für Saisonarbeiter und Personen, die mindestens zwei Monate arbeitslos sind.

Ein Teil des Flexicurity-Pakets, das vor Kurzem im Ministerrat beschlossen wurde, betreffe die "Modernisierung" der Zumutbarkeitsbestimmungen, betonte Bartenstein heute. Dazu gehöre die präzise Definition der Mindestverfügbarkeit von Arbeitskräfte, und zwar mindestens 20 Wochenstunden bzw. 16 Stunden, wenn keine Betreuungsmöglichkeiten für Kinder bis zum zehnten Lebensjahr oder bei behinderten Kindern gegeben sind. Festgelegt wurden auch die zumutbaren Wegzeiten mit zwei Stunden täglich für Hin- und Rückweg bei Vollbeschäftigung und eineinhalb Stunden bei Teilzeitjobs.

Schärferes Vorgehen gegen Pfuscher
Weiters müssen von Arbeitslosen auch Stellen angenommen werden, die von AMS-Partnern vermittelt werden, sowie Arbeitsverhältnisse, die im Rahmen eines Sozialökonomischen Betriebes oder eines Gemeinnützigen Beschäftigungsprojektes angeboten werden. Die Sanktionen gegen pfuschende Arbeitskräfte werden verschärft. Die Rückforderungsdauer des Arbeitslosengeldes wird von derzeit zwei auf vier Wochen verdoppelt.

Eine rasche Umsetzung des Sozialpartnerpaketes forderten Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel und vida-Vorsitzender und ÖGB-Arbeitsmarktsprecher Rudolf Kaske. Die aktuelle Arbeitsmarktentwicklung sei zwar positiv, so Tumpel, sie müsste aber nachhaltig abgesichert werden. Er fordert mehr Mittel für mehr Fachkräfteausbildung durch das AMS. Ausländische Fachkräfte zuzulassen, bevor alle notwendigen Anstrengungen unternommen werden, den Fachkräftebedarf aus der Jugend und den inländischen Arbeitslosen zu suchen, sei nicht der Ansatz der Sozialpartner.

(apa/red)

2.11.2007 13:56