Arbeitslosenquote in Deutschland gesenkt:
Mit 3,434 Mio. niedrigster Stand seit 1994
- Vor einem Jahr waren noch 650.000 mehr arbeitslos
- Aber weiterhin große Kluft zwischen Ost und West

Die Zahl der Arbeitslosen in Deutschland ist auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren gesunken. Wie die Bundesagentur für Arbeit (BA) mitteilte, waren im Oktober 3,434 Millionen Menschen ohne Job und damit um 110.000 weniger als im Vormonat. Das ist der niedrigste Oktoberstand seit 1992 und der niedrigste Stand überhaupt seit November 1994. Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Rückgang 650.000. Die Arbeitslosenquote verringerte sich um 0,2 Punkte auf 8,2 Prozent. "Die gute Konjunktur verstärkt die übliche Herbstbelebung" sagte BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt.
Gleichzeitig stieg die sozialversicherungspflichtige Beschäftigung nach Hochrechnungen der BA im August im Vorjahresvergleich um 589.000 bei 27,17 Millionen. Etwa die Hälfte der neuen Jobs entfalle auf Vollzeitstellen. Außer im Kredit- und Versicherungsgewerbe sowie in der öffentlichen Verwaltung seien überall neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Die Erwerbstätigkeit stieg jüngsten Daten des Statistischen Bundesamts vom September zufolge erstmals überhaupt auf über 40 Millionen, und zwar im Vergleich zum Vormonat um 323.000 auf 40,18 Millionen.
Rückgang der Jugendarbeitslosigkeit
Von der Erholung am Arbeitsmarkt profitierten die Bezieher von Arbeitslosengeld I und II gleichermaßen: Die Zahl der Alg-I-Empfänger sank im Jahresvergleich um 382.000, die der Alg-II-Empfänger um 268.000. Als "außerordentlich erfreulich" bezeichnete Alt den Rückgang der Arbeitslosigkeit bei den unter 25-Jährigen um 95.000 auf 367.000.
Auch bei den älteren Arbeitssuchenden halte der positive Beschäftigungstrend an. Im Vergleich zum Vorjahr seien 173.000 der über 55-Jährigen weniger arbeitslos gemeldet. Laut Alt gibt es dafür drei Gründe: "Der Jugendwahn lässt ein wenig nach. Außerdem suchen Betriebe händeringend nach Fachkräften und entlassen gleichzeitig weniger ältere Mitarbeiter."
Kluft zwischen Ost und West
Unverändert tief ist die Kluft zwischen den Arbeitsmärkten in Ost und West. Mit einer Arbeitslosenquote von 13,6 Prozent waren in den ostdeutschen Ländern bezogen auf die Erwerbspersonen doppelt so viele Menschen ohne Arbeit wie im Westen. Dort lag die Quote bei 6,8 Prozent.
Insgesamt gab es in Ostdeutschland im Oktober 1,169 Millionen Erwerbslose. Das waren 40 000 weniger als im September und 177 000 weniger als vor zwölf Monaten. In Westdeutschland waren 2 265 000 Männer und Frauen ohne Beschäftigung. Das waren 70 000 weniger als im Vormonat und 473 000 weniger als vor einem Jahr.
Für das laufende Jahr geht die BA weiterhin von durchschnittlich 3,8 Millionen Arbeitslosen aus. Für 2008 wird ein weiterer Rückgang um 300.000 bis 400.000 erwartet. "Wir glauben, dass sich der positive Trend fortsetzt", betonte Alt.
Beim Finanzergebnis geht die BA weiter von einem Überschuss für 2007 von 6,0 bis 6,5 Mrd. Euro aus. Bis Ende Oktober belief er sich auf 4,4 Mrd. Euro.
Merkel lobt Reformpolitik
Die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht in der jüngsten Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt einen Ansporn zur Fortsetzung der Reformpolitik. Der deutsche Arbeitsminister Franz Müntefering sieht in der positiven Entwicklung am Arbeitsmarkt ein ermutigendes Zeichen. Die Zahlen zeigten, dass sich der Arbeitsmarkt "auch strukturell" verändere, sagte der Minister in Berlin.
Unterhalb der Regierungsebene zeigte sich allerdings Zwistpotenzial in der großen Koalition. CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla hielt der SPD vor, an der Vorgabe des ehemaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder, die Zahl der Arbeitslosen unter 3,5 Millionen zu senken, gescheitert zu sein. Diese Marke sei jetzt aber mit 3,434 Millionen Arbeitslosen unterschritten.
Die FDP wiederum hat die Bundesregierung davor gewarnt, die erfreuliche Entwicklung am Arbeitsmarkt "durch eine jobfeindliche Politik" zu gefährden. Die "Linke" sieht im Rückgang der Arbeitslosigkeit vor allem ein Ergebnis der guten Konjunktur.
(Schluss) stf
(apa/red)

