Lokführer warten Gerichtsentscheid ab:
Gewerkschaft droht mit Güterverkehrsstreik
- GDL wirft Bahn Volksverblödung und Psychoterror vor
- Gewerkschaft plant Güterzügestopp am Wochenende

·D: GDL beendet 30- Stunden-Rekordstreik
Lokführer im Streik: Über 11.000 Züge ausgefallen
·DB: Lokführerstreik bleibt nicht ungestraft
Mehrere Strafanzeigen
gegen Bahnchef Mehdorn
·DB: Streik wird von Deutschen befürwortet
Unterstützung trotz Ver- spätung & Zugausfällen
·Chronologie des Lokführer-Streiks
Deutsche Bahn: Konflikt nach 10 Monaten beendet
Die Lokführer-Gewerkschaft GDL schließt auch Streiks im Güterverkehr am kommenden Wochenende nicht aus. Sollte das Landesarbeitsgericht Chemnitz am Freitag das teilweise Streikverbot für den Fern- und Güterverkehr aufheben, "dann behalten wir uns natürlich vor, noch am Wochenende den Güterverkehr lahmzulegen", sagte GDL-Vize Claus Weselsky der "Sächsischen Zeitung". Die Bahn hatte zuvor mitgeteilt, es werde in jedem Fall bis zum kommenden Montag keine Streiks mehr geben.
Sollte das Gericht hingegen das Verbot der Streiks im Fernverkehr der ersten Instanz bestätigen, wolle die Gewerkschaft vor das Bundesverfassungsgericht ziehen. Für den dann drohenden monatelangen Schwebezustand bis zum Urteil kündigte Weselsky "eine neue Streik-Strategie im Nahverkehr" an.
"Volksverblödung und Psychoterror"
Der Vorsitzende der Lokführergewerkschaft GDL, Manfred Schell, hat der Deutschen Bahn Volksverblödung und Psychoterror vorgeworfen und Bahn-Personalvorstand Margret Suckale als Außerirdische bezeichnet. In einem veröffentlichten Gespräch mit dem Magazin "Stern" zeigte er sich zugleich zuversichtlich, den Tarifstreit zu gewinnen: "Wir stehen diesen Arbeitskampf durch", betonte der GDL-Chef in dem Interview, das er während seiner Kur in Radolfzell gab.
Als Volksverblödung bezeichnete er das Angebot der Deutschen Bahn, einmalig 2.000 Euro zu zahlen. Dies sei Geld, das den Kollegen ohnehin schon gehöre, da die Bahn Überstunden nicht vergüte, sondern dieses Geld anlege. Den Vorwurf des Psychoterrors bezog Schell auf die Abmahnungen und Kündigungen gegen Lokführer wegen gefährlichen Eingriffs in den Eisenbahnverkehr. "Die Abmahnungen und die Kündigungen wird die Bahn zurücknehmen müssen", sagte der Gewerkschaftsvorsitzende, der über Bahn-Personalchefin Suckale sagte, sie sei eine "Außerirdische", die die Eisenbahnerfamilie zerstört habe.
Der 64-jährige Schell wurde nach eigener Darstellung zuletzt immer wieder massiv bedroht: "Es gab Drohungen gegen mich, Drohungen gegen Angestellte von uns, es hieß schon: Der Nächste, der das Haus verlässt, wird abgeknallt. Es gab Bombendrohungen. Es gab Anrufe: ,Der Schell wird seine Rente nicht mehr erleben!'." Er lasse sich dadurch aber nicht aus der Ruhe bringen. Vorwürfe, er habe sich mitten während des Arbeitskampfes in die Kur verabschiedet, wies er zurück. "In bin nicht weg, ich bin rund um die Uhr erreichbar", erklärte Schell. Falls die Bahn "mit einem neuen, einem wirklichen Angebot" komme, werde er sofort zu den Verhandlungen eilen.
(apa/red)

