Montag, 29. Oktober 2007

Stadtwerke-Vorstand Miksits im Gespräch: Strompreis in Wien soll heuer stabil bleiben

  • Miksits fordert Konsolidierung der Strombranche
  • Gespächklima mit Verbund als "gut" bezeichnet

Für eine Konsolidierung der im europäischen Vergleich relativ kleinteiligen österreichischen E-Wirtschaft spricht sich der neue Energie-Vorstand der Wiener Stadtwerke, Helmut Miksits, aus. Anstreben solle man über den Vertrieb hinausgehende Vereinbarungen, sagte der seit Anfang Oktober amtierende Miksits im Gespräch mit der APA. Bei den Strompreisen in Europa rechnet er längerfristig mit einem weiteren Anstieg, in Wien werde es heuer keine Erhöhung geben. Ein Ausbau des Kraftwerksparks in Wien sei denkbar.

Die Österreichische Stromlösung (ÖSL) in ihrer ursprünglichen Form - geplant war eine Kooperation von Verbund und EnergieAllianz (Wiener Stadtwerke, EVN, Bewag/Begas) im Großkundenvertrieb und im Stromhandel - sei offensichtlich nicht erwünscht. Das Gesprächsklima mit dem Verbund bezeichnet Miksits als "gut". Eine österreichische Lösung halte er auf jeden Fall für klug. Wichtig sei es, die Mehrheit des Staates an den Energieversorgern zu erhalten.

Auch wenn es zu keiner Konsolidierungslösung in Österreich kommen sollte, sei die Wien Energie als Versorger in einem Ballungsraum in einer sehr guten Position. Das Stromnetz sei Top in Ordnung, dazu kämen Kraft-Wärme-Kopplungs(KWK)-Anlagen, dies seien gute Voraussetzungen für eine wachsende Großstadt.

Weiteres Kraftwerk
Vorstellbar sei es, in Wien nach dem derzeitigen Ausbau in Simmering ein weiteres Kraftwerk zu bauen und eventuell ein Reservekraftwerk stillzulegen. Derzeit befinde man sich in der Evaluierungsphase für eine moderne Gas- und Dampfturbinen(GuD)-Anlage für die Erzeugung von Strom und Wärme mit einer installierten Leistung von rund 400 MW. Solche Anlagen eigneten sich mit ihrem hohen Wirkungsgrad hervorragend für Ballungszentren. Der Anteil der Eigenerzeugung der Wien Energie am Strom-Absatz liegt bei 50 Prozent, dies wolle man zumindest halten. Derzeit wird das Gaskraftwerk in Wien Simmering um rund 300 Mio. Euro auf eine Kapazität von 700 MW ausgebaut. Die Inbetriebnahme ist für 2008/09 geplant. 800.000 Haushalte und 7.000 Firmen werden dann mit Strom und 200.000 Wohnungen mit Wärme versorgt. Durch die KWK wird ein Wirkungsgrad von mehr als 81 Prozent erreicht.

Im Ökostrom-Bereich habe man neben dem seit rund einem Jahr laufenden Biomasse-Kraftwerk in Simmering Windkraft-Engagements, aber auch Kleinwasserkraft-Projekte im benachbarten Ausland im Visier.

An den europäischen Strom-Großhandelsmärkten werde man längerfristig noch steigende Preise sehen, erwartet Miksits. Dies werde aber auch davon abhängen, wie sich der Kraftwerkspark entwickle. Die Preissteigerungen müssten nicht unbedingt "exorbitant" sein. Bei der Wien Energie werde es heuer jedenfalls keine Strompreiserhöhung geben und auch bei den Gaspreisen sei eine Anhebung in nächster Zeit schwer vorstellbar.


Einer Privatisierung der Wien Energie kann Miksits nichts abgewinnen. Er sehe keinen Grund, dieses gut funktionierende Unternehmen zu privatisieren, letztlich wäre das aber eine Eigentümerentscheidung Für eine Beteiligung beim geplanten Börsegang der Energie AG Oberösterreich sehe er keinen strategischen Bedarf und über die Wertsteigerung des Verbund-Anteils - die Wiener Stadtwerke halten rund 12,5 Prozent - freue man sich. Zum Thema Mitarbeiterabbau sagte er, wenn es Rationalisierungserfordernisse gebe, wolle man betroffene Mitarbeiter in anderen Bereichen einsetzen.

Über Miksits
Mag. Helmut Miksits (60) ist seit 1. Oktober 2007 Vorstandsmitglied der Wiener Stadtwerke AG und für Energie verantwortlich. Er ist seit Juli 1967 bei den Stadtwerken und war zuletzt Geschäftsführer der Stadtwerke-Tochter Wien Energie GmbH und Geschäftsführer der Wien Energie Gasnetz GmbH (Wiengas). Wichtig sei ihm neben einer Konsolidierungslösung der Ausbau der bereits jetzt hervorragenden Versorgungssicherheit, die Erhaltung der langfristigen Gaslieferverträge bei der EconGas und ein vernünftiger Ausbau der Fernwärme.

(apa/red)

29.10.2007 09:45