"Süßes, sonst gibts Saures": Halloween hat mehrere Parallelen im heimischen Kulturgut
- Krapfenschnappen und Heische sind Vorgänger
- Traditionen, die nicht benötigt werden, sterben aus

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Halloween breitet sich aus, weil der Bedarf danach gegeben ist, sagen Volkskundler. Aus Österreich stammende Brauchtümer wie die "Heische" oder das "Krapfenschnappen" werden wiederbelebt, der Spaßfaktor spielt dabei eine wichtige Rolle.
Die verkleideten Kinder, die auch dieses Jahr zu Halloween von Haus zu Haus gehen, sorgt das mancherorts für Unmut. Von einer Verdrängung des österreichischen Kulturguts kann aber laut Hartmut Prasch, Leiter des Museums für Volkskultur in Spittal an der Drau (Kärnten), keine Rede sein: "Brauchtum kommt von brauchen. Wenn eine Tradition nicht benötigt wird, stirbt sie aus", ist er überzeugt. Außerdem sei die Form des "Heischens", bei dem Kinder und Erwachsene durch die Dörfer gehen, um Gaben einzusammeln, schon seit Jahrhunderten im Alpenraum vertreten.
Halloween hat einheimische Vorgänger
"Es handelt sich einfach um eine natürliche Entwicklung des Brauchtums", sagt Prasch . Es passe sich an die Zeit an: "So wie es früher zum Beispiel eine Tierweihe gegeben hat, gibt es jetzt eben eine Autoweihe. Wenn der Bauer keine Ochsen zum Ziehen mehr braucht, dann wird der Traktor gesegnet." Bei der Übernahme von Bräuchen aus anderen Kulturkreisen - wie zum Beispiel Halloween - sei der Bedarf "einfach gegeben", führte Prasch weiter aus. "Heimatpflege" müsse mit der Zeit gehen und die Ansprüche der Gesellschaft beachten, ist er überzeugt.
Die "Heische-Bräuche" seien auf der anderen Seite eigentlich genau dasselbe wie "Süßes, sonst gibt's Saures" zu Halloween. Mehrere christliche Bräuche, wie zum Beispiel das "Piesnen" am Tag der Unschuldigen Kinder, am 28. Dezember, oder das "Krapfenschnappen" zu Ostern würde laut dem Volkskundler dafür sprechen.
Spaßige statt vergessene Traditionen
"Piesnen" ist auch unter "Frisch und Gsund" bekannt, an diesem Tag dürfen Kinder Erwachsene mit einer Rute schlagen und werden dann mit Süßem oder Geld belohnt. "Beim 'Krapfenschnappen' klopfen Kinder mit einer Figur auf einer Schere an Fenster und Türen, sagen Sprüche auf und bekommen danach Krapfen von den Hausbewohnern", erzählte Prasch. Beides findet sich in Österreich nur mehr sehr selten, stattdessen wird zum Beispiel zu Halloween die "traditionelle Form der Heische mit dem Spaßfaktor verbunden".
Brauchtum müsse sich zwar permanent entwickeln, seine Wurzel sei aber immer eine "transzendente Symbiose zwischen Mensch und Natur", führte Prasch aus. "Der Mensch bittet um etwas oder bedankt sich für etwas. Auch im vorchristlichen Sinn hängt Brauchtum immer mit Fruchtbarkeit und Erhaltung des Lebens zusammen." Deswegen habe auch die katholische Kirche in ihren Anfängen das heidnische Brauchtum mit christlichen Werten versetzt, so Prasch. (APA/red)
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