Links-Kandidat Colom neuer Präsident von Guatemala: General Molina klar geschlagen
- Für Reform der Justiz und für höhere Sozialausgaben
- Partei ist im Parlament auf Koalitionen angewiesen

Der Sozialdemokrat Alvaro Colom wird neuer Präsident von Guatemala. Der 56-Jährige setzte sich bei der Stichwahl mit 52,7 Prozent der Stimmen gegen seinen rechtsgerichteten Herausforderer, Ex-General Otto Pérez Molina, durch, wie die oberste Wahlkommission am Sonntag nach Auszählung von rund 96 Prozent der Stimmen mitteilte. Pérez Molina, ein ehemaliger Kommandant aus Bürgerkriegszeiten, gestand seine Niederlage ein. Colom, der im Wahlkampf soziale Themen in den Mittelpunkt gestellt hatte, tritt im Jänner die Nachfolge des scheidenden Präsidenten Oscar Berger an.
"Ich war sicher, dass ich gewonnen habe", sagte Colom nach Bekanntgabe des Ergebnisses vor Journalisten. Mit seinem Sieg über den Ex-General habe das Land endgültig mit seiner militaristischen Vergangenheit abgeschlossen, sagte er vor seinen Anhängern. Der erfolgreiche Unternehmer kündigte an, zunächst mit allen politischen Kräften und sozialen Organisationen über die Regierungslinie zu beraten. Coloms Nationale Einheit der Hoffnung ist mit 52 der 158 Mandate im Parlament auf Koalitionen angewiesen.
Soziale Themen im Mittelpunkt
Es war seit der Militärherrschaft und dem Ende des Bürgerkriegs (1960 bis 1996) in Guatemala das erste Mal, dass ein Militärangehöriger und ein Zivilist um das Präsidentenamt kämpften. Colom hatte im Wahlkampf soziale Themen in den Mittelpunkt gestellt, sein gleichaltriger Gegner versprach seinen Landsleuten ein entschiedenes Vorgehen gegen Korruption und Gewalt. Wirtschaftlich verfolgt Pérez einen neoliberalen Kurs.
Gewalt und Armut
Gewalt und Armut sind in Guatemala allgegenwärtig. Das bevölkerungsreichste Land Mittelamerikas leidet unter einer erschreckenden Kriminalitätsrate: Seit Anfang des Jahres wurden in Guatemala etwa 6000 Morde verübt. Auch der Wahlkampf war extrem gewalttätig: Mehr als 50 Bewerber, Familienangehörige und Parteimitglieder wurden vor der ersten Runde Anfang September ermordet, bis zur zweiten Runde kamen fünf weitere politische Morde hinzu. Die beiden Urnengänge verliefen allerdings ohne Zwischenfälle, nicht zuletzt wegen des massiven Einsatzes von Polizei und Armee.
Das Land ist nach wie vor gespalten. Die Aufarbeitung des Bürgerkriegs, in dessen Verlauf rund 200.000 Menschen ums Leben kamen, steht noch aus. Die Kluft zwischen einer schwer reichen Unternehmer-Elite, zu der der dreifache Präsidentschaftsbewerber Colom zählt, und den 80 Prozent der Guatemalteken, die in Armut leben, ist weiterhin extrem. Mayas und andere Ureinwohner, die etwa 60 Prozent der 13 Millionen Einwohner ausmachen, leben weiter am Rand der Gesellschaft. Nach Schätzungen von Hilfsorganisationen leben rund 80 Prozent der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze.
Wie genau Colom sein Versprechen einlösen und die Armut wirkungsvoll bekämpfen will, blieb zunächst unklar. Nach Auffassung politischer Analysten arbeiteten beide Kandidaten während des Wahlkampfs mit unrealistisch optimistischen Annahmen. Die Politikwissenschaftlerin Vivian Chacon bezeichnete die Wahlprogramme als "Blütenträume": "Die Vorschläge für die notwendigen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Eingriffe haben mit dem wirklichen Leben nichts zu tun", sagte sie. Dass auch die Wähler den Versprechungen der Kandidaten wenig Glauben schenkten, spiegelte sich in ihrer Wahlbeteiligung wider: Von den sechs Millionen Stimmberechtigten blieb mehr als die Hälfte den Urnen fern - noch mehr als die 41 Prozent, die sich beim ersten Wahlgang enthielten.
(apa/red)
Fall Heidrun Wastl13:58
Die irre BeichteTatverdächtiger Erich W. spricht von Unfall - "Ich habe sie vermutlich getroffen"
Anders Behring Breivik19:11
War er Einzeltäter?Norwegens Polizei ist sicher, dass der Attentäter die Anschläge allein ausgeführt hat
