Schlag gegen Rebellen in Sri Lanka: Führer der Tamilen bei Luftangriff umgekommen
- Tamilselvan war Verhandlungsführer bei Gesprächen
- "Werden uns einen nach dem anderen vorknöpfen"

Der politische Anführer der Befreiungstiger von Tamil Eelam (LTTE) ist bei einem Angriff der srilankesischen Luftwaffe getötet worden. "Brigadegeneral" S. P. Tamilselvan (Thamilselvan) sei bei einem Luftangriff auf ein von den Rebellen kontrolliertes Gebiet ums Leben gekommen, teilte die separatistische LTTE auf ihrer Internetseite mit. Fünf weitere Menschen seien dabei ebenfalls getötet worden. Beobachter sprachen vom bisher schwersten Schlag für die tamilischen Rebellen, der die Hoffnung auf ein baldiges Ende des Bürgerkriegs und Frieden stark geschmälert habe.
"Mit großer Trauer teilen wir dem Volk von Tamil Eelam, dem tamilischen Volk weltweit und der internationalen Gemeinschaft mit, dass heute um 6.00 Uhr (...) das Oberhaupt des politischen Flügels unserer Organisation, Brigadegeneral S. P. Tamilselvan, bei einem Bombardement der srilankesischen Luftwaffe getötet wurde", teilte die LTTE mit. Das Verteidigungsministerium in Colombo hatte zuvor einen Angriff am frühen Morgen auf einen Versammlungsort von Rebellen-Anführern in Thiruvaiaru bekanntgegeben.
Öffentliches Gesicht der LTTE
Die srilankesische Regierung zeigte sich erfreut: "Das ist eine klare Botschaft, dass wir die Aufenthaltsorte ihrer Führer kennen", sagte Verteidigungsminister Gotabhaya Rajapaksa. "Es zeigt, dass unsere Informationen sehr genau sind (...) Wenn die Zeit gekommen ist, werden wir uns einen nach dem anderen vorknöpfen."
Der 40-jährige Tamilselvan war als faktischer "Regierungschef" die Nummer Zwei in der LTTE-Hierarchie und das öffentliche Gesicht der Gruppe. Tamilselvan war bei früheren Gesprächen mit der srilankesischen Regierung im Oktober 2006 in der Schweiz Verhandlungsführer der Befreiungstiger. Er leitete auch die Kontakte der LTTE zu norwegischen Friedensunterhändlern und Journalisten, während sich der Anführer der Rebellengruppe, Velupillai Prabhakaran, in den vergangenen Jahren so gut wie nie in der Öffentlichkeit zeigte. Tamilselvan war zugleich auch ein aktiver Kämpfer.
Dämpfer für Friedensgespräche
"Der Verlust von Tamilselvan auf diese Art und Weise wäre ein sehr großer Dämpfer für jede Hoffnung auf Friedensgespräche in der nahen Zukunft, die sich aber so und so nicht abgezeichnet haben", sagte Jehan Perera von der unparteiischen Interessengruppe National Peace Council (Nationaler Friedensrat). "Er (der Verlust, Anm.) macht das Bild nur noch düsterer." Die LTTE ist vielfach als Terrororganisation eingestuft, so auch von der EU und den USA.
Die Befreiungstiger kämpfen seit fast 25 Jahren für für die Unabhängigkeit der tamilischen Minderheit bzw. eine weitreichende Autonomie im Norden und Osten des mehrheitlich von Singhalesen bewohnten Sri Lanka. Sie kontrollieren Teile des Nordens der Insel Ceylon. Nach einer vorübergehenden ruhigeren Phase nach einem 2002 geschlossenen Waffenstillstand eskalierte die Gewalt auf der vom Tsunami betroffenen Urlaubsinsel seit Ende 2005 wieder. Rund 70.000 Menschen sind dort seit 1983 durch Gewalt gestorben, allein in den vergangenen 20 Monaten waren es mehr als 5.000 Menschen.
(apa/red)
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