Erdogan erwartet jetzt US-Hilfe gegen PKK: Außenministerin Rice im Anflug auf Ankara
- Einmarsch in den Irak soll noch verhindert werden

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ruhe mit Rebellen ab
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Häufig gespalten und ohne eigenen Staat
Für die Türkei beginnen die wichtigsten sieben Tage des Jahres. Zuerst will US-Außenministerin Condoleezza Rice diese Woche in Ankara und Istanbul versuchen, in Gesprächen mit Türken und Irakern eine türkische Invasion im Norden des Irak zu verhindern. Anschließend plant der türkische Premier Recep Tayyip Erdogan eine Reise nach Washington, um mit George Bush über ein Vorgehen gegen die PKK im Nordirak zu sprechen. Bisher sind aber noch keine konkreten amerikanischen Vorschläge dafür bekannt. Wenn die USA nicht bald etwas auf den Tisch legen, wird Erdogan seinen Besuch bei Bush möglicherweise noch absagen - dann könnte der Einmarsch früher beginnen als bisher angenommen.
Die US-Regierung hat in den anstehenden Gesprächen ein großes Problem: Sie muss Vorschläge zur Bekämpfung der PKK im Nordirak präsentieren, die sowohl für die türkische als auch für die irakische Seite tragbar sind. Bisher sind alle Versuche gescheitert, die grundverschiedenen Ansichten unter einen Hut zu bekommen. Erst vor wenigen Tagen lehnte Ankara ein Maßnahmenbündel der irakischen Regierung gegen die PKK als unzureichend ab.
Besonders verärgert sind die Türken darüber, dass sich die PKK im Nordirak keinesfalls versteckt, die Iraker aber betonen, die Kurdenrebellen säßen unerreichbar in schwer zugänglichen Bergregionen. Nach Berichten aus dem Nordirak funktioniert auch der Nachschub für die PKK in der Region weiterhin ungestört.
Konfrontation mit Barzani
Der nordirakische Regionalpräsident Massud Barzani, ein mächtiger kurdischer Clanchef, bringt Ankara zusätzlich in Rage, weil er trotz Aufforderung durch die Zentralregierung in Bagdad ein Vorgehen gegen die PKK in seinem Machtbereich ablehnt. "Die ganze Sache wird mehr und mehr zu einem Barzani-Problem", sagte der türkische Journalist Enis Berberoglu im Fernsehsender CNN-Türk. Erdogans Regierung will über Wirtschaftssanktionen gegen die nordirakische Regionalregierung beraten. Strafmaßnahmen bis hin zur Einstellung der türkischen Stromlieferungen an den Nordirak sind im Gespräch - solche Sanktionen könnten den nordirakischen Wirtschaftsboom kollabieren lassen. Die Zeichen stehen also auf Eskalation.
Umso wichtiger ist es aus türkischer Sicht, dass die Amerikaner in Sachen PKK aktiv werden. In Presseberichten war von Plänen für US-Luftangriffe auf PKK-Lager die Rede, offiziell gibt es bisher aber keine Äußerung dazu aus Washington. Spätestens bei den Gesprächen von Rice mit der türkischen Regierung in Ankara und bei ihren anschließenden Unterredungen bei einer Konferenz von Irak-Anrainerstaaten in Istanbul soll nun Tacheles geredet werden. Rice will am Donnerstag in Ankara ankommen und am Freitag und Samstag an der Istanbuler Konferenz teilnehmen.
USA in schwieriger Situation
Das Misstrauen in der türkischen Öffentlichkeit den USA gegenüber ist groß. Wenn Rice vorhabe, vor allem einen türkischen Irak-Einmarsch zu verhindern, statt konkrete Aktionen gegen die PKK zu besprechen, dann werde das den türkisch-amerikanischen Beziehungen einen neuen Schlag versetzen, warnte die Zeitung "Radikal".
Erdogan selbst sagte, er erwarte von seinem Treffen mit Bush "konkrete Schritte" gegen die PKK und einen verbindlichen Aktionsplan der Amerikaner. "Die Türkei ist mit ihrer Geduld am Ende", sagte er. "Wir können uns auch selbst verteidigen." Eine Zeitung berichtete, noch sei nicht klar, ob Erdogan wirklich in die USA reise. In Washington seien bisher nicht einmal Hotelzimmer für die türkische Delegation reserviert worden.
Der Druck auf Erdogan, der türkischen Armee freie Hand für einen Einmarsch zu geben, hält unvermindert an. Bei den jüngsten Gefechten zwischen türkischen Truppen und PKK-Kämpfern in Südostanatolien starben vier Soldaten. Rund hundert PKK-Rebellen, der aus Irak in die Türkei eingesickert waren, sollen von der Armee eingekreist worden sein.
Rechtsnationalisten gehen gegen Kurden vor
Auch weit von der Front entfernt wachsen die Spannungen zwischen Türken und Kurden. Am Rande der fast täglichen Demonstrationen gegen die PKK im ganzen Land gehen türkische Rechtsnationalisten gegen Kurden vor. Im nordwesttürkischen Bursa wurden Geschäfte geplündert, deren Besitzer aus dem Kurdengebiet stammen. Erdogan rief die Bürger am Dienstag zur Mäßigung auf. "Die Proteste (gegen die PKK) dürfen nicht aus dem Ruder laufen", sagte er. Die Türken sollten ihre Emotionen im Zaum halten. Doch das wird mit jedem Tag schwerer.
(apa/red)
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