Urteile für Terror von Madrid verkündet:
21 Schuld- & sieben Freisprüche im Prozess
- "Chefideologe" wurde überraschend freigesprochen
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Auch Regierungsgebäude im Visier von Terroristen
Dreieinhalb Jahre nach den Terroranschlägen von Madrid sind drei der insgesamt 28 Angeklagten zu Höchststrafen verurteilt worden. Der Vorsitzende Richter Javier Gomez Bermudez verhängte in diesen Fällen in Madrid jeweils Strafen von 34.000 bis 43.000 Jahren Gefängnis, was in Spanien bedeutet, dass sie die maximale Haftstrafe von 40 Jahren verbüßen werden müssen. Einer der mutmaßlichen Drahtzieher wurde überraschend freigesprochen; insgesamt gab es sieben Freisprüche.
Regierungschef Jose Luis Rodriguez Zapatero sagte, es sei "Gerechtigkeit geübt" worden. Bei den Attentaten in der Früh des 11. März 2004 waren in vier Pendlerzügen zehn Bomben explodiert. 191 Menschen wurden getötet und 1.841 weitere verletzt.
Höchststrafen
Bei den zu Höchststrafen Verurteilten handelte es sich um die Marokkaner Jamal Zougam und Othman al-Gnaoui sowie den Spanier Jose Emilio Suarez Trashorras. Sie wurden des vielfachen Mordes und versuchten Mordes schuldig gesprochen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Zougam einer der Bombenleger war. Die beiden anderen hätten Sprengstoff besorgt. Allen 21 Verurteilten bleiben fünf Tage zur Berufung.
Überraschender Freispruch
Für eine Überraschung sorgte der Nationale Gerichtshof in Madrid mit dem Freispruch für Rabei Osman Sayed Ahmed alias "Mohammed der Ägypter". Ahmed galt als einer der Drahtzieher und als Chefideologe der Terroristen. Er wurde 2004 in Italien verhaftet und wegen Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt, die er dort absitzt. Rabei Osman soll sich in einem abgehörten Telefongespräch damit gebrüstet haben, die Anschläge seien seine Idee gewesen. Seine Verteidiger argumentierten jedoch erfolgreich, die Bänder seien falsch übersetzt worden. Zwei weitere mutmaßliche Anführer der Attentäter wurden von dem Vorwurf der Drahtzieherschaft freigesprochen: Sie erhielten stattdessen 20 Jahre Haft für ihre Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung.
Mangelnde Beweise
Bereits im Verlauf des Prozesses wurde die Anklage gegen einen der anfangs 29 Angeklagten, einen Marokkaner, mangels Beweisen fallengelassen. Der Prozess hatte heuer von Mitte Februar bis Anfang Juli gedauert. Die Verhandlungstage genauso wie die Urteilsverkündung wurden fast ausnahmslos live im Fernsehen übertragen. Rund 300 Zeugen und 60 Fachleute wurden befragt. Die Staatsanwaltschaft forderte für die 28 Angeklagten ein Strafmaß in der Rekordhöhe von insgesamt 311.865 Jahren Haft. Spaniens Strafrecht sieht die Addition sämtlicher Einzelstrafen vor, allerdings liegt die maximale Haftzeit bei 40 Jahren. Eine Verurteilung zu lebenslanger Haft gibt es nicht.
Sieben mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge konnten nicht vor Gericht gestellt werden. Sie hatten sich drei Wochen nach der Tat in der Nähe von Madrid in die Luft gesprengt, nachdem die Polizei ihren Aufenthaltsort umstellt hatte.
Schwarzer 11. März
Die Anschläge vom 11. März waren die schwersten Attentate in Europa, seit 1988 Terroristen einen PanAm-Jumbos über der schottischen Ortschaft Lockerbie zum Absturz brachten und insgesamt 270 Menschen an Bord und am Boden umkamen. Zu den Madrider Anschlägen hatte sich das Terrornetzwerk Al-Kaida bekannt.
Urteilsverkündung
Die Urteilsverkündung durch Richter Gomez Bermudez erfolgte unter strengen Sicherheitsvorkehrungen. Polizeihunde durchsuchten den Gerichtssaal nach Sprengstoff, über dem Gebäude in Madrid kreisten Hubschrauber. Bermudez erklärte im Gerichtssaal, es gebe keine Hinweise auf eine Beteiligung der baskischen Untergrundorganisation ETA an den Anschlägen. Das hatte die damalige konservative Regierung nach den Explosionen behauptet. Sie wurde kurz darauf abgewählt. Der heutige sozialistische Ministerpräsident Zapatero sagte: "Die Barbarei des 11. März 2004 hat einen tiefen Schmerz in unserer gemeinsamen Erinnerung hinterlassen, einen Schmerz, der bei uns bleibt als eine Huldigung der Opfer."
(APA/red)
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