Dienstag, 30. Oktober 2007

Der Tschad geht von Kindesentführung aus:
16 Europäer einer Hilfsorganisation in Haft

  • Angeblicher Krankentransport nach Europa vereitelt
  • Auch französische Journalisten stehen unter Verdacht

Der umstrittene Versuch der französischen Organisation Arche de Zoe, afrikanische Kinder nach Frankreich auszufliegen, hat ernste juristische Konsequenzen. 16 Europäer und zwei Einheimische müssen sich in der zentralafrikanischen Tschad nach Angaben der dortigen Behörden wegen Kindesentführung und Betrugs beziehungsweise wegen Beihilfe dazu verantworten. Das französische Außenministerium widersprach allerdings Angaben, wonach gegen die Europäer bereits Anklage erhoben worden sei. Die tschadische Staatsanwaltschaft habe diese bisher lediglich "beschuldigt".

Neun Franzosen und sieben Spanier sind im Tschad inhaftiert. Bei den Franzosen handelt es sich um sechs Mitarbeiter von Arche de Zoe und drei Journalisten, bei den Spaniern um die Besatzungsmitglieder des gecharterten Flugzeugs. Sie waren in der östlichen Stadt Abeche beim Versuch festgenommen worden, 103 Kinder nach Europa zu bringen. Das zentralafrikanische Land wirft der Hilfsorganisation Arche Zoe vor, sie habe die Kinder aus dem Tschad "entführen" wollen. Die Organisation beteuert dagegen, es handle sich um Waisenkinder aus der angrenzenden sudanesischen Krisenregion Darfur, die "vor dem sicheren Tod" gerettet werden sollten.

Die Nacht verbrachten die Europäer nach Berichten eines AFP-Reporters im Justizpalast von Abeche, von wo aus sie vermutlich in die 700 Kilometer westlich gelegene Hauptstadt N'Djamena verlegt werden sollten. Mehrere Dutzend Demonstranten versammelten sich vor dem Justizgebäude und beschimpften die Europäer als "Diebe" und "Mörder". Außer den 16 Europäern droht auch zwei Tschadern sowie einem belgischen Piloten die Strafverfolgung im Tschad.

Verwirrung gab es um den Stand des Verfahrens. Ein Vertreter der Staatsanwaltschaft hatte in Abeche erklärt, die 16 Europäer seien angeklagt worden. Die neun Franzosen müssten sich wegen Kindesentführung und Betrugs verantworten, die sieben Spanier wegen Beihilfe dazu. Die französische Regierung widersprach diesen Angaben. Soweit dem französischen Außenministerium bekannt sei, habe die tschadische Staatsanwaltschaft die 16 festgenommenen Europäer bisher lediglich "beschuldigt", sagte Außenamtssprecherin Pascale Andreani in Paris. Ob die Justiz des Landes Anklage erhebe, sei noch nicht entschieden.

Verkauf an Kinderschänder?
Der tschadische Präsident Idriss Deby hatte "harte Strafen" angekündigt. Er unterstellte den Mitarbeitern von Arche de Zoe, sie hätten die Minderjährigen möglicherweise an Kinderschänder in Europa verkaufen oder sie töten wollen, um mit ihren Organen zu handeln. Spanien reagierte verstimmt auf das Vorgehen gegen seine Landsleute. Der Staatssekretär im Madrider Außenministerium, Bernardino Leon, sagte im Rundfunk, es gäbe keine überzeugenden Beweise gegen seine sieben Landsleute. Die Regierung betrachte sie deshalb weiter als unschuldig.

Nach Angaben des UNO-Kinderhilfswerks UNICEF blieb zunächst weiter unklar, ob es sich bei den Kindern um Waisen handelte. UNICEF-Sprecherin Veronique Taveau sagte in Genf, Mitglieder des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (ICRC) befragten weiter die Kinder. "Momentan wissen wir nicht, ob die Kinder Waisen sind oder nicht. Wir wissen auch nicht, woher sie kommen", sagte sie.

(apa/red)

30.10.2007 14:27