Montag, 22. Oktober 2007

Klimawandel bedroht Mittelmeertourismus:
Disco statt klassischem Küsten-Strandleben

  • 2020 wird es im Mittelmeerraum viel zu heiß sein
  • Rechtzeitig Alternativen zum Strandurlaub überlegen

Zu einem typischen Mittelmeer-Urlaub gehören Strandliegen, Sonnenschirm und Schwimmen. Ob das auch in Zukunft so sein wird, hängt auch von den Auswirkungen des Klimawandels ab. Welchen Einfluss die Erderwärmung auf den Tourismus haben wird, ist noch weitgehend unklar. Eines steht jedoch, nach Ansicht von Forschern, fest: "Der Klimawandel ist die größte Herausforderung für den nachhaltigen Tourismus", sagte Antonio Navarra vom internationalen Klimaforschungsprojekt CIRCE auf einer Tagung zum Thema Klimawandel im Mittelmeerraum an der Pariser Universität für Politische Wissenschaft.

"Die italienische Riviera ist ein gutes Beispiel", meint Navarra. "Dort hat sich der Tourismus in den vergangenen Jahren so entwickelt, dass das klassische Strandleben kaum noch eine Rolle spielt", sagt er. Viele Touristen kämen wegen der Unterhaltungsangebote. Swimmingpools, Discos, Modenschauen, Yogakurse oder andere Aktivitäten seien immer wichtiger geworden. Filio Triandafillidou vom griechischen Tourismusministerium zeigt sich ebenfalls zuversichtlich: "Wir müssen neue Formen des Tourismus entwickeln, Abenteuer-, Kultur- oder Konferenztourismus zum Beispiel", sagt sie. Möglicherweise werde es im Sommer weniger Touristen geben, weil es zu heiß sei. Dafür könne die Reisesaison weit in den Herbst hinein verlängert werden.

Schreckensszenarien
Das CIRCE Institut hat mehrere Szenarien entwickelt, um die möglichen Folgen des Klimawandels am Mittelmeer besser einschätzen zu können. So sei beispielsweise die ägyptische Küstenstadt Alexandria, die im niedrigen Nildelta liegt, bei einem Anstieg des Meerwasserspiegels besonders gefährdet. Durch wärmere Sommer könnten sich dort auch Krankheiten schnell ausbreiten. Im spanischen Golf von Valencia droht hingegen die zunehmende Verschmutzung des Meerwassers, weil durch Wetterschwankungen mehr Pestizide aus der Landwirtschaft in das Wasser gelangen könnten.

Opfer und Täter
"Tourismus ist sowohl Verursacher als auch Opfer des Klimawandels", betont Jean Paul Ceron von der Universität Limoges. Knapp die Hälfte der Emissionen klimaschädlicher Gase im Tourismusbereich entfällt auf den Transport in Autos und Flugzeugen. Eine absehbare Folge des Klimawandels sei daher eine Verschiebung der Urlaubsziele. "Wenn die Kosten für Flüge steigen, werden die Menschen eben woanders Urlaub machen", meint Ceron. "Möglicherweise wird der Tourismus in Ländern mit gemäßigten Temperaturen zunehmen."

2020 wird es zu heiß sein
Der Mittelmeerraum ist wegen seiner warmen, trockenen Sommer vor allem bei nordeuropäischen Touristen beliebt. Es sei nicht auszuschließen, dass die Sommer künftig so heiß seien, dass weniger Touristen kommen, warnen die Forscher. Sie mahnten aber auch zur Zurückhaltung, da die tatsächlichen Folgen noch immer nicht abschätzbar seien. Die britische Zeitung "The Guardian" hatte erst kürzlich gemeldet, dass der Mittelmeerraum im Jahr 2020 "zu heiß für Touristen" sei. "Für solche Aussagen haben wir keine wissenschaftliche Basis", sagt Ceron. Und dennoch: "Die Zeit für eine Anpassung an die Folgen des Klimawandels hat längst begonnen."´(apa/red)

22.10.2007 15:01