Unis und Wirtschaft werben für Bachelor: Ab 2010 hat jeder 2. Absolvent diesen Titel
- Badelt: "Mit Bachelor wird ein Grundstein gelegt"
- Akzeptanz am Arbeitsmarkt derzeit noch fraglich
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Seit dem vergangenen Studienjahr ist die Mehrzahl der Studienrichtungen in Österreich auf die neue europäische Studienarchitektur mit den akademischen Abschlüssen Bachelor und Master umgestellt, es wird damit gerechnet, dass 2010 jeder zweite Uni-Absolvent mit dem "Bachelor" abschließt. Damit der neue Abschluss bei den Unternehmen auch akzeptiert wird, starten die Österreichische Rektorenkonferenz (ÖRK) und die Wirtschaftskammer (WKÖ) unter dem Motto "Willkommen Bachelor!" eine aus vier Diskussionen an Universitäten bestehende "Informationsoffensive".
Für WKÖ-Präsident Christoph Leitl stellt die Wirtschaft drei Anforderungen an die Bachelor-Studien: Die Ausbildung müsse damit "kürzer, praxisnäher und internationaler" werden. Zudem erhofft sich Leitl von den neuen Studien eine Steigerung der ohnehin zu geringen Akademikerquote in Österreich. "Die Wirtschaft würde mehr Akademiker begrüßen", sagte Leitl. So gab in einer von der Kammer in Auftrag gegebenen Befragung ein Drittel der Unternehmen an, mehr Akademiker einstellen zu wollen. 40 Prozent würden die akademische Weiterbildung ihrer Mitarbeiter begrüßen, 20 Prozent diese auch aktiv unterstützen.
Bachelor als Grundstein
Diese Unterstützung werden die Absolventen künftig auch benötigen, denn mit der neuen Studienarchitektur wird sich die akademische Ausbildung komplett ändern. "Keine noch so gute Erstausbildung hält ein Leben lang", sagte ÖRK-Chef Christoph Badelt. Vielmehr werde mit dem Bachelor ein Grundstein gelegt, dem Berufspraxis und später Weiterbildungsstudien, etwa ein Master-Abschluss, folgen. Dem entsprechend sind auch die Erwartungen der Unternehmen, die "nicht punktgenaue Ausbildung für die Wirtschaft erwarten, sondern dass ihre künftigen Mitarbeiter über die entscheidenden Grundqualifikationen verfügen", so Leitl.
Akzeptanz am Arbeitsmarkt fraglich
Ob die Bachelors am Arbeitsmarkt akzeptiert werden, hänge von der Gestaltung der Studien ab. Und hier seien die Unis "gut unterwegs", sagte Badelt. "Wir werden die Studien so organisieren, dass die Absolventen arbeitsmarktfähig sind, sonst wäre die Systemumstellung ja pervers", so der Rektoren-Chef. Erforderlich sei noch eine "Popularisierung" des neuen Abschlusses sowie eine weitere Flexibilisierung des Studienangebots. So müsse die Beschränkung der Bachelorstudien auf die Dauer von ausschließlich drei Jahren wegfallen und auch die Lehramtsstudien Bachelor-fähig gemacht werden.
Einig waren sich Leitl und Badelt, dass die Selektion im österreichischen Schulsystem mit zehn Jahren zu früh erfolge und damit eine soziale Schichtung erfolgt, die sich bis an die Universität durchziehe. Leitl sprach sich dafür aus, Dinge auszuprobieren. Zum Widerstand seiner Parteifreunde gegen die Schulreformpläne der SPÖ sagte Leitl nur: "Es gibt eine Lernerzentrierung, und es gibt eine Lehrerzentrierung." Dass die ÖVP die Zustimmung von zwei Dritteln aller Eltern, Schüler und Lehrer des betreffenden Schulstandorts zu einem Schulversuch "Neuen Mittelschule" fordert, gefällt Leitl nicht: "Die aus Schüler, Eltern und Lehrern bestehende Schulgemeinschaft gefällt mir gut, sie sollte aber nicht prohibitiv definiert werden."
(APA/red)
