Donnerstag, 25. Oktober 2007

Google hat Werbung im Web organisiert: Gründer kämpfen um digitale Weltherrschaft

  • Bei uns gehen 9 von 10 Suchanfragen über Google
  • Werbekunden kämpfen im Netz um die besten Plätze

In Österreich gehen neun von zehn Suchanfragen über Google. Am Weltmarkt ist es weniger, doch die dominante Rolle als Tor zur Information ist klar. Google ist ein Werkzeug, das extrem schnell Wissen aus der weltweiten Daten-Tiefsee von acht Milliarden Websites fischt. Zum Durchbruch hat Google das nach dem Gründer Larry Page benannte Verfahren der "PageRank"-Methode verholfen, die Seiten nach ihrer Relevanz (Wie oft wird sie besucht? Wie viele der gesuchten Begriffe kommen vor? Wer verweist dorthin?) zu listen. Und die smarten Gründer erkannten schneller als andere, was der kommerzielle Unterbau sein muss - die Werbung. "Die letzte Bastion der unverantwortlichen Ausgaben amerikanischer Firmen", so beschrieb Google-Vorstand Eric Schmidt einst die Werbeausgaben der Unternehmen.

Diese Ausgaben für Werbung hat der Konzern mit zwei Systemen ebenso elegant wie effizient in sein Geschäftsmodell integriert. Firmen können sich zu beliebigen Suchbegriffen Textanzeigen (AdWords) kaufen, die - optisch hervorgehoben von den reinen Suchergebnissen - auf der Seite erscheinen. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Benutzer für das beworbene Produkt interessiert, ist höher, weil er nach Ähnlichem offenbar sucht.

Google Textanzeigen auf fremden Websites
Das zweite System (AdSense) ist ein Partnermodell und findet nicht am Google-Portal statt. Dabei platziert Google Textanzeigen auf fremden Websites, die thematisch zum Umfeld passen. Werden diese Anzeigen angeklickt, schneidet der Inhaber der Website am Werbekuchen mit. "Wir haben im letzten Jahr weltweit drei Milliarden Dollar an unsere Partner ausgeschüttet", beschreibt Google-Österreich-Chef Karl Pall die "Google Economy".

Suche im Internet monopolisiert
Hinter der spartanisch-verspielten Optik der Seite steht ein Konzern der Superlative. In weniger als zehn Jahren haben die Gründer die Suche im Internet quasi monopolisiert, einen Weltkonzern mit 14.000 Mitarbeitern aufgebaut, das Geschäftsmodell mit Online-Werbung revolutioniert und eine atemberaubende Success-Story auf das Börsenparkett gelegt. Das Papier notierte zuletzt bei knapp 645 Dollar und hat sich seit dem Going public im Sommer 2004 praktisch verachtfacht. Die Aktie hat IT-Giganten wie Intel oder IBM bei der Börsenkapitalisierung locker überholt. Rekordverdächtig auch der letzte Quartalsgewinn: 1,1 Milliarden Dollar. Diese Gewinne stammen zu 99 Prozent aus Werbung.

Wer die Suchmechanismen von Google kennt und das Werbesystem mit Schlüsselwörtern richtig nutzt, kann auch als kleines Unternehmen profitieren, wie zahllose Beispiele beweisen. "Auf Inserate in der Bezirkszeitung oder Schaltungen auf, Wer liefert was?' habe ich keine Kunden bekommen. Acht von zehn Kunden finden über Google zu mir", sagt Johann Glasl, der einen 24-Stunden-PC-Notdienst führt. "Viele Firmen verschieben ihr Online-Budget in Richtung Google. Es ist schneller, effizienter und günstiger", berichtet Christoph Pichler von CPC Consulting, der Internetkampagnen von Austria Hotels bis Zürich Versicherung organisiert. "Die Basiswährung ist der, Cost per click', CPC, und liegt in der Regel weit unter denen von Bannerwerbung", sagt er.

Kampf um die besten Plätze
Der Kampf um die besten Plätze und die Aufmerksamkeit der Nutzer ist hart. 90 Prozent der User sehen sich nicht mehr als die erste Seite der Suchergebnisse an. Wer dort nicht ist, hat das Nachsehen, wie es John Battelle in seinem Buch "Die Suche: Geschäftsleben und Kultur im Banne von Google & Co" treffend beschreibt. Neil Moncrief, Betreiber eines kleinen Online-Shops, bekam 95 Prozent der Bestellungen über Google und setzte monatlich 40.000 Dollar um, bis Google im November 2003 seinen Suchalgorithmus veränderte und er auf seinen Schuhen in Übergröße sprichwörtlich sitzen blieb. "Was Google gibt, kann Google wieder nehmen", schreibt Battelle.

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25.10.2007 12:44