Schwarzes Gold ist so teuer wie noch nie: Preis-Anstieg auf 100 $ pro Fass erwartet
- Auswirkungen auf Konjunktur und Inflation gering
- FORMAT: Teure Brühe - Geopolitik als Preistreiber

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Grund: Starke Pkws und der schneearme Winter
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Beigemengtes Ethanol reduziert CO2-Ausstoß
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Viele Autofahrer unter- schätzen die Auswirkung
Diese Woche stieg der Ölpreis erstmals über 90 Dollar je Fass und nahm damit die 100-Dollar-Schallmauer ins Visier. Viele Experten - etwa auch der Chefvolkswirt der Deutschen Bank Norbert Walter - sind davon überzeugt, dass ein dreistelliger Ölpreis nur noch eine Frage der Zeit ist. Aber wie realistisch ist ein weiterer Preissprung tatsächlich, und wie wirken sich die hohen Kurse für das schwarze Gold auf die Konjunktur aus?
Kurzfristig spricht vieles für einen Rückgang des Ölpreises. Betrachtet man rein die Relation von Angebot und Nachfrage, so gibt es keinen wirklichen Engpass. Erst vergangene Woche hat die International Energy Agency (IEA) ihre Prognose für das Verbrauchswachstum 2007 von 1,4 Millionen Barrel/Tag auf 1,2 Millionen nach unten revidiert. Auch die befürchteten Förderausfälle in den USA und Mexiko während der Hurrikansaison sind wegen günstiger Witterung ausgeblieben. Dazu kommt, dass die Reservekapazität der OPEC mit 2,6 Millionen Barrel/Tag höher liegt als 2006 und dank intensiver Investitionen in den vergangenen Jahren noch weiter steigen wird.
Benigni: Preisniveau nicht gerechtfertigt
Marktkenner wie Johannes Benigni, Chef des internationalen Ölbrokers PVM, glauben daher nicht, dass das aktuelle Preisniveau gerechtfertigt ist. Was diese These stützt ist, dass nicht die Produktenpreise - also die Kurse für Benzin oder Diesel -, sondern nur der Rohölpreis nach oben geschossen ist. Klassischerweise ist der Rohöl-Future das Instrument, über das sich Finanzinvestoren wie Hedge-oder Rohstofffonds im Ölmarkt positionieren.
Geopolitik als Preistreiber
Freilich ist Erdöl ein besonderer Saft, bei dem nicht nur wirtschaftliche Fakten eine Rolle spielen, sondern auch die Geopolitik. Und hier agiert der Markt nicht immer rational. So war es der mögliche Einmarsch türkischer Truppen im Nordirak, der den Ölpreis über 90 Euro steigen ließ. Andere politische Risiken sind ein Militärschlag gegen den Iran wegen dessen Atomprogramm beziehungsweise eine weitere Destabilisierung im Nahen Osten. All diese Faktoren tragen zur Beunruhigung der Märkte und damit zu höheren Ölpreisen bei.
Die konjunkturellen Auswirkungen dessen hängen laut IHS-Chef Bernhard Felderer vor allem davon ab, wie lange sich der Preis auf diesem Niveau hält: "Ist das nur eine kurzfristige Preisspitze, so werden die Auswirkungen gering bleiben. Bleibt Öl dauerhaft so teuer, dann wird man das sowohl beim Wirtschaftswachstum als auch bei der Inflation spüren."
Wird Öl teurer, wird alles teurer
Schließlich darf man den Ölpreis nicht isoliert betrachten. Im Gefolge des schwarzen Goldes werden nicht nur andere Energieträger wie Gas, Kohle oder Strom teurer, sondern auch petrochemische Produkte, Transportleistungen oder energieintensiv erzeugte Waren wie Zement, Kupfer, Aluminium, Stahl oder Glas. Die Folge ist zweifach negativ: Einerseits dämpfen die höheren Preise das Wirtschaftswachstum, andererseits sorgen sie für höhere Inflationsraten. Die Notenbanken, vor allem die US-Fed und die EZB, kommen dadurch in ein Dilemma. Um die Wirtschaft weiter anzukurbeln, müssten sie die Zinsen senken, doch um die Geldwertstabilität zu gewährleisten - sprich: um die Inflation zu bekämpfen -, sollten sie die Leitsätze eigentlich erhöhen. IHS-Chef Felderer: "Die EZB wird vorläufig abwarten und die Zinsen bei den aktuellen vier Prozent belassen. Die US-Notenbank wird aber nach dem Zinsschritt vor einem Monat noch weiter senken."
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